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USA-Europa-Vergleich: Dollar top, Euro flop

Von , New York

Kalifornien und Griechenland haben eines gemeinsam - beide sind fast pleite. Trotzdem ist der Dollar so stark wie lange nicht mehr, und der Euro fällt und fällt. Was machen die Amerikaner besser als die Europäer?

Staatspleiten: Was Europa von den USA lernen kann Fotos
REUTERS

Amerikas Griechenland heißt Kalifornien. So schlimm ist dessen Haushaltskrise, dass die finanzgeplagten Bürger sogar die Gefängnisinsassen ihres Sonnenstaates beneiden. "Die genießen viel bessere Sozialleistungen als wir", schimpft der Grafiker James Jackson aus Los Angeles. "Ich sollte mich einsperren lassen."

Das ist natürlich zynisch, doch tatsächlich wächst in den USA die Sorge, dass die Finanznot den Kaliforniern über den Kopf wachsen könnte. "Die Lage in Europa", schreibt der Ökonom Alec Phillips von der Wall-Street-Bank Goldman Sachs in einem kürzlich veröffentlichten Bericht, "legt Vergleiche mit der Situation in den Vereinigten Staaten nahe".

Die "New York Times" beschwor bereits eine "griechische Tragödie", und das "Wall Street Journal" stellte offen die Frage, welcher Staat wohl zuerst die Zahlungsunfähigkeit erklären würde - Griechenland oder Kalifornien.

Voriges Jahr konnte der bevölkerungsreichste US-Staat seine gigantische Haushaltslücke gerade noch stopfen, mit Buchhaltungstricks, Notkrediten und einer Acht-Milliarden-Dollar-Spritze aus Washington. Gouverneur Arnold Schwarzenegger und sein Parlament feuerten Abertausende Lehrer, kürzten Sozialleistungen, schlossen Nationalparks, erhöhten Steuern. Doch schon klafft das nächste Loch im Budget - die Schätzungen reichen von 19,1 bis 19,9 Milliarden Dollar. Jetzt bettelt Schwarzenegger erneut um Staatshilfe aus Washington. Gleichzeitig haben die Kalifornier gegen eine höhere Grundsteuer gestimmt - damit hat der Staat kaum noch Möglichkeiten, seine Einnahmen zu steigern.

Kalifornien ist viel leistungsfähiger als Griechenland

Natürlich spielt der sonnige US-Staat in einer anderen Liga als Griechenland. Die wirtschaftliche Gesamtleistung beträgt locker das Siebenfache von der des Mittelmeerstaates. Und die kalifornischen Schulden belaufen sich nur auf zehn Prozent der Wirtschaftsleistung. Dies ist wenig im Vergleich zu Griechenland: Hier entspricht der Schuldenstand 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Andererseits gibt es große Gemeinsamkeiten. Denn rein statistisch ähneln sich die EU und die USA verblüffend:

  • Das Bruttoinlandsprodukt der Europäer betrug 2009 umgerechnet rund 14,5 Billionen Dollar, das der USA 14,3 Billionen Dollar.
  • Euro und Dollar galten lange als fast gleichwertige Leitwährungen.
  • Die Folgen der Kreditkrise sind in beiden Währungsräumen fast identisch, wenn auch leicht zeitversetzt.

Warum also reißen kränkelnde Bundesstaaten wie Kalifornien die USA nicht genauso nach unten, wie es Griechenland mit Europa tut?

Der Grund ist ein entscheidender Unterschied: In den USA gibt es eine starke Zentralregierung, in Europa nicht. Die EU ist nur eine Wirtschafts- und Währungsunion, keine politische Union wie die US-Bundesstaaten - mögen manche auch die Vision der "Vereinigten Staaten von Europa" beschwören. Damit haben die USA gegegenüber Europa einen riesigen Vorteil.

