Wirtschaftskrise in Venezuela Inflation steigt auf mehr als 63 Prozent

Der Ölpreis fällt, die Wirtschaft schrumpft - und die Preise in Venezuela steigen immer höher. Laut neuesten Zahlen der Notenbank lag die Inflation zuletzt bei mehr als 63 Prozent. Experten sehen das Land vor dem Staatsbankrott.

Geschäft in Caracas: Die Teuerung liegt bei mehr als 63 Prozent
REUTERS

Geschäft in Caracas: Die Teuerung liegt bei mehr als 63 Prozent


Caracas - Knapp zwei Jahre nach dem Tod von Ex-Präsident Hugo Chavez steht Venezuela vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Wie die Zentralbank des Landes mitteilte, ist die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 2014 erneut um 2,3 Prozent geschrumpft. Damit setzt sich der rasante Abwärtstrend aus der ersten Jahreshälfte fort.

Für die Menschen im Land wird das tägliche Leben dabei immer teurer. Im November stieg die jährliche Inflation auf 63,6 Prozent. Zwei Jahre zuvor hatte sie noch bei 18 Prozent gelegen. Viele Produkte wie Butter oder Milch sind in der sozialistischen Planwirtschaft ohnehin häufig Mangelware.

Das erdölreiche Land steht nach Einschätzung von Experten vor dem Bankrott. Im März werden Staatsanleihen für rund eine Milliarde US-Dollar (etwa 815 Millionen Euro) fällig. Insgesamt muss Venezuela 2015 mehr als 30 Milliarden Dollar an Krediten zurückzahlen.

Diesen Verpflichtungen stehen immer weniger Einnahmen gegenüber - was vor allem am sinkenden Ölpreis liegt. Laut Staatspräsident Nicolas Maduro ist der Exportpreis für venezolanisches Öl im zweiten Halbjahr um die Hälfte auf 48 Dollar je Barrel zurückgegangen. Wie kaum ein anderes Land ist Venezuela vom Öl abhängig. 96 Prozent seiner Staatseinnahmen kommen aus diesem Bereich.

Maduro hatte den USA bereits am Montag vorgeworfen, durch eine Senkung des Ölpreises sein Land und Russland in den Ruin treiben zu wollen. Die US-Regierung überflute den Markt mit billigem Schieferöl. "Sie haben einen Krieg geplant, um Russland und Venezuela zu zerstören. Um uns zu rekolonisieren, unsere Unabhängigkeit und Revolution zu zerstören", sagte Maduro.

stk/dpa/Reuters

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insgesamt 76 Beiträge
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polltroll 31.12.2014
1. Der Schuldzuweisugs Reflex
Der Preis für Öl bildet sich am Weltmarkt. Das ist eine Sache, die kapitalistische Sozialisten nicht verstehen wollen. Man könnte genauso gut Russland oder den Arabischen Emiraten vorwerfen, dass sie Venezuela zerstören wollen. Soweit ich weiß, drosseln die ihre Fördermengen auch nicht. Haben die mehr Recht Öl zu fördern als di USA? Wer alles auf die fossile Rohstoffkarte setzt, wird in Zukunft sowieso Probleme bekommen. Time to Change! :-)
zappa99 31.12.2014
2. Wenn die Fusion kommt
sind die Ölstaaten alle am Ende. Das wird die Welt auf den Kopf stellen.
ir² 31.12.2014
3.
Venezuelas Wirtschaft ist ein "one trick pony", und wenn die Kasse nicht mehr stimmt ist die USA schuld. Zustimmung kommt bestimmt von den Links-grünen in Deutschland, die zwar komplett vom Öl weg wollen, aber sinkende Ölpreise als Wirtschaftskrieg der USA gegen den Rest der Welt sehen. Na ja, eine Lebenslüge mehr in der politischen Traumwelt links von der Mitte....
dunnhaupt 31.12.2014
4. Das ist die Erklärung der plötzlichen Kuba-Öffnung
Das kommunistische Kuba erhielt einst finanzielle Unterstützung von der Sowjetunion. Nach deren Zusammenbruch sprang Chavez aus Venezuela mit Hilfe ein. Doch Venezuela ist jetzt selbst am Ende. Die beiden Castrobrüder hatten also keine andere Wahl als sich an Obama zu wenden.
omelzig 31.12.2014
5. Busfahrer
Ja der liebe Herr Maduro.... Er hätte lieber Busfahrer bleiben sollen ( war er wirklich) und lieber die Wirtschaft denen überlassen sollen die wenigstens a bissle a Ahnung haben. Mittlerweile ist es so schlimm, dass ich jedesmal statt Geschenken Klopapier nach Venezuela mitbringen muss und wenn es mal ganz exklusiv sein soll : Eier. Schade was aus diesem wirklich schönen Land geworden ist.
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