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Mögliches Euro-Aus für Griechenland: Varoufakis warnt vor Rückfall in die Steinzeit

Finanzminister Varoufakis: "Kein Weg heraus" Zur Großansicht
AFP

Finanzminister Varoufakis: "Kein Weg heraus"

Griechenland ohne Euro - für Finanzminister Varoufakis ist das offenbar eine Horrorvorstellung. Die Wiedereinführung der Drachme, warnt der Politiker, würde das Land um Jahrtausende zurückwerfen.

Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Alles, nur nicht raus aus dem Euro. Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis will einen Austritt seines Landes aus Währungsunion um jeden Preis verhindern. Die Wiedereinführung der alten Währung Drachme würde Griechenland in die Steinzeit zurückwerfen, sagte Varoufakis laut der Nachrichtenagentur dpa auf einem Seminar, das vom griechischen Fernsehen übertragen wurde.

Es wäre zwar besser gewesen, wenn Griechenland der Eurozone gar nicht erst beigetreten wäre, sagte Varoufakis. Dann hätte das Land die Möglichkeit gehabt, seine Wettbewerbsfähigkeit durch Abwertung der Währung zu verbessern. Für eine Rückkehr zur Drachme und einen Austritt aus der Währungsunion sei er aber nicht. "Wenn du einmal drinnen bist, dann gibt es keinen Weg heraus."

Griechenland droht die Zahlungsunfähigkeit, falls es in den kommenden Wochen kein neues Geld bekommt. Die Eurostaaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) blockieren die Auszahlung von grundsätzlich zugesagten 7,2 Milliarden Euro, die noch aus einem der beiden Rettungspakete für das Land stammen.

Sollte Griechenland das Geld nicht bekommen, wäre es bald bankrott. Ein Austritt aus der Währungsunion wäre wahrscheinlich, aber nicht zwangsläufig. Ob das Land im Euro bleiben kann, hängt nämlich vor allem daran, ob die Europäische Zentralbank (EZB) die griechischen Geschäftsbanken weiter mit Euro versorgt. Laut ihren Statuten muss die EZB diese Versorgung einstellen, sobald die Zahlungsfähigkeit der Banken gefährdet ist. Im Falle eines Staatsbankrotts dürfte das schnell passieren, weil dann die Staatsanleihen in den Bilanzen der Banken mit einem Schlag wertlos würden.

Weidmann kritisiert Nothilfen der EZB

Schon jetzt gibt es Zweifel an der Politik der EZB, die es der griechischen Notenbank erlaubt, die heimischen Banken mit Notkrediten über Wasser zu halten. Besonders deutlich spricht Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sein Unbehagen aus. "Dass Banken ohne Marktzugang Kredite gewährt werden, die damit Anleihen des eigenen Staates finanzieren, der selbst ohne Marktzugang ist, finde ich mit Blick auf das Verbot der monetären Staatsfinanzierung nicht in Ordnung", sagte Weidmann dem "Handelsblatt".

Er warnte vor einem Missbrauch der Notenbank. "Die Entscheidung über die Zukunft Griechenlands in der Währungsunion liegt eindeutig bei der Politik", sagt Weidmann, der als Bundesbankpräsident auch im Rat der EZB sitzt.

Tatsächlich ist die EZB zu einem der wichtigsten Akteure im griechischen Schuldendrama geworden. Sie entscheidet nicht nur über die Notkredite für griechische Banken, sondern verhandelt auch als Teil der Geldgeber-Troika über die Reformen, die das Land einleiten soll.

In den Büchern der EZB liegen griechische Staatsanleihen im Volumen von mehr als 20 Milliarden Euro, die die Notenbank im Zuge eines ersten Hilfsprogramms im Jahr 2010 aufgekauft hat. Ab Juli werden die ersten dieser Anleihen fällig, doch Griechenland hat bisher kein Geld, um die Kredite zurückzuzahlen.

Finanzminister Varoufakis würde die Rückzahlung der Anleihen gerne nach hinten verschieben. "Diese Anleihen sollten in die ferne Zukunft verschoben werden. Das ist klar", sagte Varoufakis am Donnerstag. Dazu würde er die Papiere gerne gegen neue tauschen. Nach eigener Aussage glaubt er jedoch nicht daran, dass EZB-Präsident Mario Draghi sich darauf einlassen wird. "Die Idee eines Tauschs versetzt Herrn Draghis Seele in Angst", sagte Varoufakis.

Zusammengefasst: Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis will einen Austritt seines Landes aus dem Euro unbedingt vermeiden. Dazu muss die Europäische Zentralbank (EZB) weiter Nothilfen für die griechischen Banken genehmigen. Daran aber gibt es heftige Kritik von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Er warnt die EZB davor, diese Politik fortzuführen.

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insgesamt 315 Beiträge
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1. Trickser
Mertrager 14.05.2015
Wenn man das so will, muss man einfach 'mal mit dem Tricksen aufhören.- Dafür sehe ich bisher keine Anhaltspunkte. Ergo: Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Raus.
2. Naja,
2469 14.05.2015
Steinzeit ist dann doch ein wenig übertrieben. Die haben wir 1000 Km weiter östlich. Ansonsten hat Herr Varoufakis - wieder einmal - Recht. Also nicht einknicken und den Worten Taten folgen lassen!
3.
morini 14.05.2015
Jahrtausende ? Das wäre doch mal ein echter Fortschritt.
4. Griechenland
wahrsager26 14.05.2015
Klar,es ist schon schön,den unseligen Euro haben zu wollen....lebt es sich wunderbar auf unsere Kosten.Zeit wird es ,das die Griechen wieder mit der Drachme zu leben lernen !Danke
5.
irobot 14.05.2015
[QUOTE[Die Wiedereinführung der Drachme, warnt der Politiker, würde das Land um Jahrtausende zurückwerfen.[/QUOTE] Wäre doch das Beste, was den passieren kann. Zurück in die Blütezeit griechischer Kultur. Damals haben sie ja noch was auf die Reihe gekriegt, im Gegensatz zu heute.
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