Trotz Spannungen mit Saudi-Arabien USA verkaufen Kampfjets an Katar

Erst vereinbart Donald Trump einen riesigen Rüstungsdeal mit Saudi-Arabien - und jetzt liefern die USA F-15-Kampfjets an Riads neuen Erzfeind Katar. Der Wert des Geschäfts: zwölf Milliarden Dollar.

F-15-Kampfjets (Archivbild von einer rumänischen Militärbasis)
AP

F-15-Kampfjets (Archivbild von einer rumänischen Militärbasis)


Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Während sich die Krise in dem von seinen Nachbarn isolierten Katar zuspitzt, kauft die Regierung in Doha von den USA 36 Kampfflugzeuge vom Typ F-15.

Verteidigungsminister James Mattis unterzeichnete eine entsprechende Vereinbarung mit seinem katarischen Kollegen Khalid al-Attiyah. Katar zahlt dafür insgesamt 12 Milliarden Dollar.

Der Verkauf war seit Längerem vorbereitet worden. Das Außenministerium in Washington hatte schon im vergangenen November grünes Licht gegeben. Mit dem Geschäft werde die Sicherheitszusammenarbeit zwischen den USA und Katar ausgebaut, teilte das US-Ministerium mit. Der Vollzug kommt nun aber zu einem Zeitpunkt, an dem sich die diplomatischen Spannungen zwischen Katar und anderen arabischen Staaten dramatisch verschärfen.

Der Konflikt brach aus, kurz nachdem US-Präsident Donald Trump in Saudi-Arabien mit großem Pomp empfangen worden war - und den Saudis Waffenverkäufe in Höhe von 110 Milliarden Dollar zusicherte. Saudi-Arabien war der große Gewinner von Trumps erster Nahost-Reise.

Anfang Juni hatten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Staaten dann ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen, den Luftverkehr gestoppt und die Grenzen geschlossen. Damit ist das Golf-Emirat, in dem 2022 die Fußball-WM ausgetragen werden soll, praktisch isoliert. Die arabischen Staaten beschuldigen Katar, Terrororganisationen wie den sunnitischen Islamischen Staat (IS) zu unterstützen.

Auch von Deutschland wird Katar immer wieder mit Rüstungsgütern beliefert. In den ersten vier Monaten dieses Jahres hat das Emirat Kriegswaffen wie Kampfpanzer und Panzerhaubitzen im Wert von fast 800 Millionen Euro gekauft.

Uno-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein zeigte sich besorgt über die Krise in dem Land. Die von Saudi-Arabien angeführten Sanktionen gegen das arabische Land seien übermäßig in Umfang und Umsetzung. Er sei alarmiert über die möglichen Folgen für die Menschenrechte in Katar.

Die Maßnahmen von Saudi-Arabien und seinen Verbündeten hätten "das Potenzial, das Leben von Tausenden Frauen, Kindern und Männern massiv zu stören". Der Menschenrechtskommissar drängt alle Beteiligten zu einer schnellen Beilegung des Konflikts.

nck/Reuters/dpa

insgesamt 31 Beiträge
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frank57 15.06.2017
1. Die alte Verfahrensweise
Teile und herrsche funktioniert immer noch bestens! Die Menschheit nimmt keine Vernunft an! Religionen Machtgier und Waffen sind die Mischung, welche die heutigen Verhältnisse bestimmen! Frage niemand nach Wurzeln und Ursachen! Offensichtlicher kann es nicht mehr gezeigt werden, wer der große Jetzer auf dieser Welt ist!
gersco 15.06.2017
2. Da Trump Katar ganz offiziell der Terrorunterstützung bezichtigt hat, ist es...
...wohl nun tatsächlich offiziell, daß die USA selbst, spätestens durch den aktuellen Deal, aktive Terrorunterstützer geworden sind.
kwoik 15.06.2017
3. Trump
Will Krieg, damit er noch mehr Waffen verkaufen kann. Ekelhaft!
malu501 15.06.2017
4. Wo ist
der Schlauberger, der hier im Forum ernsthaft die Frage gestellt hat, wie denn der Konflikt mit SA im Interesse der USA sein könne? Bitte schön, Ihre Frage wird, wie absolut vorhersehbar, prompt beantwortet. Einfach beide Kriegsparteien mit Waffen beliefern, am besten Recht gleichmäßig, und schon rollt der Dollar.
Augustusrex 15.06.2017
5. Gutes Flugzeug
Die Saudis haben den Adler schon, nun bekommt ihn auch Katar. Sehr gut für Boeing, denen McDonnell Douglas ja gehört, gut für Katar, weniger gut für Saudiarabien. Da haben sie einen gleichwertigen Gegner, vorausgesetzt die Ausbildung und Motivation der Piloten ist bei beiden gleich. Das alte Spiel. In der Politik gibt es keine Freundschaften sondern nur Interessen.
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