Uno-Appell wegen Dürre: USA sollen Biotreibstoff-Produktion drosseln  

Die USA erleben die schlimmste Dürre seit den fünfziger Jahren, dennoch soll ein großer Teil der Ernte für die Ethanol-Produktion verwendet werden. Die Uno fordert die US-Regierung jetzt zum Umsteuern auf - andernfalls könne eine Nahrungsmittelkrise drohen.

Umsteuern bitte: Die USA sollen weniger Getreide für Biokraftstoff verwenden Zur Großansicht
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Umsteuern bitte: Die USA sollen weniger Getreide für Biokraftstoff verwenden

London - Nahrung oder Treibstoff? Dieser Konflikt zeigte sich bereits 2007, als die Getreidepreise in vielen Ländern stark anstiegen, was auch auf die zunehmende Produktion von Bio-Kraftstoffen zurückgeführt wurde. Angesichts der historischen Dürre in den USA hat die Welternährungsorganisation (FAO) der Uno bereits vor einer neuen Lebensmittelkrise gewarnt. Am Freitag wurde die FAO noch konkreter: Ihr Generaldirektor José Graziano da Silva fordert die USA in einem Kommentar für die "Financial Times" ("FT") auf, ihre Produktion von Biokraftstoff zu drosseln.

Laut da Silva gehen derzeit 40 Prozent der US-Mais-Ernte in die Produktion von Biokraftstoff. Eine vorübergehende Reduzierung dieser Quote würde "dem Markt eine Atempause verschaffen und es ermöglichen, mehr Getreide als Nahrung und Tierfutter zu nutzen", schreibt da Silva. Zwar befinde man sich noch nicht in einer Krise, doch die US-Dürre mache die globalen Märkte "höchst anfällig" für weitere Erschütterungen.

Da Silva warnte davor, dass Regierungen die Situation wie 2007 durch falsche Reaktionen verschärfen könnten. Damals hatten mehrere große Produktionsländer Einfuhrrestriktionen erlassen, um im eigenen Land die Preise in Schach zu halten. Das hatte die Krise aber noch verschärft.

Die USA erleben derzeit die schwerste Dürre seit 1956. Sie betrifft fast zwei Drittel der Fläche des Landes, in zahlreichen Landkreisen wurde der Notstand ausgerufen. In der Folge hat sich Mais allein im Juli um fast 23 Prozent verteuert, die Preise für Weizen legten etwa 19 Prozent zu.

Der US-Kongress hatte 2007 vorgeschrieben, welcher Anteil der Getreideproduktion für Biokraftstoffe verwendet werden soll. Seitdem sind die Preise laut Studien stark gestiegen. Mehrere G-20-Staaten haben sich bereits besorgt über die hohe Ethanolproduktion in den USA gezeigt.

An der Börse locken die steigenden Lebensmittelpreise zunehmend Investoren an. Die Zuflüsse in börsennotierte Indexfonds und andere Anlageformen, die sich auf Terminkontrakte und Indizes für Agrarprodukte beziehen, erreichten mit knapp 110 Millionen Dollar den höchsten Wert seit März 2011. Das zeigte eine am Freitag veröffentlichte Statistik des Analysehauses Lipper.