Washington ist mit den Regierungen der Bundesstaaten viel enger verbunden als Brüssel mit den EU-Ländern. Zentrale Regierungsfunktionen der Bundesstaaten - Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, Justizwesen - finanziert Washington mit. Und toleriert schweigend, dass einzelne Staaten bisweilen ein paar Millionen abzweigen, um Haushaltslöcher zu stopfen.

Diese Nachsicht sorgt dafür, dass die globalen Finanzmärkte nicht gleich ausflippen, wenn ein US-Bundesstaat in die Krise schlittert.

In Europa dagegen ist das Miteinander der Mitgliedstaaten von nationalen Reflexen geprägt. Brüssel wird nur als bürokratische Instanz wahrgenommen - da ist uneigennützige Hilfe schwer zu vermitteln. Die europäische Identität ist eben nicht so ausgeprägt wie die amerikanische.

Washington wird alles tun, um den Ernstfall zu verhindern

So gibt es in den USA auch klare Gesetze, die als Sicherung gegen den "worst case" dienen sollen. Die Pleite eines einzelnen Bundesstaats ist demnach ausgeschlossen. Eine Vorschrift, die aus der Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre stammt, sieht vor, dass die Zentralregierung einspringt, wenn es einem Staat nicht gelingt, seinen Haushalt auszugleichen. Im vergangenen Jahr zum Beispiel gestand Washington den Bundesstaaten allein 140 Milliarden Dollar aus dem Konjunkturpaket zu. Europa hingegen leistete sich eine monatelange Hängepartie, als es um die Hilfen für Griechenland ging.

Was also geschieht, wenn Kalifornien seine Rechnungen tatsächlich nicht zahlen kann? Im Notfall, erklärt Bill Watkins, der Chef des Centers for Economic Research and Forecasting, dürfte ein staatlicher Finanzverwalter die Zügel übernehmen. Wie ein Insolvenzverwalter könnte er drastische Sparmaßnahmen verordnen. Ein Schock für die Märkte wäre dies trotzdem - weswegen man davon ausgehen kann, dass Washington alles tun wird, um diesen Fall zu vermeiden.

Allerdings gibt es immer wieder Stimmen, die Washington auffordern, sich aus der Haushaltspolitik der Bundesstaaten herauszuhalten. Denn die US-Regierung steckt mittlerweile selbst tief im Schuldenloch. Schon 2008 titelte die konservative Boulevardzeitung "New York Post": "Kauft die Staaten nicht frei. Die Verschwender haben sich selbst reingeritten."

Hawaii kann sich nur Briefwahl leisten

Wie ernst die Lage ist, zeigt eine Untersuchung des Center on Budget and Policy Priorities. Es identifizierte 48 US-Staaten mit Finanzlücken (siehe Grafiken oben in der Fotostrecke): In den kommenden zwei Haushaltsjahre summieren sich die Löcher demnach auf rund 300 Milliarden Dollar. Die einzigen zwei Staaten, die solide Haushalte aufweisen: Montana und North Dakota.

Groteske Beispiele für ihre Finanznot liefern fast alle Bundesstaaten:

  • Hawaii ist so arm, dass es sich die Nachwahl für einen vakanten Kongresssitz nur leisten kann, weil unerwartet 1,3 Millionen Dollar frei wurden. Und auch jetzt darf es nur eine Briefwahl sein - Wahllokale wären zu teuer.
  • Oregon hat gerade noch genug Geld, um sich über die kommenden zwei Jahre zu retten.
  • Arizona erwägt, die staatliche Krankenversicherung für Kinder abzuschaffen.
  • South Carolina will als erster Staat sämtliche Gelder für HIV- und Aidsprogramme streichen.

