Hochrechnung US-Wirtschaft wächst so stark wie seit vier Jahren nicht

Die US-Verbraucher konsumieren kräftig. Das sorgte mit dafür, dass die Wirtschaft des Landes im zweiten Quartal stark gewachsen ist.

Shoppingmall in Arlington
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Die US-Wirtschaft ist im Frühjahr so stark gewachsen wie seit fast vier Jahren nicht mehr. Zwischen April und Juni stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 4,1 Prozent, teilte das Handelsministerium auf Basis vorläufiger Daten mit. Dies ist das stärkste Wachstum seit dem dritten Quartal 2014.

Im ersten Quartal dieses Jahres hatte es nur ein Plus von 2,2 Prozent gegeben. Für Schwung sorgte nun auch der private Konsum, der mehr als zwei Drittel des BIP ausmacht. Die Verbraucher gaben vier Prozent mehr aus als zuletzt.

Wachstumszahlen aus den USA werden auf das Jahr hochgerechnet. Sie geben an, wie stark die Wirtschaft wachsen würde, wenn das Wachstumstempo ein Jahr lang anhielte. Die amerikanische Berechnungsmethode weicht von der europäischen Methode ab, die keine Annualisierung vorsieht. Wachstumszahlen aus den USA sind deshalb optisch höher und nicht unmittelbar mit europäischen Zahlen vergleichbar.

US-Präsident Donald Trump will das Wachstum mit seiner radikalen Steuerreform auf mindestens drei Prozent hochtreiben. Um das Risiko einer Überhitzung der Wirtschaft zu verringern, ist die Notenbank Fed zugleich entschlossen, die Zinsen weiter anzuziehen. Ökonomen gehen davon aus, dass die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell in diesem Jahr noch zweimal nachlegen.

Derzeit liegen die Leitzinsen in einer Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent. Jüngst hatte Trump mit der Tradition von US-Präsidenten gebrochen und die politisch unabhängige Fed wegen der Zinsschritte öffentlich kritisiert. Nächste Woche entscheidet sie erneut über ihre Geldpolitik.

Die starken Wachstumsdaten aus den USA sorgten auch für steigende Kurse an der Börse. Der Dax stieg um 0,5 Prozent auf 12.869 Punkte, was auf Wochensicht ein Plus von 2,5 Prozent bedeutet.

cop/dpa/Reuters



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p-touch 27.07.2018
1. Konsum auf Pump
Es wäre interessant zu wissen um wie viel sich die privaten Haushalte in den USA in denn letzten zwei Jahre zusätzlich verschuldet haben und ob sich erneut eine Immobielenblase aufbaut.
elgar 27.07.2018
2.
Zitat von p-touchEs wäre interessant zu wissen um wie viel sich die privaten Haushalte in den USA in denn letzten zwei Jahre zusätzlich verschuldet haben und ob sich erneut eine Immobielenblase aufbaut.
Das ist ein vorweggenommener Effekt durch eine Lageraufstockung der Betriebe, die auf Waren aus Ländern, die voraussichtlich mit den USA in einem Handelskrieg stehen könnten. Wird in den nächsten beiden Quartalen voraussichtlich wieder entfallen und die Wachstumsrate auf unter 2,5 % BIP drücken. Und dann vergessen wir mal nicht, welche Auswirkungen die Steuerreform der USA hatte, auch dieser Effekt ist nur temporär und wird im Lauf des Jahres wieder nivelliert werden. Dafür wächst das Haushaltsdefizit dramatisch. Immobilienblasen gibt es in den USA laufend, die sind aber nicht so schwerwiegend wie befürchtet. Der große Knall war ja schon und die nachfolgenden Knälle sind nicht mehr so laut, dennoch besorgniserregend, weil die Blase ja erneut zu platzen begonnen hat. Wenn man die Privatverschuldung nimmt: Die war noch nie so hoch. Da aber die FED die Umflaufmenge des Dollars unter ihrer Fuchtel hat, können die privaten Schulden noch zunehmen. Diese Schulden sind in erster Linie Kreditkartenschulden und auch die ernormen Schulden, die Studienabsolventen beim Eintritt ins Berufsleben auf dem Buckel haben. Also alles wenig rosig da drüben. Ausserdem war da Wirtschaftswachstum unter Obama noch einen ganzen Tick größer, das nur mal am Rande.
rathals 27.07.2018
3. Die Politik von Trump
scheint doch nicht so verkehrt zu sein. Trump steht für USA first, dafür wurde er gewählt. Von den meistens Amerikanern wird er akzeptiert und wesentlich besser beurteilt als von unseren Medien. Dies ist entscheidend, nicht irgendwelche Beurteilungen von pseudo Experten. Sein Verhalten ist schon grenzwertig, aber damit ist er nicht alleine. Auch wir haben genügend Chaoten vor der eigenen Tür.
Reinhold Schramm, 28.07.2018
4. USA und China sitzen im selben Boot
Der chinesische Botschafter in den USA, Cui Tiankai, sagte am vergangenen Mittwoch: Zwar seien die beiden Länder mit einem starken Wind und heftigen Wellen konfrontiert. ''Aber ich denke, dass wir trotzdem noch immer im selben Boot sitzen'', sagte Cui. ''Wir leben in diesem kleinen globalen Dorf, unserem Planet, bis wir eines Tages Menschen zum Mars schicken können.'' ''Die gemeinsame Herausforderung besteht darin, das Boot durch die Ungewissheiten und durch die unerforschten Gewässer zu navigieren, zum Vorteil unserer Länder und der ganzen Welt", erläuterte der chinesische Gesandte. "Hoffentlich helfen Dialoge wie der heutige beiden Regierungen, eine Politik zu finden, die für beide Länder pragmatisch, konstruktiv und vorteilhaft ist.“
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