Verbot von Leerverkäufen Parlament stoppt riskante Finanzwetten

Der Bundestag macht Zockern das Leben schwerer: Nach dem Kabinett hat nun auch das Parlament ein Verbot von riskanten Aktien- und Wertpapiergeschäften abgesegnet. Die Opposition kritisiert das Verbot sogenannter ungedeckter Leerverkäufe als Symbolpolitik.

Bankenviertel in Frankfurt: Umstrittener Anti-Zocker-Feldzug
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Bankenviertel in Frankfurt: Umstrittener Anti-Zocker-Feldzug


Berlin - Spekulanten haben bei riskanten Börsenwetten in Deutschland künftig weniger Spielraum. Der Bundestag hat am Freitag mit den Stimmen von Union und FDP das Verbot für "ungedeckte Leerverkäufe" abgesegnet. Die SPD stimmte dagegen, Grüne und Linkspartei enthielten sich.

Der Bundesrat entscheidet am Freitag nächster Woche über das Verbot. Eine Zustimmung gilt als wahrscheinlich, nachdem Interessen der Länder berücksichtigt und die Gesetzespläne entschärft wurden.

Das Verbot gilt für alle ungedeckten Leerverkäufe von Aktien an deutschen Börsen sowie für den ungedeckten Verkauf von Staatsanleihen der Euro-Länder und den ungedeckten Verkauf von Kreditausfallversicherungen auf Staatsanleihen von Euro-Ländern.

Wie Leerverkäufe funktionieren, erklärt diese Fotostrecke:

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Erklärgrafiken: So funktionieren Leerverkäufe

Das Besondere an ungedeckten Leerverkäufen ist, dass die Finanzakteure die Papiere, mit denen sie handeln, gar nicht besitzen. Sie versprechen etwa einer Bank, ihr in drei Monaten Aktien oder Staatsanleihen zu einem bestimmten Preis zu verkaufen. Dann versuchen sie in diesem Zeitraum, die entsprechenden Papiere günstiger einzukaufen. Die Differenz streichen sie als Gewinn ein.

Ungedeckte Leerverkäufe von Kreditversicherungen auf Staatsanleihen funktionieren anders: Hierbei erwerben Händler sogenannte Credit Default Swaps (CDS), die ursprünglich als Versicherung für Banken gedacht waren. Diese nutzen sie normalerweise, um sich dagegen abzusichern, dass Staaten von denen sie Anleihen halten, pleitegehen. Sie erwerben ein CDS und zahlen dafür eine Versicherungsgebühr. Tritt der worst case ein, müsste nicht die Bank selbst den Verlust abschreiben, sondern derjenige, der die Staatsanleihe versichert hat.

Allerdings lassen sich CDS auch zu spekulativen Zwecken nutzen. in diesem Fall kauft ein Finanzakteur Kreditversicherungen für Staatsanleihen, obwohl er diese Anleihen gar nicht besitzt.

Wie das funktioniert, erklärt diese Bilderstrecke:

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Grafik-Strecke: So zockt man mit Kreditversicherungen

Mit der neuen Finanzregel will die Regierung spekulative Wetten eindämmen. Denn mit Hilfe von Leerverkäufen können Spekulanten Kursschwankungen verstärken. Sie können etwa mit darauf wetten, dass ein Aktienkurs bald fällt - und mit ihrem Angebot, in drei Monaten genau diese Aktien zu verkaufen, das Vertrauen anderer Aktionäre in das Papier schmälern und so den Kursverfall beschleunigen. Solche Deals gelten als Brandbeschleuniger in der Finanzkrise.

In Europa und weltweit ist Deutschland mit seinem Leerverkaufsverbot dennoch weitgehend isoliert. Die EU-Kommission will ihre Vorschläge erst im Oktober vorlegen. Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde lehnt die deutsche Initiative ab.

Experten und Opposition halten das Verbot für wirkungslos. Der größte Teil des Handels mit den in die Kritik geratenen Kreditausfallversicherungen etwa werde nicht in Frankfurt am Main, sondern in London oder New York abgewickelt. Händler, die in Deutschland tätig sind, könnten außerdem auf andere Finanzplätze ausweichen, an denen kein Leerverkaufsverbot gelte.

ssu/apd/ddp

Forum - Mehr Regulierung für Banken?
insgesamt 1433 Beiträge
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Seite 1
AndyH 23.01.2010
1.
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Ja, braucht. Und ja, Obama wird auch damit scheitern.
Klaus.G 23.01.2010
2. Nix mit Regulierung
solange die Parteien am Tropf der Banken hängen und von deren Spenden abhängig sind wird sich nie was ändern. Alle außer der Linken werden gut dotiert und darum wird sich nix ändern denn dann würde man den Banken in die Quere kommen was ja niemand will.Auch Obama wird scheiten, zu groß die Macht der Banken und deren Verflechtung mit der Politk. Glückauf.
soziale qualität 23.01.2010
3. Ein bisschen regulieren wird nicht reichen
Um aus der Boom - Krise - Falle auszubrechen wird es klare Grenzen brauchen. Ganz wichtig wäre ein Verbot der Kickbacks und Boni. Die Banker haben sich mit diesen 'Tools' eine Schmiergeldlegalisierung herausgenommen die sich zum erfolgreichen Erpressungswerkzeug entwickelt hat. Es wird auch eine Steuer auf internationalen Finanztransaktionen brauchen und einen globalen Plan zur Austrocknung der Steueroasen. Weitere wichtige Grundlagen zum Thema: www.oekonomiefueralle.blogspot.com
Adran, 23.01.2010
4.
ist nur die Rückkehr zum *Glass-Steagall Act* klick (http://de.wikipedia.org/wiki/Glass-Steagall_Act) also nichts neues, sondern ehr sehr altes..bewertes..
Jordan Sokoł 23.01.2010
5. Die Zerschlagung droht so oder so!
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Bezogen auf unsere bundesdeutschen Verhältnisse, muß den Bankmanagern und deren Unterstützern in der Politik klarge- macht werden, daß sie unter Umständen von einem entfessel- ten Volk (z)erschlagen werden, wenn sie sich nicht endlich vernünftigen Beschränkungen und strafbewährten Regeln unterwerfen. Unsere Bundeskanzlerin kann sich bezüglich ihrer unver- zeihlichen Zurückhaltung gegenwärtig nur auf ein einziges Argument berufen: "Ich/wir halten uns zurück, bis die Verursacher der Finanzkrise (USA, GB) regelnd in die Finanzmärkte eingreifen." Frau Merkel, die USA, England und Frankreich sind im Gegen- satz zu Ihnen sichtlich bemühter, um dem ausufernden Ge- schäftsgebaren der Finanzmanager die notwendigen Stop- zeichen vor die Nasen zu setzen. - Nun lassen Sie mal den Koch mit seinen bewußt nicht publizierten bankspezifischen Regionalinteressen rechts liegen und besinnen sich auf das Wohl des Volkes in seiner Gesamtheit! Jordan Sokoł
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