Zweifelhafte Bonitätsnoten USA wollen Rating-Agentur S&P verklagen

Das US-Justizministerium und mehrere Bundesstaaten wollen noch in dieser Woche Klage gegen Standard & Poor's einreichen. Sie werfen der Rating-Agentur vor, noch kurz vor der Finanzkrise US-Hypothekenpapiere hoch bewertet und damit Anleger in die Irre geführt zu haben.

Standard & Poor's in New York: US-Justizministerium will Schadensersatzklage einreichen
DPA

Standard & Poor's in New York: US-Justizministerium will Schadensersatzklage einreichen


Washington - Den Rating-Agenturen droht Ärger wegen ihrer im Rückblick zu optimistischen Notenvergabe vor der Finanzkrise. Standard & Poor's muss sich jetzt für ein großes Gerichtsverfahren wappnen. Die Rating-Agentur bestätigte am Montag in New York, dass das US-Justizministerium eine Zivilklage vorbereite. Auch mehrere US-Bundesstaaten planen juristische Schritte gegen die Rating-Agentur. Die Klagen könnten dem "Wall Street Journal" zufolge noch in dieser Woche eingereicht werden.

Dabei gehe es um die Bewertung von auf faulen US-Immobilienkrediten basierenden Wertpapieren vor der Finanzkrise von 2007. Standard & Poor's sowie die beiden anderen großen Rating-Agenturen Moody's und Fitch hatten die Papiere lange als unbedenklich eingestuft und stehen nun in der Kritik, Anleger damit in die Irre geführt zu haben.

Als die Krise ausbrach, verloren selbst mit der Bestnote Triple-A ausgezeichnete Papiere schlagartig an Wert. Das Platzen der Immobilienblase in den USA hatte eine weltweite Krise ausgelöst, weil die faulen Papiere von Bank zu Bank als Geldanlage weitergereicht worden waren. Die US-Regierung legte einen Bankenrettungsfonds in Höhe von bis zu 700 Milliarden Dollar auf, um einen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern.

Die Rating-Agenturen stehen wegen der Vergabe von Bestnoten auf faule Kredite seit Jahren in der Kritik, entzogen sich Verfahren aber zumeist mit der Begründung, sie hätten lediglich eine Meinung vertreten und keine Kaufempfehlung abgegeben. Auch Standard & Poor's weist nun alle Vorwürfe zurück. Die bevorstehende Klage des Justizministeriums sei "vollkommen ungerechtfertigt", hieß es in einer Erklärung. Auch die US-Regierung habe im Jahr 2007 in ihren eigenen Einschätzungen noch öffentlich kundgetan, dass die Probleme mit den Immobilienpapieren kontrolliert werden könnten.

Mitte Januar hatte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden, dass Rating-Agenturen in Deutschland grundsätzlich wegen ihrer Einschätzung verklagt werden können. Zuvor hatte ein australisches Gericht S&P zur Zahlung einer millionenschweren Entschädigung verurteilt, weil die Rating-Agentur Anleger in die Irre geführt habe. In New York hatte ein Gericht eine ähnliche Klage von Investoren zugelassen.

AFP/dpa/Reuters/mia

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insgesamt 30 Beiträge
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novaro 04.02.2013
1. Gute Nachricht
Ist doch eine gute Nachricht. Die in den US ansässigen Ratingagenturen werden vom Staat verklagt. Jetzt warte ich geduldig darauf, das mir die "Amerika-Teufel-Eliten-Verschwörung-Bankster"-Theoretiker den doppelbödigen Hintergrund erklären, warum die US-Regierung, der CIA, Finanzmarktsklavenhalter und auch Merkel nur hinter diesem fiesen Plan stecken können. Kann wie immer lustig werden...
kannmanauchsosehen 04.02.2013
2. Endlich!
Zitat von sysopDPADas US-Justizministerium und mehrere Bundesstaaten wollen noch in dieser Woche Klage gegen Standard & Poor's einreichen. Sie werfen der Ratingagentur vor, noch kurz vor der Finanzkrise US-Hypothekenpapiere hoch bewertet und damit Anleger in die Irre geführt zu haben. USA wollen Ratingagentur S&P verklagen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/usa-wollen-ratingagentur-s-p-verklagen-a-881473.html)
Wird aber auch Zeit, dass diesen arroganten Besserwissern endlich mal jemand die Hammelbeine lang zieht. Diese Klage wird andere nach sich ziehen, und uns hoffentlich irgendwann einmal von der Illusion befreien, solche Firmen wären in der Lage, die Kreditwürdigkeit diverser Einrichtungen zuverlässig quantifizieren - dies ist nämlich vor allem Hokus Pokus, wie die Finanzkrise der letzten Jahre gezeigt hat.
lakechamplainer 04.02.2013
3. optional
Der Topf ruft den Wasserkocher schwarz an.
nando70 04.02.2013
4. Endlich...
...werden diese zwielichtigen Geldgeier nicht nur an den Pranger gestellt, sondern auch finanziell zur Verantwortung gezogen.
mohsensalakh 04.02.2013
5. ja ja ein weiteres Ami-Theater
Zitat von sysopDPADas US-Justizministerium und mehrere Bundesstaaten wollen noch in dieser Woche Klage gegen Standard & Poor's einreichen. Sie werfen der Ratingagentur vor, noch kurz vor der Finanzkrise US-Hypothekenpapiere hoch bewertet und damit Anleger in die Irre geführt zu haben. USA wollen Ratingagentur S&P verklagen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/usa-wollen-ratingagentur-s-p-verklagen-a-881473.html)
Wer das glaubt wird Seelig. Die stecken doch alle unter eine Decke! Standard and Poors, wer hatte vor noch 4 Jahren je von diese angebliche Firmen gehört? Auf einmal standen plötzlich in allen Medien Berichte über sogenannte "Ratingsagenturen". Diese Agenturen hatten es allerdings auf bestimmte Länder abgesehen: Hauptsächlich Griechenland, Zypern und Spanien. Gerade Griechenland war auf so ein Theater angewiesen, denn dieser wollte die Rüstungsverträge mit Deutschland und Frankreich endlich abschließen und brauchte unbedingt Kreditzahlungen von Deutschland und Frankreich - und plötzlich lesen wir in Medien von Ratingsagenturen, die die Kreditglaubwürdigkeit von nur diese Länder herabstufen. Es gibt mehr als 200 Länder auf der Erde, und diese Agenturen haben nichts besseres zu tun, als sich mit Griechenland zu befassen! Und wer zahlt diese angebliche Agenturen für ihre spitzfindige Forschungen? USA vielleicht? Und jetzt, wo es im Internet kursiert, dass das ganze nur ein Schauspiel sei, überlegen sich diese Ganoven neues Theaterspiel.
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