US-Wirtschaftskrise: Western-Städtchen zum Schleuderpreis

Die Wirtschaftskrise in den USA hat skurrile Folgen: In South Dakota steht eine ganze Stadt zum Verkauf. Für 779.000 Dollar ist das Örtchen Scenic zu haben. Den Käufer erwartet Western-Romantik - und eine Menge Arbeit.

Web-Seite zum Verkauf der US-Stadt Scenic: Schnäppchenpreis für Investoren Zur Großansicht

Web-Seite zum Verkauf der US-Stadt Scenic: Schnäppchenpreis für Investoren

Hamburg - Die Stadt sieht aus wie der Drehort für "Lucky Luke". Wer auf Google Street View nach Scenic in South Dakota sucht, der findet Bilder vom angestaubten Longhorn Saloon und von verfallenen Häusern an einer staubigen Straße. Wer Western-Romantik mag und gut eine halbe Million Euro auf der hohen Kante hat, der könnte nun zuschlagen. Denn Scenic steht für 779.000 Dollar zum Verkauf.

Das Städtchen bietet neben ein paar Häusern einen Saloon, ein Tanzlokal, ein Museum, zwei Läden, eine Post, eine Tankstelle, einen Bahnhof, Gefängnis und eine Handvoll Einwohner. Die künftigen Besitzer könnten über Land in der Größe von 46 Acre verfügen - umgerechnet etwa 187.000 Quadratmeter.

Um die Stadt loszubekommen, haben die Makler eigens eine Web-Seite eingerichtet. Auf buyscenicsd.com können Interessenten einen virtuellen Rundgang starten. "Es ist wirklich ein interessanter Ort mit geschichtlichem Hintergrund", zitierte der Sender CNN den Makler Dave Olsen. "Alles, was die Stadt braucht, sind etwas mehr Einwohner - und Einfallsreichtum."

Denn wie es mit Scenic, 50 Meilen östlich von Rapid City, weitergehen soll, das weiß wohl niemand. Vor gut hundert Jahren wurde die Stadt gebaut. Ihr Verfall und der Schleuderpreis spiegelt auch die Wirtschaftskrise in den USA wider. Orte im Niemandsland drohen auszusterben. Der Stadt Empire in Nevada erging es bereits so.

Cowboy-Romantik und eine hartgesottene alte Dame

Scenic soll nun ein Verkauf retten. Noch gehört die Stadt Twila Merril. Die 74-Jährige zog als Kind nach Scenic, als ihr Vater dort eine Bar kaufte. "Nach und nach kaufte sie die ganze Stadt", sagte LeeAnne Keester, die Tochter der alten Dame, laut "Times". Die Familie pflegt den Mythos vom wilden Cowboy-Leben. "Sie trug nie Waffen, aber sie war eine Frau, die in einer Männerwelt groß wurde", berichtete Keester über ihre Mutter.

Doch nun hat Merril Krebs, und die Familie will sie deshalb nach Texas bringen - 350 Rinder sollen mitziehen. Scenic sei einzigartig, sagte Keester. "Es ist wie eine Zeitreise. Die Leute kommen hierher, um etwas zu sehen, was sich nie verändert hat. Es hat sich auch nicht für Touristen verändert. Die Stadt ist einfach so, wie sie immer war."

Ursprünglich habe der Preis für Scenic drei Millionen Dollar betragen, sagte Makler Joe Bennington. Auch wenn die Besitzer inzwischen sehr viel weniger Geld verlangen - eine Ruine sei die Stadt nicht, so Bennington. Eine Motorrad-Rallye fahre jährlich im August durch die Stadt. Im Longhorn Saloon, den nackte Rinderschädel schmücken, könnten 300 Leute bewirtet werden.

Allerdings wurde der 1906 errichtete Saloon seitdem kaum renoviert. Und ein Laden und die Tankstelle mussten aus Gesundheits- und Sicherheitsgründen geschlossen werden. Dafür gebe es aber im Museum eine große Sammlung fossiler Lebewesen. Auch die Post existiere noch. Auf das Gefängnis allerdings könne der potentielle Verkäufer nicht setzen - das Recht, jemanden einzusperren, habe er nicht. Dafür ist immer noch der Staat zuständig.

