Streit über Hightech-Metalle: Amerika legt Beschwerde gegen China ein

Die USA klagen über Chinas Exportschranken für Seltene Erden. Nun hat Präsident Obama Beschwerde bei der Welthandelsorganisation WTO eingelegt. Auch die Europäische Union und Japan unterstützen dieses Vorgehen. Die Regierung in Peking warnte, der Einspruch könne "nach hinten losgehen".

Chinesischer Arbeiter beim Gießen des Metalls Lanthan: Streit um Seltene Erden Zur Großansicht
REUTERS

Chinesischer Arbeiter beim Gießen des Metalls Lanthan: Streit um Seltene Erden

Washington - Die USA verschärfen den Streit mit China über Exportbeschränkungen für Seltene Erden. Die Regierung von Präsident Barack Obama hat die Welthandelsorganisation WTO aufgefordert, Gespräche mit China einzuleiten. Die Beschwerde ist Teil einer breiter angelegten Strategie, mit der die US-Regierung gegen Handelspraktiken Chinas vorgeht. Das Vorgehen wird auch von der EU und Japan unterstützt.

Die EU beantrage ein Schlichtungsverfahren zu den Restriktionen Chinas bei der Ausfuhr Seltener Erden, erklärte EU-Handelskommissar Karel De Gucht. China hat bei diesen für High-Tech-Produkte wichtigen Rohstoffen faktisch eine Monopolstellung als Lieferant. Mit Exportquoten, Zöllen und Mindestpreisen benachteilige China die globalen Abnehmer und verstoße damit gegen seinen Beitrittsvertrag zur WTO. "Diese Maßnahmen schaden Produzenten und Verbrauchern in der EU und in der ganzen Welt", erklärte De Gucht.

Seltene Erden werden zur Herstellung moderner elektronischer Bauteile benötigt. China ist mit rund 95 Prozent der weltweit größte Produzent der Metalle. Die USA klagen, dass die Exportbeschränkungen chinesischen Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, weil sie sich billiger mit den Hightech-Metallen eindecken könnten. Der Konkurrenz im Ausland entstünden dagegen wegen des verknappten Angebots höhere Kosten.

China hat die Ausfuhrquoten für Seltene Erden in den vergangenen Jahren immer wieder gesenkt. Als Grund wurden der gestiegene Bedarf im eigenen Land und wachsende Bedenken wegen Umweltschäden bei der Förderung der Erze angeführt. Die auf die Metalle angewiesene Industrie im Ausland beklagt aber, dass diese Exportbeschränkungen gegen die Bestimmungen der WTO verstoßen.

China droht den Beschwerdeführern

Nach Einreichen der Beschwerde bei der WTO hat China zehn Tage Zeit, darauf zu antworten und muss innerhalb von 60 Tagen Gespräche mit den USA, der EU und Japan aufnehmen. Sollte innerhalb der Frist keine Einigung erzielt werden, können die Beschwerdeführer eine formelle Untersuchung durch ein Gremium der WTO beantragen.

Erst im Januar hatte die Volksrepublik im Rohstoffstreit mit großen Industrieländern vor der WTO eine herbe Niederlage eingesteckt. Die Organisation bestätigte ein früheres Urteil, das China Exportbeschränkungen für begehrte Rohstoffe wie Zink oder Magnesium untersagt.

China gab sich angesichts der aktuellen Beschwerde kämpferisch. Die Entscheidung könne die Handelsbeziehungen schädigen und "nach hinten losgehen", schrieb die Staatsagentur Xinhua. Die sei "übereilt und ungerecht". Die WTO erlaube seinen Mitgliedern, notwendige Maßnahmen zu ergreifen, um seine Ressourcen und die Umwelt zu schützen, hieß es zu den Exportquoten Chinas.

Ausfuhrbeschränkungen seien zulässig, wenn sie gleichzeitig mit einer Verringerung der heimischen Produktion und des Verbrauchs im Land einhergingen, schrieb Xinhua. Bei der Versorgung mit Seltenen Erden diskriminiere China ausländische Unternehmen nicht. "Angesichts derart unangemessener und ungerechter Vorwürfe wird China nicht zögern, seine legitimen Rechte in Handelsfragen zu verteidigen", hieß es.

cte/mmq/dapd/Reuters

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Ist gar nicht so selten
Taixinomee 13.03.2012
Zitat von sysopDie USA klagen über Chinas Exportschranken für Seltene Erden. Nun will Präsident Obama Beschwerde bei der Welthandelsorganisation WTO einlegen. Auch die Europäische Union und Japan klagen über Benachteiligungen. Hightech-Metalle: Amerika verschärft Handelsstreit mit China - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,820951,00.html)
Dann sollen sie doch selber danach buddeln. Ist ja nicht so das "seltene" Erde wirklich selten sind. Würden chinesische Arbeiter nicht für Hungerlohn arbeiten, wäre selbst der Abbau in China um einiges teurer. Vor 500 Jahren hätten die Amis in dieser Situation einfach chinesische Arbeiter als Sklaven verschleppt...
2.
Olaf 13.03.2012
Zitat von TaixinomeeVor 500 Jahren hätten die Amis in dieser Situation einfach chinesische Arbeiter als Sklaven verschleppt...
Mit Sicherheit hätten sie das nicht getan.
3. Dazu kommt noch, dass die Amis
herr_kowalski 13.03.2012
Zitat von TaixinomeeDann sollen sie doch selber danach buddeln. Ist ja nicht so das "seltene" Erde wirklich selten sind. Würden chinesische Arbeiter nicht für Hungerlohn arbeiten, wäre selbst der Abbau in China um einiges teurer. Vor 500 Jahren hätten die Amis in dieser Situation einfach chinesische Arbeiter als Sklaven verschleppt...
diese garnicht seltenen Erden nicht mehr abbauen, weil sie die Investitionen in den nötigen Umweltschutz gescheut haben, und lieber die billigen China-Importe statt dessen bevorzugten. Gut dass solch kurzsichtiges Denken auch irgendwann mal bezahlt werden muss. Today is payday.
4. mich wunderts wirklich
curryander 13.03.2012
dass die amis sich getrauen noch den mund aufzumachen gegenüber china. bei dem handelsdefizit und den dollarreserven, die die chinesen haben. und mich wunderts auch, dass die chinesen sich diese scheinbare bevormunderei der amis immer noch gefallen lassen. aber wie sagt man hier in china: hunde, die bellen, beißen nicht mehr (weil sie altersschwache zähne haben). chinas zähne wachsen jetzt zum glueck langsam aber sicher. hütet euch!
5.
Reziprozität 13.03.2012
Zitat von sysopDie USA klagen über Chinas Exportschranken für Seltene Erden. ...
Tja, jahrelang wurde prophezeit, dass diese Situation ab den 2010er Jahren eintritt, niemand hat etwas dagegen getan (weder in Prospektion noch Recycling) und jetzt ist sie da, die Malaise. Ich kann mich einer gewissen Schadenfreude nicht erwehren.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Staat & Soziales
RSS
alles zum Thema Seltene Erden
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 19 Kommentare
  • Zur Startseite