Die beruhigende Nachricht ist jedoch: All diese dramatischen Probleme haben den Dollar kaum beeinträchtigt. Im Gegenteil - er profitiert von der Schwäche des Euro und bleibt, trotz Finanzkrise, die stabilste Währung der Welt.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 159 Beiträge
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1. Was macht Amerika richtig?
Piefke, 23.05.2010
Zitat von sysopKalifornien und Griechenland haben eines gemeinsam - beide sind fast pleite. Trotzdem ist der Dollar so stark wie lange nicht mehr, und der Euro fällt und fällt. Was machen die Amerikaner besser als die Europäer? http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,696235,00.html
Die Amis haben Amerikanische Ratingagenturen, die im Sinne der USA raten ... wird mal Zeit für europäische Ratingagenturen gel :-)))
2. Die Amis
Noodles, 23.05.2010
machen gar nichts besser. Gottes eigene Heimat ist genauso wie Europa verschuldet bis Oberkannte Unterlippe. Nicht der Dollar ist stark, sondern der jahrelang überbewertete Euro wird gerade nach unten korrigiert. Im Grunde nehmen sich beide Währungen nichts. Realisten sind vor Jahren schon in Sachwerte geflüchtet und harren der Dinge die da kommen. Die Entwertung der Werte durch Deflation und Inflation oder umgekehrt, gefolgt von abwertenden Währungsreformen. Wie auch immer, wir gehen interessanten Zeiten entgegen. Rette sich wer kann !
3. Die Amis
Noodles, 23.05.2010
machen gar nichts besser. Gottes eigene Heimat ist genauso wie Europa verschuldet bis Oberkannte Unterlippe. Nicht der Dollar ist stark, sondern der jahrelang überbewertete Euro wird gerade nach unten korrigiert. Im Grunde nehmen sich beide Währungen nichts. Realisten sind vor Jahren schon in Sachwerte geflüchtet und harren der Dinge die da kommen. Die Entwertung der Werte durch Deflation und Inflation oder umgekehrt, gefolgt von abwertenden Währungsreformen. Wie auch immer, wir gehen interessanten Zeiten entgegen. Rette sich wer kann !!!!!!!!!
4. .
Poisen82, 23.05.2010
Amerika ist wie der Schulschläger der einem das Pausengeld abknüpft, nicht umsonst haben die USA einen Solch riesigen Militärapparat. 70.000 US Soldaten in der BRD lassen Kritik schwer über die Lippen kommen und Deutschland ist ja nun bei weitem nicht das einzige Land in dem die "Verbündeten" sich breit gemacht haben. Nur sprechen tut man darüber ungerne. Die USA betreiben Kanonenbootpolitik, jeder weiß es, nur darüber sprechen mag man nicht.
5. Wo denn, wie denn, was denn?
Pinarello, 23.05.2010
Zitat von PiefkeDie Amis haben Amerikanische Ratingagenturen, die im Sinne der USA raten ... wird mal Zeit für europäische Ratingagenturen gel :-)))
Ganz einfach, die Amis haben die Araber und die Chinesen, die beide jeweils die Dollars nehmen und stapeln, bis es keine Lagerhäuser dafür gibt, alleine die Chinesen haben ja angeblich ca. 3000 Mrd Dollar eingelagert. Solange die Amis dieses Spiel bestimmen, läuft alles so weiter wie bisher, also Gelddrucken bis die Papiervorräte der Welt zu Ende gehen. PS: Der Euro stand beim Start schlechter als da, wie uns SPON jetzt mit einer Story über die angebliche Dollarschwäche glauben machen will, nicht der Euro ist schwach, sondern der Dollar geht den Abgrund entgegen, immer schneller und noch schneller.
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Rettungspaket für Griechenland
Volumen
Griechenland erhält bis 2012 Notfallkredite in Höhe von maximal 110 Milliarden Euro vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und den Euro-Ländern. Im ersten Jahr werden alle Euro-Länder bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen.
Die Kosten für die Euro-Länder
Den größten Anteil bei der Griechenland-Hilfe der Euro-Staaten steuert Deutschland bei: Mit rund 22,4 Milliarden Euro über drei Jahre trägt die Bundesrepublik etwa 28 Prozent des Gesamtpakets. Allein 2010 entfallen auf Deutschland 8,4 Milliarden Euro. Die deutschen Kredithilfen sollen von der Staatsbank KfW fließen. Die zweitgrößte Summe zahlt Frankreich mit knapp 17 Milliarden Euro, danach folgt Italien mit 14,7 Milliarden Euro. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will vom gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, das wären damit bis zu 15 Milliarden Euro.