"Sie ist einfach nur ein Fleck an der Straße"

Makler Bennington sieht gute Perspektiven für Interessenten. Die Stadt habe ein großes Potential für einen wohlhabenden Investor. Und auch wirtschaftlich sei sie nicht ganz tot. Einer der Einwohner betreibe ein Schädlingsbekämpfungsunternehmen. Dieser Einwohner ist Leo Stangle, der seit 1949 in Scenic lebt. Er lobt die friedvolle Atmosphäre der Stadt- allerdings könne sie eine Sanierung gebrauchen, sagte er dem Sender ABC.

Dieser rechnet vor, welches Schnäppchen Scenic ist. Denn während man für 779.000 Dollar die ganze Stadt bekomme, springe in New York zum selben Preis nur eine Mini-Wohung heraus. Allerdings dürfte in New York deutlich mehr los sein - das räumt sogar der Feuerwehrchef von Scenic ein. "Die Stadt hatte nie einen Bürgermeister oder einen Stadtrat", sagte Mike Lehrkamp. "Sie ist einfach nur ein Fleck an der Straße."

mmq

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insgesamt 26 Beiträge
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1. ---
Earendil77 27.07.2011
---Zitat--- Im Longhorn Saloon, den nackte Rinderschädel schmücken, könnten 300 Leute bewirtet werden. ---Zitatende--- Wie jetzt, die Rinderschädel haben gar nichts an? Und das im prüden Amerika? Oder muss man manche Sätze einfach nicht verstehen?
2.
matthias_b. 27.07.2011
Und alle sechs Monate wird wieder die gleiche Geschichte in anderem Gewand aufgewärmt. Das wievielte Städtchen ist das jetzt, welches zum Verkauf steht? Die ersten beiden waren ja noch witzig, vor allem das, was bei Ebay angeboten wurde, aber die Story an sich ist irgendwann doch mal ausgelutscht.
3. Ich kauf das Teil
fleischwurstfachvorleger 27.07.2011
Zitat von sysopDie Wirtschaftskrise in den USA hat skurrile Folgen: In South Dakota steht eine ganze Stadt zum Verkauf. Für 779.000 Dollar ist das Örtchen Scenic zu haben. Den Käufer erwartet Western-Romantik - und eine Menge Arbeit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,776843,00.html
7,79 USD ist es mir wert
4. Ufo
Haarspalter 27.07.2011
Steht Roswell auch zum Verkauf? Dann könnten es die Aliens kaufen und den Ufo-Reibach in die eigene Tasche lenken.
5. Wenn ein Mensch oder eine Familie ein ganzes Dorf besitzt und verkaufen kann...
Barbapapa 27.07.2011
... spricht das wohl Bände über das Land, in dem so etwas möglich ist. Die Tea Party ist ein wunderbares Bild für das, was in Amerika vor sich geht. Ein paar Stinkreiche setzten den "Normalamerikanern" ein paar unmäßig aufgeblasene Ideen von Freiheit und "echtem" Amerikanismus in den Kopf. Und die fanatisierten Anhänger merken nicht, dass mit der wirtschaftlichen Freiheit, für die sie ins politische Feld ziehen, ihre eigen Möglichkeiten und damit Freiheiten eingrenzen und für viele Amerikaner gänzlich zerstören. Nun könnte man sagen "selber schuld", aber traurig ist es schon auch. Der Artikel über Städte, die einzelnen Personen gehören, macht deutlich, dass das Problem in Amerika über Jahre und Jahrzehnte gewachsen ist. Es wird nicht Amerika untergehen, wenn einzelne Dörfer so sehr ausdörren, dass sie quasi zu machen können, aber die degenerativen Prozesse durchzeihen das ganze Land. Die Strippenzieher scheint das nicht zu stören. So lange die privaten Konten der Reichen im Lande wachsen, scheint die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten hinnehmbar zu sein. Der amerikanische Traum, wird von Traumsequenz zu Traumsequenz zu einem Alptraum. Arm geboren, arm aufgewachsen, arme Kinder in die Welt gesetzt und arm gestorben. Deswegen sind die Menschen vor 200 Jahren nicht scharenweise ausgewandert, dass sie ihr altes Schicksal wieder ereilt.
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