Trotz Konjunkturschwäche US-Arbeitslosenquote fällt auf niedrigsten Stand seit 2000

Trump triumphiert auf Twitter: In den USA ist die Arbeitslosenquote auf den niedrigsten Stand seit mehr als 17 Jahren gesunken. Im April lag sie bei nur 3,9 Prozent.

Bauarbeiter in New York City (Symbolbild)
DPA

Bauarbeiter in New York City (Symbolbild)


Der US-Arbeitsmarktbericht ist im April uneinheitlich ausgefallen. Während die derzeit stark beachtete Lohnentwicklung hinter den Erwartungen zurückblieb, sank die Arbeitslosenquote auf den niedrigsten Stand seit 17 Jahren. Die Beschäftigungsentwicklung blieb etwas hinter den Erwartungen zurück. Dies geht aus den am Freitag veröffentlichten Zahlen des Arbeitsministeriums hervor.

Positiv überrascht hat die Entwicklung der Arbeitslosenquote, die auf den niedrigsten Stand seit Ende 2000 gefallen war. Sie fiel um 0,2 Punkte auf 3,9 Prozent. Volkswirte hatten hingegen mit einem Wert von 4,0 Prozent gerechnet. "4-Prozent-Marke durchbrochen!", twitterte US-Präsident Donald Trump in einer ersten Reaktion:

Zwar entstanden mit 164.000 neuen Jobs fast 30.000 weniger als von Experten erwartet. Doch reichen einer Faustregel zufolge bereits 100.000 Arbeitsplätze pro Monat aus, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten. Die Notenbank (Fed), die zuletzt im März die Zinszügel angezogen hatte, könnte bereits in wenigen Wochen ihre Geldpolitik weiter straffen. "Der nächste Schritt kommt im Juni", sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel voraus.

Der etwas enttäuschende Stellenzuwachs sei kein Grund zur Besorgnis. "Das spiegelt ein wenig die jüngste Konjunkturschwäche wider, ist aber keine Trendwende zum Schlechteren", führte Bargel aus. Die amerikanische Konjunktur hatte in den vielerorts von Eis und Schnee geprägten Wintermonaten an Schwung eingebüßt. Zwischen Januar und März stieg das Bruttoinlandsprodukt nur noch mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,3 Prozent nach plus 2,9 Prozent Ende 2017.

Bargel geht davon aus, dass das Wachstum im zweiten Quartal wieder zulegt. "Ein Ende des Aufschwungs am Arbeitsmarkt ist nicht in Sicht." Die Notenbank, die Vollbeschäftigung anstrebt, ist bei der Arbeitslosenquote praktisch am Ziel. Womöglich muss die Fed ihre Prognosen bald anpassen, die erst für das Jahresende eine Quote von 3,8 Prozent vorsehen.

Die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell hatten im März den Leitzins auf die Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent erhöht. US-Händler sehen die Wahrscheinlichkeit, dass schon im nächsten Monat eine Anhebung auf 1,75 bis 2,0 Prozent kommen wird, mittlerweile bei 95 Prozent. Danach könnte die Fed die Zügel dieses Jahr noch ein bis zwei Mal straffen. Denn die Notenbank erwartet, dass sich die Inflation 2018 um das von der Fed angepeilte Ziel von 2,0 Prozent einpendeln wird.

Im April legten die für die Preisentwicklung wichtigen Stundenlöhne im Schnitt jedoch nur um 0,1 Prozent zum Vormonat zu. Experten hatten mit 0,2 Prozent gerechnet. "Trotz einer guten Beschäftigungssituation kommt kein deutlicher Lohndruck auf. Genau dies spricht dafür, dass die Fed vorerst auf ihrem eingeschlagenen Weg bleibt und mit moderaten Zinsanhebungen fortfährt", äußerte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein. Auch Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe erwartet nicht, dass es zu einer Überhitzung am Arbeitsmarkt und damit zu einer merklich höheren Inflationsrate kommen wird. "Stärkere Bremsmanöver seitens der Fed sind somit nicht notwendig."

mkl/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spmc-135322777912941 05.05.2018
1. America first
Trump auf der Strasse des Gewinners.
Rosenhag 05.05.2018
2. Erfreulich für Amerika.
So schlecht wie die Hexenjäger verlautbaren scheints drüben nicht zu laufen.
thequickeningishappening 05.05.2018
3. Qualität und Quantität
Viele Langzeitarbeitslose fallen aus Der Statistik weil Sie Sich nicht mehr anmelden. Die Anzahl Der Teilzeitjobs steigt. Die Bezahlung (+Conditions) ist in vielen Fällen nicht mit Der vor Der GFC vergleichbar. Das Wachstum kommt aus Der Notenpresse (ca 1.000.000.000.000 Dollar/Jahr) !
snafu-d 05.05.2018
4.
Wie schrieb kürzlich ein NYT-Kommentator: das Schlimme an Trumps Politik ist, dass er erfolgreich ist.... Zeit umzudenken, lieber SPON... Schafft Ihr das?
smartphone 05.05.2018
5. Kleinigkeit
zu bemerken ... Wenn Sie länger als 8 Monate Alo sind fallen sie aus der Statistik, sind also ein U-Boot. Das kommt veinem irgendwie bekannt vor aus D . Zählt man alleine die offiziellen ALG1 Zahlen zusammen , kommt man auf erstaunliche 8 Mio hierzulande ( 2,4 mio offiziell , 3,6 in sog. maßnahmen, 2Mio die ü58 sind ) ohne ALG2 , was eher bei 10 MIO OHNE F-Gruppe liegt
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.