Wo das Geld für Griechenland herkommt
Internationaler Währungsfonds 30 Milliarden Euro
Deutschland 22,3 Milliarden Euro
Frankreich 16,8 Milliarden Euro
Italien 14,7 Milliarden Euro
Spanien* 9,8 Milliarden Euro
Niederlande 4,7 Milliarden Euro
Belgien 2,9 Milliarden Euro
Österreich 2,3 Milliarden Euro
Portugal 2,1 Milliarden Euro
Finnland* 1,5 Milliarden Euro
Irland 1,3 Milliarden Euro
Slowakei* 0,8 Milliarden Euro
Slowenien* 0,4 Milliarden Euro
Luxemburg 0,2 Milliarden Euro
Zypern 0,2 Milliarden Euro
Malta 0,1 Milliarden Euro
* In diesen Staaten steht die Zustimmung des Zustimmung des Parlaments noch aus.
Zinshöhe
Die Zinsen für Kredite der Euro-Länder liegen etwas über jenen der IWF-Darlehen, die Berechnungsweise folgt den Regeln des Fonds jedoch weitgehend. Für einen dreijährigen Kredit müsste Griechenland rund fünf Prozent Zinsen zahlen. Anleihen mit variablen Zinsen hätten als Basissatz den Dreimonats-Euribor. Für festverzinsliche, länger laufende Anleihen würde der Euribor (Zinssatz, den europäische Banken voneinander beim Handel von Termineinlagen verlangen) auf die entsprechende Laufzeit hochgerechnet.

Zusätzlich wird ein Aufschlag von 300 Basispunkten erhoben sowie weitere 50 Basispunkte zur Deckung von Verwaltungskosten. Kredite mit Laufzeiten über drei Jahre würden zusätzliche 100 Basispunkte kosten. Auf diese Weise soll der Zins kein Subventionselement enthalten, und die Euro-Länder würden nicht gegen das Verbot der gegenseitigen Schuldenübernahme im EU-Vertrag verstoßen.

Sparauflagen
Griechenland muss nach Angaben seines Finanzministeriums 30 Milliarden Euro sparen, um die Bedingungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Länder für die Kredithilfen zu erfüllen. Das Sparprogramm der Regierung in Athen umfasst Gehaltskürzungen für Staatsbedienstete, einen Einstellungsstopp im staatlichen Sektor auf unbestimmte Zeit, Rentenkürzungen und Steuererhöhungen.
Bedingungen und Risiken
Die Auszahlung der Hilfen ist an die Einhaltung der Sparmaßnahmen geknüpft, die zwischen Internationalem Währungsfonds (IWF), Euro-Gruppe, Europäischer Zentralbank (EZB) und der Regierung in Athen vereinbart wurden. Der IWF kontrolliert vierteljährlich. Die Gefahr einer Staatspleite ist für Griechenland noch nicht völlig gebannt. Gelingt es der dortigen Regierung nicht, ihr Sparprogramm durchzusetzen, gerät die Geschäftsgrundlage für das Rettungspaket in Gefahr. Verläuft die griechische Wirtschafts- und Haushaltsentwicklung schlechter als angenommen, entsteht zudem neuer Hilfebedarf.
Risiken für den deutschen Steuerzahler
Die deutschen Kredite werden vom Bund garantiert - der übernimmt also das Ausfallrisiko. Werden die Kredite von Griechenland plangemäß zurückgezahlt, könnte Deutschland sogar an den Zinsen verdienen. Denn die Staatsbank KfW kann Kredite zu niedrigeren Zinssätzen aufnehmen und verleiht das Geld dann zu erhöhten Sätzen an Athen. Erst nach drei Jahren dürfte klar sein, ob Griechenland das Geld zurückzahlen kann - falls nicht, muss der deutsche Steuerzahler einspringen.

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