dab/Reuters

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1.
BlakesWort 10.08.2012
Moment?! Die Lager sind voll. 50 Prozent aller Lebensmittel, von denen ein Großteil auf Mais und Weizen basiert, werden weggeworfen. Ein Großteil der Menschen in der Ersten Welt ist gesundheitsschädlich überernährt und trotzdem droht eine Krise? Vielleicht würde es der Welt einmal ganz gut tun, etwas maßvoller mit den Ressourcen umzugehen, anstatt sie als Biomüll auf Deponien zu verklappen.
2. Aktionismus
Thaeve 10.08.2012
Zitat von sysopGetty ImagesDie USA erleben die schlimmste Dürre seit den fünfziger Jahren, dennoch soll ein großer Teil der Ernte für die Ethanol-Produktion verwendet werden. Die Uno fordert die US-Regierung jetzt zum Umsteuern auf - andernfalls könne eine Nahrungsmittelkrise drohen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,849341,00.html
Man kann schnell wachsende Maissorten, die als Ethanol oder Futtermais gedacht sind nicht einfach in Speisemais umdeklarieren. So wenig wie man den Sprit-Ethanol einfach in eine Flasche füllen, mit Wasser verdünnen und als Schnaps anbieten kann. Sind da nur Schreibtischhengste am Werk, die einen Acker bislang nur von Bildern kennen? Abseits davon könnte 'ne kleine Nahrungskrise den Amis ganz gut tun, vielleicht lernen sie dann, das Put-Optionen keinen guten Nähwert haben ;)
3.
muellerthomas 10.08.2012
Zitat von ThaeveMan kann schnell wachsende Maissorten, die als Ethanol oder Futtermais gedacht sind nicht einfach in Speisemais umdeklarieren. So wenig wie man den Sprit-Ethanol einfach in eine Flasche füllen, mit Wasser verdünnen und als Schnaps anbieten kann. Sind da nur Schreibtischhengste am Werk, die einen Acker bislang nur von Bildern kennen? Abseits davon könnte 'ne kleine Nahrungskrise den Amis ganz gut tun, vielleicht lernen sie dann, das Put-Optionen keinen guten Nähwert haben ;)
Der Futtermais kann aber sowohl für Futter als auch für Biosprit verwendet werden und wenn weniger für Sprit und mehr für Futter verwendet wird, sollte dies preismindernd wirken. Die steigenden Weltmarktpreise werden aber weder Amis noch Europäer besonders hart treffen bei einem Anteil der Lebensmittelausgaben an allen Ausgaben von 10-15%. Das große Problem werden die Menschen in den Entwicklungsländern bekommen, die mehr als die Hälfte ihres Einkommens für Grundnahrungsmittel ausgeben.
4.
fagus 10.08.2012
Zitat von BlakesWortMoment?! Die Lager sind voll. 50 Prozent aller Lebensmittel, von denen ein Großteil auf Mais und Weizen basiert, werden weggeworfen. Ein Großteil der Menschen in der Ersten Welt ist gesundheitsschädlich überernährt und trotzdem droht eine Krise? Vielleicht würde es der Welt einmal ganz gut tun, etwas maßvoller mit den Ressourcen umzugehen, anstatt sie als Biomüll auf Deponien zu verklappen.
Das gesamte Lebensmittelsystem ist kaputt. Angefangen bei Massentierhaltung und Chemieeinsatz bis zu Subventionen, die Bauern in der Dritten Welt in den Ruin treiben, weil amerikanischer Mais Staat sei Dank billiger ist als der eigene. Wenn man die Versorgung auf einige wenige "Brotkörbe" konzentriert, und diese dann doch mal ausfallen, hungert am Ende doch wieder nur Arme - auch wenn er tausende Kilometer weit weg wohnt und eigentlich überhaupt nichts mit amerikanischer oder europäischer Landwirtschaft zu tun hat.
5.
rurei 10.08.2012
Zitat von ThaeveMan kann schnell wachsende Maissorten, die als Ethanol oder Futtermais gedacht sind nicht einfach in Speisemais umdeklarieren. So wenig wie man den Sprit-Ethanol einfach in eine Flasche füllen, mit Wasser verdünnen und als Schnaps anbieten kann. Sind da nur Schreibtischhengste am Werk, die einen Acker bislang nur von Bildern kennen? Abseits davon könnte 'ne kleine Nahrungskrise den Amis ganz gut tun, vielleicht lernen sie dann, das Put-Optionen keinen guten Nähwert haben ;)
So wenig wie man den Sprit-Ethanol einfach in eine Flasche füllen, mit Wasser verdünnen und als Schnaps anbieten kann. Doch das geht ... Abseits davon könnte 'ne kleine Nahrungskrise den Amis ganz gut tun, vielleicht lernen sie dann, das Put-Optionen keinen guten Nähwert haben Richtig, allerdings sind Put-Optionen das einzige, was die Weizen-, Mais- etc Preise noch unten hält. Soviel zur dämpfenden Funktion der Spekulation.
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