Mildere Töne im Handelsstreit Weltbörsen erholen sich

Ein Handelskrieg zwischen USA und China könnte noch abgewendet werden. Beide Seiten zeigen Verhandlungsbereitschaft. Die Börsen erholen sich deutlich.

Frachthafen in Shanghai
DPA

Frachthafen in Shanghai


Die Stimmung an den Weltbörsen am Donnerstag ist optimistisch. Der Dax legte zu Handelsbeginn kräftig um 1,7 Prozent zu, zuvor hatten die asiatischen Börsen deutlich im Plus geschlossen. Die Börsen profitierten von der Hoffnung, dass ein Handelskrieg zwischen den USA und China doch noch vermieden werden kann.

Denn aus dem Weißen Haus gab es Signale zur Verhandlungsbereitschaft. Der oberste Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, Larry Kudlow, sagte auf die Frage, ob die Zölle letztlich gar nicht in Kraft treten könnten: "Ja, das ist möglich. Das gehört zum Prozess."

Auch China hält im Zollstreit die Tür für Verhandlungen mit den USA offen. Dies sei weiterhin der bevorzugte Weg für die Regierung in Peking, "aber dazu gehören immer zwei", sagte der chinesische Botschafter in den USA, Cui Tiankai nach einem Treffen mit dem amtierenden US-Außenminister John Sullivan. "Wir werden sehen, was die USA machen."

Kudlows Äußerungen folgten unmittelbar auf Chinas Ankündigung, Strafzölle der USA seinerseits mit Zöllen im identischen Wert von 50 Milliarden US-Dollar zu vergelten. Diese Verschärfung im Handelsstreit der beiden größten Volkswirtschaften nährte massiv die Sorgen über Gefahren für die Weltwirtschaft.

US-Konzerne fordern Verhandlungen

Auch führende US-Konzerne haben die Regierungen zur Mäßigung aufgerufen. "Wir drängen beide Länder, sich in einem konstruktiven Dialog zu engagieren und eine nachhaltige Handelspolitik zu verfolgen", teilte der größte US-Autobauer General Motors mit.

Ford forderte die Regierungen zur Zusammenarbeit auf, um eine Lösung für die Probleme zwischen den beiden wichtigen Volkswirtschaften zu finden. Der Flugzeugbauer Boeing zeigte sich indes zuversichtlich, dass der Dialog fortgesetzt werde. Beide Regierungen hätten zwar Pläne umrissen, die der Luftfahrtindustrie schaden könnten. Bislang seien diese "drastischen Maßnahmen" aber nicht umgesetzt worden.

Die US-Regierung hatte Sonderzölle in Höhe von 25 Prozent auf 1300 chinesische Produkte etwa aus den Bereichen Industrie, Technologie oder Verkehr angekündigt. China erklärte daraufhin, man plane Abgaben etwa auf Sojabohnen, Rindfleisch oder Autos aus den USA. Regierungsvertreter in Washington ließen offen, ob Gespräche auf hoher Ebene geplant sind.

Sollte es keine Einigung geben, könnten die Handelsbeziehungen zwischen den beiden größten Wirtschaftsnationen beschädigt werden. Dadurch könnte auch die Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen werden.

Trumps Sprecherin Sarah Sanders sagte auf die Frage, ob und wie sehr den Präsidenten die massiven Auswirkungen des Handelskonflikts an den Börsen bekümmerten: "Es wird eine kurze Phase der Schmerzen geben", aber mittel- und langfristig werde sich Trumps Politik auszahlen.

