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Obama-Feinde David und Charles Koch: Die Paten der Republikaner

Von , New York

US-Milliardär David Koch: Mann mit tiefen Taschen Zur Großansicht
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US-Milliardär David Koch: Mann mit tiefen Taschen

Geld regiert die Welt, vor allem in der US-Politik: Dort versuchen die erzkonservativen Industriellen-Brüder Charles und David Koch durch Millioneninvestments und Lobbying, Präsident Obama die letzten Jahre seiner Amtszeit zur Hölle zu machen.

David Kochs Name ist überall. Das New York City Ballet residiert im David H. Koch Theater des Lincoln Centers. Der Dinosaurier-Flügel im American Museum of Natural History ist auch nach ihm benannt. Ebenso der Platz vor dem Metropolitan Museum of Art an der Fifth Avenue, für dessen Renovierung er 65 Millionen Dollar hingeblättert hat.

Ob Krebszentren, Kliniken, Forschungsinstitute oder Universitäten: Die oft in goldenen Lettern annoncierte Großzügigkeit des Großindustriellen kennt anscheinend kaum Grenzen. Mit einem Vermögen von 40,3 Milliarden Dollar schwerreich, kleidet Koch seine Philanthropie gerne in demonstrative Bescheidenheit: "Es ist mir eine Ehre."

Wichtiger aber als solche Prestigeprojekte sind dem 73-Jährigen ganz andere, anonymere Investitionen: Gemeinsam mit seinem Bruder Charles, 78, hat Koch den Aufstieg vieler konservativer Republikaner und vor allem der ultrarechten Tea Party finanziert - und damit den wachsenden Widerstand gegen US-Präsident Barack Obama.

Koch Brothers? Noch nie gehört!

Seit mehr als drei Jahrzehnten sind die Kochs hinter den Kulissen der Politik aktiv. In dieser Zeit haben sie ihren politischen Schützlingen Hunderte Millionen Dollar zukommen lassen, meist über versteckte Kanäle und ein Netzwerk aus Tarnfirmen, Denkfabriken und "Stiftungen". Allein in die letzten US-Präsidentschaftswahlen vor zwei Jahren investierten sie rund 400 Millionen Dollar - nur um Obama dann trotzdem erneut siegen zu sehen.

Ein umstrittenes Spendenurteil des Supreme Courts öffnet den Geldhahn nun noch weiter. Das wiederum wirft ein neues, grelles Schlaglicht auf die Macht der Reichen in der US-Politik - und namentlich auf die Koch-Brüder.

Politischen Insidern sind die Koch Brothers (ausgesprochen "Coke") schon lange bekannt. Dem gemeinen Amerikaner dagegen weniger: In einer Umfrage gaben 52 Prozent der US-Bürger an, noch nie von den beiden gehört zu haben.

Breitseiten gegen die Geldgeber

Das wollen die Demokraten jetzt aber ändern. In einer konzertierten Kampagne feuern sie Breitseiten gegen die Kochs ab, porträtieren sie als Symbole eines bösen Kapitalismus - "spleenige", "stinkreiche" und "machthungrige Tycoons", die die Politik für ihre Zwecke manipulierten.

"Würden die Koch-Brüder nicht existieren, müssten die Linken sie erfinden", schreibt das (linke) Magazin "Rolling Stone". "Sie sind Plutokraten wie aus der Casting-Agentur - Öl- und Gas-Milliardäre, die willens sind, jeden Abgeordneten zu kaufen, jede Lüge zu finanzieren, jedes Gesetz zu bekämpfen, jede Gewerkschaft zu zerschlagen, jede Landschaft zu verschandeln oder jede Steuerlast zu meiden."

Doch auch die Demokraten haben prominente und solvente Geldgeber - darunter den legendären Investor George Soros und seinen Sohn Jonathan, Ex-Rüstungsmagnat Bernard Schwartz sowie Silicon-Valley-Stars wie Sean Parker und Marc Benioff. Die sind nicht minder spendabel, treten nur nicht so koordiniert auf wie die rechten Paten.

Investorenlegende George Soros: Auch die Linken spenden fleißig Zur Großansicht
REUTERS

Investorenlegende George Soros: Auch die Linken spenden fleißig

Und sind auch nicht ganz so reich. Auf der "Forbes"-Rangliste aller Milliardäre teilen sich die Koch-Brüder den Platz sechs - noch vor den Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin sowie Facebook-Chef Mark Zuckerberg.

Koch Industries ist ein Konglomerat mit 115 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Klopapier, Küchenrollen, Teppichböden: Die Produkte der beiden Brüder sind allen Amerikanern geläufig - im Gegensatz zum Namen Koch selbst. Der Dachkonzern besitzt außerdem Ölraffinerien, Pipelines, Chemie- und Düngefabriken, Rohstoffhändler, Gasproduzenten sowie Rinderfarmen.

