Ölpreisverfall Venezuela erhöht Benzinpreise erstmals seit 20 Jahren

Ein Liter Benzin für 0,01 Dollar: Damit galt Venezuela lange als Paradies für Autofahrer. Doch das Land steht vor dem wirtschaftlichen Ruin. Deshalb erhöht es erstmals seit fast 20 Jahren den Benzinpreis.

Tankstelle in Caracas: Benzin wird teurer - aber bleibt spottbillig
AP

Tankstelle in Caracas: Benzin wird teurer - aber bleibt spottbillig


Venezuela steckt tief in einer Wirtschaftskrise. Nun hat Präsident Nicolás Maduro eine unpopuläre Maßnahme verkündet, von der er sich zusätzliche Staatseinnahmen erhofft: Zum ersten Mal seit knapp 20 Jahren wird der Benzinpreis angehoben. Die neuen Preise sollen ab Freitag an den Tankstellen umgesetzt werden, wie Maduro in einer Fernsehansprache sagte. Bisher subventioniert das Land mit den größten Ölreserven der Welt Benzin mit rund zehn Milliarden US-Dollar im Jahr.

Gleichzeitig wird die Landeswährung Bolivar abgewertet. Künftig soll der stärkere der beiden offiziellen Wechselkurse bei zehn Bolivar für einen Dollar liegen. Der schwächere offizielle Wechselkurs, der etwa für Touristen in Venezuela gilt, soll zunächst 200 Bolivar für einen Dollar betragen, kündigte Maduro an. Auf dem Schwarzmarkt kann der Dollar jedoch derzeit für 800 bis 1000 Bolivar gewechselt werden.

"Wir haben das billigste Benzin der Welt. In den USA kostet ein Liter mindestens 0,78 Dollar (...) und in Venezuela nur 0,01 Dollar", sagte Maduro - und bezog sich auf den Schwarzmarkt-Wechselkurs. Doch auch zum künftigen offiziellen Wechselkurs entspricht das lediglich einem Dollar-Cent.

Die Preiserhöhung sei nun angesichts des Ölpreisverfalls nötig, um die Krise zu bekämpfen, sagte Maduro. Im vergangenen Jahr ist die venezolanische Wirtschaft um fünf Prozent geschrumpft. Wegen des fallenden Ölpreises sind die Staatseinnahmen laut Maduro um 70 Prozent eingebrochen.

Venezuelas Präsident Maduro: Unpopuläre Maßnahme zur Bekämpfung der Krise
REUTERS//Miraflores Palace

Venezuelas Präsident Maduro: Unpopuläre Maßnahme zur Bekämpfung der Krise

Der Präsident steht seit Monaten unter Druck. Die Opposition hatte im Dezember bei der Parlamentswahl eine Mehrheit in der Nationalversammlung errungen. Sie wirft Maduro Misswirtschaft vor und strebt ein Referendum zu seiner Abwahl an.

Eine Benzinpreiserhöhung galt bisher aus politischen Gründen als sehr heikel. 1989 war es bei einem solchen Vorhaben zu schweren Unruhen mit Hunderten Toten gekommen.

Ein Liter des teuersten Benzins (95 Oktan) soll statt bisher 0,097 Bolivar künftig sechs Bolivar kosten, das sind zum offiziellen Wechselkurs umgerechnet etwa 0,6 Dollar. Wechselt man das Geld aber auf dem Schwarzmarkt, bekommt man auch künftig 100 Liter Benzin für weniger als einen Dollar. Trotz der Preiserhöhung wird in Venezuela das Tanken vergleichsweise günstig sein. Zum Vergleich: Ein Bier kostet etwa 300, eine Schale mit Erdbeeren etwa 800 Bolivar.

Der Ölpreisverfall macht wichtigen Förderländern zu schaffen. Am Dienstag hatten sich die Ölproduzenten Russland, Saudi-Arabien, Katar und Venezuela darauf verständigt, die Produktion auf dem Januar-Niveau einzufrieren, und so den dramatisch gefallenen Preis zu stabilisieren.

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aar/fdi/dpa/Reuters

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insgesamt 44 Beiträge
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globalundnichtanders 18.02.2016
1. Sehr spannendes Thema!
Jetzt wissen wir was das Tanken im nächsten Venezuela-Urlaub kostet. Freue mich auf einen großen Artikel zu Brötchenpreisen in der hinteren Mongolei!
no__comment 18.02.2016
2. Ich fand es interessant
Zitat von globalundnichtandersJetzt wissen wir was das Tanken im nächsten Venezuela-Urlaub kostet. Freue mich auf einen großen Artikel zu Brötchenpreisen in der hinteren Mongolei!
Also ich fand den Artikel interessant und habe ihn daher gelesen. Warum man den Artikel liest UND kommentiert, wenn er einen nicht interessiert, erschließt sich mir dagegen nicht.
Direwolf 18.02.2016
3. Das merken die aber früh
Als ich vor ein paar Jahren in Venezuela war, ist mir der absurde Benzinpreis auch sofort aufgefallen. Vor allem im Vergleich mit normalen Konsumgütern. Für den Gegenwert einer Rolle Pringels konnte man einen großen Reisebus mit Diesel volltanken - Diesel war deutlich billiger als Benzin. Zudem fuhren die Leute entsprechende Autos - jede Menge Ford F350 - also größere als in den USA.
ulli7 18.02.2016
4. So funktioniert Sozialismus = Staatskapitalismus
Für mich ist dies ein sehr interessanter Artikel. Denn er zeigt, wie der sozialistische Präsident Nicolás Maduro in Venezuela regiert. Sein Vorgänger, Hugo Chavez, war zunächst bei großen Teilen der Bevölkerung sehr beliebt. Denn er hatte die Preise im Lande gesenkt und die Mindestlöhne erhöht. Auf Deutschland übertragen: Ein Bauer bekommt für zwei Kilo Butter nur einen Euro. Aber er muss seinen Landarbeitern 25 € Stundenlohn zahlen. Kein Wunder, dass die einheimischen Produzenten und Handwerker in Venezuela aufgaben.
herr-ocker 18.02.2016
5. nicht rechnen können?
jetzt steht seit heute morgen, dass der neue Preis 0,6 Dollar seien. Das ist doch völlig! falsch. heute morgen stand sogar 0.78 euro drin... was für ein redakteur schreibt so etwas??
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