hej/dpa/Reuters



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alternativlos 05.04.2018
1. Frontrunning ist so fantastisch
Wenn sich der Ereignishorizont an Wahrscheinlichkeiten von Handlungsoptionen festmacht und die jeweiligen Verhaltensmuster im voraus einpreisen lassen.
Darwins Affe 05.04.2018
2. Gefahr für die Anderen
1) Es ist zwar höchste Zeit, dass gegen die unfairen Handelspraktiken Chinas vorgegangen wird. Ob aber ein Alleingang der USA sinnvoll ist, scheint eher zweifelhaft. 2) Letztlich besteht die Gefahr, dass der Dealmaker in Washington und der Neudiktator auf Lebenszeit in Peking auf Kosten aller anderen Länder zu einer Einigung kommen.
Beat Adler 05.04.2018
3. Unfaire Handelspraktiken Chinas? Bitte aufzaehlen.
Zitat von Darwins Affe1) Es ist zwar höchste Zeit, dass gegen die unfairen Handelspraktiken Chinas vorgegangen wird. Ob aber ein Alleingang der USA sinnvoll ist, scheint eher zweifelhaft. 2) Letztlich besteht die Gefahr, dass der Dealmaker in Washington und der Neudiktator auf Lebenszeit in Peking auf Kosten aller anderen Länder zu einer Einigung kommen.
Unfaire Handelspraktiken Chinas? Bitte aufzaehlen. Die Gesetze und Bestimmungen in China sind bekannt und veroeffentlicht. Es war nie so, dass NACHdem eine Firma in China investierte, diese Bestimmungen geaendert wurden, um damit diese Investition einzuverleiben oder auf andere Art zu bestrafen. Wem diese, von China vergegebenen, Bedingungen nicht passen, wickelt eben keine Geschaefte mit China oder in China ab. Beispiel: Elon Musk und Tesla. Er will in China eine Fabrik zu seinen Bedingungen bauen. Das geht aber nicht, denn auch fuer Elon Musk gibt es von der Fuehrung der alleinseligmachenden, kommunistischen Einheitspartei in Beijing keine Ausnahmen. Sollte eine Firma in China Patente stehlen, Markenrechte und Copyrights missachten, wird der Zoll in der EU und in den USA diese Waren beim Import abfangen und vernichten. Ausserdem wird gegen diese Firma Klage gefuehrt, um auch die Verkaeufe innerhalb Chinas zu stoppen. Und siehe da, die chinesische Regierung UNTERSTUETZT dieses Vorgehen. Trump muss also alle seine Behauptungen gegenueber China beweisen!
Harald Schmitt 05.04.2018
4. Merkwürdig
Man sollte mal schauen ob vor den Tweets des Herrn Trump jeweils Wetten auf fallende Kurse der enstprechenden Firmen abgeschlossen wurden. Ich kann mir irgendwie nicht erklären warum ein Präsident so über twitter die Aktienmärkte manipulieren sollte. Sagt er denn vorher wenigstens noch seinen Millardärskumpels welche Kurse er fallen lässt, mit seinen Beratern und Mitarbeitern scheint er es ja nie abzusprechen oder freut er sich nur über die Aufmerksamkeit und dass er jeden Tag aufs neue im Mittelpunkt steht? Selbst seine Basis muss doch mal erkennen wie schwachsinnig es ist erst alle zu verprellen und dann seine neuen Berater vorzuschicken, die es dann wieder kitten sollen bis zum nächsten "spontanen" Tweet.
Claes Elfszoon 05.04.2018
5. Ganz so redlich ...
Zitat von Beat AdlerUnfaire Handelspraktiken Chinas? Bitte aufzaehlen. Die Gesetze und Bestimmungen in China sind bekannt und veroeffentlicht. Es war nie so, dass NACHdem eine Firma in China investierte, diese Bestimmungen geaendert wurden, um damit diese Investition einzuverleiben oder auf andere Art zu bestrafen. Wem diese, von China vergegebenen, Bedingungen nicht passen, wickelt eben keine Geschaefte mit China oder in China ab. Beispiel: Elon Musk und Tesla. Er will in China eine Fabrik zu seinen Bedingungen bauen. Das geht aber nicht, denn auch fuer Elon Musk gibt es von der Fuehrung der alleinseligmachenden, kommunistischen Einheitspartei in Beijing keine Ausnahmen. Sollte eine Firma in China Patente stehlen, Markenrechte und Copyrights missachten, wird der Zoll in der EU und in den USA diese Waren beim Import abfangen und vernichten. Ausserdem wird gegen diese Firma Klage gefuehrt, um auch die Verkaeufe innerhalb Chinas zu stoppen. Und siehe da, die chinesische Regierung UNTERSTUETZT dieses Vorgehen. Trump muss also alle seine Behauptungen gegenueber China beweisen!
... und voraussehbar scheint es in den Handelsbeziehungen der EU und den USA zu China aber wohl doch nicht zu gehen. 1/3 von EU und US-Unternehmen, die sich in China engagieren, geben laut Handelsblatt an, dass sie sich unfairer behandelt fühlen als vor zwei Jahren. In vielen Fällen liegt das auch an dem Verhalten auf der Ebene ausführender Beamter, die sich in vielen Fällen weniger Konkurrenz für chinesischer Unternehmen wünschen. Nach dem Beitritt Chinas unter die WTO Bestimmungen sind selbstverständlich die Erwartungen andere als vorher. Leider kündigt China immer wieder Verbesseeungen und das Einhalten der Regeln an, setzt diese Ankündigungen aber nicht um. Konkrete Beispiele: 1. China hat trotz Versprechen beim WTO-Beitritt seinen Telekommunikationsmarkt nicht geöffnet. 2. Es gibt noch immer keine Regulierungsbehörde, die eine gemeinsame Nutzung der Netze in China organisiert. 3. Versicherungsgesellschaften müssen ihre Lizenzen für unterschiedliche Regionen jedesmal mit langen Wartezeiten beantragen. Die einheimischen Wettbewerber nutzen diese Gelegenheit natürlich um ihre Positionen zu zementieren. 4. Der Markt für Flugreservierungen ist streng in chinesischer Hand und nach wie vor abgeschottet. 5. Vielerorts gibt es Deckelungen der Anteile von ausländischen Teilnehmern (49%) 6.Die Autoindustrie unterliegt nach wie vor dem Zwang sich an inländischer Partner zu binden, obwohl dies den WTO Regeln widerspricht und immer wieder Signale gesendet werden, dass diese Regelung aufgeweicht werde. Siehe Tesla!. Diese Auflistung ist nur ein kleiner und unvollständiger Ausschnitt aus dem Gesamtproblem zu betrachten. Die EU Kommission arbeitet schon seit 2016 an diesem Problem.
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