Koch Industries hält noch andere, eher unrühmliche Rekorde. So gilt das Konglomerat als einer der größten US-Umweltverpester und "größter Klimawandel-Leugner" (Greenpeace). Kein Wunder, dass die Koch-Brüder nun "im Epizentrum der Anti-Obama-Bewegung" stehen, wie es der demokratische Stratege Rob Stein im "New Yorker" formulierte.

Im anstehenden US-Kongresswahlkampf zielen die Brüder nun vor allem darauf ab, den Republikanern die Mehrheit im Senat wiederzubeschaffen, die sie 2007 verloren haben. Dann hätten sie den gesamten Kongress in der Hand - und könnten Obama seine letzten zwei Amtsjahre endgültig zur Hölle machen.

Klicken Sie auf die Bilder, um zu sehen, welche Superreichen in den USA die Politik beeinflussen.

Koch Brothers und Co.
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DAVID KOCH
Der Großindustrielle David Koch, 73, ist der spendabelste Philanthrop in New York City. Sein Name prangt an zahlreichen Lokalitäten, die er mit vielen Millionen Dollar gefördert hat - darunter ein Theater des Lincoln Centers, ein Flügel des American Museums of Natural History und die Plaza vor dem Metropolitan Museum of Art. Gemeinsam mit seinem Bruder Charles finanziert er aber noch viel lieber konservative Politiker und Tea-Party-Gruppen.

Koch Industries

CHARLES KOCH
Charles Koch, 78, der ältere Bruder David Kochs, ist Vorstandschef des zweitgrößten privaten US-Industriekonglomerats Koch Industries. Über verdeckte Kanäle haben sie konservativen Politikern und Belangen bisher Hunderte Millionen Dollar zukommen lassen, davon allein 400 Millionen Dollar bei den letzten US-Präsidentschaftwahlen 2012 - um "das Leben der Menschen zu verbessern", wie sich Koch im "Wall Street Journal" verteidigte.

AP

MICHAEL BLOOMBERG
Mit einem Privatvermögen von 33 Milliarden Dollar ist Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg, 72, einer der reichsten New Yorker. Allein im laufenden Wahlzyklus für die Kongresswahlen 2014 hat er bisher 8,7 Millionen Dollar aus eigener Tasche in die Politik investiert. Früher mal Demokrat und später Republikaner, spendet der heute Parteiunabhängige meist an demokratische und unabhängige Kandidaten.

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JONATHAN SOROS
Jonathan Soros, 43, der Sohn des Finanzgurus und linksliberalen Aktivisten George Soros, lässt sich ebenfalls nicht lumpen. Insgesamt hat er schon mehr als zwei Millionen Dollar lockergemacht - ausschließlich für demokratische Politiker. Die laxen US-Spendengesetze, gegen die gerade diese Politiker kämpfen, will Soros voll zu seinen Gunsten ausnutzen - indem er Reformkandidaten sponsort: "Wir werden diese Frage nicht mit Händeringen und guten Vorsätzen gewinnen", sagte er zu ABC News. "Wir sind die ersten, die diese Ironie zugeben."

Jordan Winery

THOMAS JORDAN
Thomas Jordan ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Winzer Kaliforniens. Auf seinem 1972 gegründeten Weingut mit einem pseudo-französischen Schlösschen nördlich von San Francisco produziert er Cabernet Sauvignon und Chardonnay. Nebenher finanziert er, mit bisher 1,5 Millionen Dollar, schon lange republikanische Politiker. Sein Sohn John, 42 - ein ehemaliger Navy Seal, der die Leitung des Weinguts 2005 übernahm - ist nicht minder aktiv, blieb aber lange unerkannt als anonymer "Geheimspender" ("Wall Street Journal").

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DAVID BOIES
Staranwalt David Boies, 73, wurde weltberühmt, als er im Auszählstreit um den Ausgang der US-Präsidentschaftswahlen 2000 den Demokraten Al Gore vertrat. Später verbündete er sich mit seinem damaligen konservativen Widersacher Ted Olson, um die in Kalifornien per Volksentscheid abgeschaffte Rechtmäßigkeit der Homo-Ehen vor dem Supreme Court erfolgreich zu verteidigen. Im jetzigen Wahlzyklus hat er bereits knapp eine Million Dollar an die Demokraten gespendet.

Bloomberg via Getty Images

BERNARD SCHWARTZ
Bernard Schwartz, 88, der frühere Chef des Rüstungs- und Satellitenkonzerns Loral, war lange der größte und prominenteste Parteispender der US-Demokraten. 1996 feierte er seinen 71. Geburtstag sogar im Weißen Haus, mit Bill und Hillary Clinton. Nach einem Spendenskandal, der ihn 14 Millionen Dollar Strafe kostete, ging er auf Tauchstation. Trotzdem spendet er weiter, etwa im aktuellen Wahlzyklus bisher rund 907.000 Dollar.

