Washington - Die US-Wirtschaft hat im dritten Quartal an Schwung gewonnen. Das Bruttoinlandsprodukt legte zwischen Juli und September auf das Jahr gerechnet zwei Prozent zu, teilte das Handelsministerium am Freitag mit. Sinkende Exporte und Investitionen verhinderten ein besseres Ergebnis. Experten hatten mit einem schwächeren Plus gerechnet. Im zweiten Quartal lag das Wachstum noch bei 1,3 Prozent.
US-Präsident Barack Obama dürfte im Endspurt des Wahlkampfs versuchen, die Entwicklung als seinen Erfolg darzustellen. Elf Tage vor der Wahl liegt er in Umfragen praktisch gleichauf mit seinem Herausforderer Mitt Romney. "Das sind ziemlich gute Zahlen", sagte Analyst Adam Sarhan von Sarhan Capital. Es sehe nun besser aus für die amerikanische und damit auch für die globale Wirtschaft.
Allzu viel Rückenwind dürfte die wirtschaftliche Lage Obama aber auch nicht bescheren. Experten halten ein Wachstum von mindestens 2,5 Prozent über mehrere Quartale hinweg für notwendig, um die Arbeitslosigkeit spürbar zu drücken. Derzeit sind 23 Millionen Amerikaner ohne Job oder würden gern mehr arbeiten. Das sind etwa 4,5 Millionen mehr als vor Beginn der Rezessionsjahre 2007 bis 2009.
Stimmung der Verbraucher so gut wie zuletzt 2007
Beflügelt wurde die Wirtschaft im Sommer vor allem vom privaten Konsum, der 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht. Er legte um zwei Prozent zu, nach 1,5 Prozent im Vorquartal. Leichte Lohnerhöhungen sowie gestiegene Vermögenspreise - vor allem Aktien und Immobilien - verbesserten die Kauflaune. Die Stimmung der US-Konsumenten ist so gut wie seit fünf Jahren nicht mehr. Ein entsprechender Index stieg im Oktober auf 82,6 von 78,3 Punkten, teilten Thomson Reuters und die Universität Michigan mit. Das ist der höchste Stand in der Reihe endgültiger Monatsberechnungen seit September 2007.
Hohe Benzinpreise und die ab 2013 drohenden Steuererhöhungen für Familien verhinderten aber einen noch stärkeren Konsum. Die Staatsausgaben legten um 3,7 Prozent und damit zum ersten Mal seit zwei Jahren zu. Das liegt vor allem an den höheren Ausgaben für das Militär.
Die Unternehmen hielten sich dagegen wegen der ungewissen Konjunkturaussichten zurück und investierten 1,3 Prozent weniger. Das war der erste Rückgang seit Jahresbeginn 2011. Ein Grund für die Zurückhaltung ist das schleppende Auslandsgeschäft. Die Exporte fielen wegen der Schuldenkrise in Europa und der Konjunkturdelle in China um 1,6 Prozent.
cte/Reuters
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