Zahlungsausfall Banken erklären Venezuela de facto für pleite

Venezuela bedient seine Schulden nicht mehr - zu diesem Schluss kommt nach mehreren Ratingagenturen nun auch der mächtige Branchenverband ISDA. Der Finanzkollaps des Landes rückt näher.

Öltanker vor der venezolanischen Küste
AFP

Öltanker vor der venezolanischen Küste


Die venezolanische Regierung hat Zahlungsverpflichtungen aus milliardenschweren Anleihen nicht erfüllt. Zu diesem Schluss kam der Derivateverband ISDA, in dem Banker und Börsenmakler zusammengeschlossen sind. Zuvor hatten schon die Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor's einen Zahlungsausfall Venezuelas festgestellt.

Im zuständigen ISDA-Komitee bejahten laut Protokoll alle 15 Mitglieder - darunter unter anderem Deutsche Bank, Bank of America und Goldman Sachs - die Frage, ob im Falle Venezuelas ein sogenanntes Kreditereignis eingetreten sei. Der Beschluss hat zur Folge, dass Besitzer spezieller Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps) gegen einen Zahlungsausfall Venezuelas ausgezahlt werden müssen. Über die genauen Konditionen will das ISDA-Gremium am kommenden Montag entscheiden.

Die Versicherungen betreffen sowohl venezolanische Staatsanleihen als auch Schuldpapiere der staatlichen Ölgesellschaft PDVSA. Das Gesamtvolumen liegt laut ISDA bei 1,5 Milliarden US-Dollar. 1,34 Milliarden Dollar entfallen auf Staatsanleihen, 250 Millionen Dollar auf PDVSA-Schulden. Ein Treffen von venezolanischen Regierungsvertretern mit Gläubigern war zu Beginn der Woche ohne Ergebnis geblieben.

ISDA ist ein Interessenverband großer Wertpapierhändler von Finanzderivaten. Hierzu gehören auch Kreditausfallversicherungen. Zu Interessenkonflikten kann es kommen, weil die ISDA-Mitglieder sowohl zu den Anbietern als auch den Käufern von CDS-Papieren gehören. Im Falle Venezuelas profitieren sie also teils von der ISDA-Entscheidung, teils werden sie finanziell belastet.

Venezuela gilt als das Land mit den weltweit größten Erdölreserven. Mit den Einnahmen aus dem Ölhandel finanzierte der verstorbene Präsident Hugo Chávez seine auf Umverteilung ausgerichtete Politik. Nachfolger Nicolás Maduro versuchte, diesen Kurs fortzusetzen, kämpft aber seit Jahren mit grassierender Inflation und extremer Warenknappheit. Maduro hat mit zunehmender Repression reagiert und das Parlament inzwischen entmachtet.

dab/dpa/AP

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