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SEAN PARKER
Sean Parker, 34, galt mal als das Enfant terrible des Silicon Valley. Der Gründer des umstrittenen Filesharing-Dienstes Napster war auch der erste Präsident von Facebook, wurde aber nach einem Kokain-Skandal aus der noch jungen Firma vertrieben - ein Vorgang, den der Film "The Social Network" dramatisierte, in dem Parker von Justin Timberlake gespielt wurde. Der Unternehmer weist den Großteil seiner Spenden (808.000 Dollar im aktuellen Zyklus) den Demokraten zu, unterstützt aber gelegentlich auch moderate Republikaner.

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MARC BENIOFF
Marc Benioff, 49, ist der Vorstandschef der Cloud-Computing-Firma salesforce.com, die er 1999 in einer Mietwohnung in San Francisco gegründet hatte. Ganz zu Beginn seiner Karriere arbeitete er auch für Apple-Gründer Steve Jobs. Seinen Reichtum gibt Benioff gerne für wohltätige Zwecke aus, weshalb das Wirtschaftsmagazin "Barron's" ihn und seine Frau Lynne zu zwei der "25 effektivsten Philanthropisten" der USA kürte. Der Löwenanteil ihrer Politspenden (713.000 Dollar in diesem Zyklus) geht an die Demokraten.

Arcus Foundation

JON STRYKER
Der Architekt Jon Stryker aus Michigan ist Erbe und Mehrheitseigner des von seinem Großvater Homer Stryker gegründeten Medizintechnikkonzerns Stryker. Er widmet sich sozialen Zwecken: So kämpfte er mit bisher rund 250 Millionen Dollar unter anderem für die Rechte von Schwulen und Lesben sowie den Erhalt bedrohter Menschenaffen, von denen eine Art sogar nach ihm benannt ist. Aktuell hat er den Demokraten 623.000 Dollar gespendet. Dem Philanthropie-Magazin "Global Giving Matters" sagte er einmal: "Es ist immer schön, seine Freunde glücklich zu machen."

Marcus & Millichap

GEORGE MARCUS
Immobilienmogul George Marcus ist der Mitbegründer der Firma Marcus & Millichap, die auf Apartmenthäuser, Einkaufzentren und Hotels spezialisiert ist. In der Bay Area um San Francisco und dem Silicon Valley ist der gebürtige Grieche einer der bekanntesten Projektentwickler. Die Immobilienzeitschrift "The Registry" nannte ihn "einen modernen Midas". Seine Polit-Spenden (603.000 Dollar im aktuellen Zyklus) gelten meist Demokraten - so ist er mit Ex-Präsident Bill Clinton und der Abgeordneten Nancy Pelosi befreundet - sowie progressiven Belangen, etwa Stammzellenforschung und Abtreibung.

AP

GEORGE SOROS
George Soros, 83, war lange einer der Top-Spender der US-Demokraten. Der als Schwartz György in Ungarn geborene Finanzhai scheffelte sein Privatvermögen von 26,5 Milliarden Dollar unter anderem mit Währungsspekulationen. Er spendet für viele wohltätige Zwecke, am kontroversesten jedoch sind seine politischen Zuwendungen. 2003 schwor er, alles daran zu setzen, George W. Bush aus dem Weißen Haus zu vertreiben. Soros gab Abermillionen Dollar an progressive Gruppen wie MoveOn.org und das Center for American Progress. Seine jüngsten Spenden verwandte er auf eine mögliche Präsidentschaftskandidatur von Hillary Clinton.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 48 Beiträge
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1. Oh, das wundert mich doch sehr..
HäretikerX 22.04.2014
dass in dem Land, das den Kreuzzug für die Demokratie "lebt", diese auf den Einfluss des Geldes reduziert wird.. ! Im Ernst, natürlich sind die USA ein plakatives Beispiel für ein Land mit einer weitgehend demokratischen Fassade. Nur, wollen viele dies nicht hören.. Doch, ich weiß schon was wir.. Deutschland und Europa, den Nordamerikanern zu verdanken haben.. aber vor den Schattenseiten sollte man die Augen nicht verschließen müssen, oder?
2. wie bei Robocop
skynet77 22.04.2014
Jetzt kommen die reichen mit ihren Milliarden und erobern die Ämter bis hoch zum Präsident. Die belächelten Filme aus den 80' haben es uns vorgemacht. Und Skynet kommt nach alledem.
3. Oligarchen!
dros 22.04.2014
Warum benennt man sie nicht als das was sie sind: Oligarchen! Die gibt es leider auch bei uns und ich vermute in weit größerer Anzahl als in Russland. Ihr Einfluss wird durch die Jahrzehnte auch größer sein, als in Osteuropa. Gelenkte (besser: gekaufte) Demokratien hüben wie drüben.
4. optional
marvi2010 22.04.2014
Warum muss ich in letzter Zeit ständig das Wort "Philanthrop" in verbindung mit solchen Typen lesen ? Menschen die den Hals nicht voll kriegen und hier und da mal einen winzigen Teil spenden, ich lach mich tot.
5. Was dem einen der Flick,
tz88ww 22.04.2014
ist dem anderen sein Koch.
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