Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Verbot von Leerverkäufen: Parlament stoppt riskante Finanzwetten

Der Bundestag macht Zockern das Leben schwerer: Nach dem Kabinett hat nun auch das Parlament ein Verbot von riskanten Aktien- und Wertpapiergeschäften abgesegnet. Die Opposition kritisiert das Verbot sogenannter ungedeckter Leerverkäufe als Symbolpolitik.

Bankenviertel in Frankfurt: Umstrittener Anti-Zocker-Feldzug Zur Großansicht
AP

Bankenviertel in Frankfurt: Umstrittener Anti-Zocker-Feldzug

Berlin - Spekulanten haben bei riskanten Börsenwetten in Deutschland künftig weniger Spielraum. Der Bundestag hat am Freitag mit den Stimmen von Union und FDP das Verbot für "ungedeckte Leerverkäufe" abgesegnet. Die SPD stimmte dagegen, Grüne und Linkspartei enthielten sich.

Der Bundesrat entscheidet am Freitag nächster Woche über das Verbot. Eine Zustimmung gilt als wahrscheinlich, nachdem Interessen der Länder berücksichtigt und die Gesetzespläne entschärft wurden.

Das Verbot gilt für alle ungedeckten Leerverkäufe von Aktien an deutschen Börsen sowie für den ungedeckten Verkauf von Staatsanleihen der Euro-Länder und den ungedeckten Verkauf von Kreditausfallversicherungen auf Staatsanleihen von Euro-Ländern.

Wie Leerverkäufe funktionieren, erklärt diese Fotostrecke:

Fotostrecke

5  Bilder
Erklärgrafiken: So funktionieren Leerverkäufe

Das Besondere an ungedeckten Leerverkäufen ist, dass die Finanzakteure die Papiere, mit denen sie handeln, gar nicht besitzen. Sie versprechen etwa einer Bank, ihr in drei Monaten Aktien oder Staatsanleihen zu einem bestimmten Preis zu verkaufen. Dann versuchen sie in diesem Zeitraum, die entsprechenden Papiere günstiger einzukaufen. Die Differenz streichen sie als Gewinn ein.

Ungedeckte Leerverkäufe von Kreditversicherungen auf Staatsanleihen funktionieren anders: Hierbei erwerben Händler sogenannte Credit Default Swaps (CDS), die ursprünglich als Versicherung für Banken gedacht waren. Diese nutzen sie normalerweise, um sich dagegen abzusichern, dass Staaten von denen sie Anleihen halten, pleitegehen. Sie erwerben ein CDS und zahlen dafür eine Versicherungsgebühr. Tritt der worst case ein, müsste nicht die Bank selbst den Verlust abschreiben, sondern derjenige, der die Staatsanleihe versichert hat.

Allerdings lassen sich CDS auch zu spekulativen Zwecken nutzen. in diesem Fall kauft ein Finanzakteur Kreditversicherungen für Staatsanleihen, obwohl er diese Anleihen gar nicht besitzt.

Wie das funktioniert, erklärt diese Bilderstrecke:

Fotostrecke

5  Bilder
Grafik-Strecke: So zockt man mit Kreditversicherungen

Mit der neuen Finanzregel will die Regierung spekulative Wetten eindämmen. Denn mit Hilfe von Leerverkäufen können Spekulanten Kursschwankungen verstärken. Sie können etwa mit darauf wetten, dass ein Aktienkurs bald fällt - und mit ihrem Angebot, in drei Monaten genau diese Aktien zu verkaufen, das Vertrauen anderer Aktionäre in das Papier schmälern und so den Kursverfall beschleunigen. Solche Deals gelten als Brandbeschleuniger in der Finanzkrise.

In Europa und weltweit ist Deutschland mit seinem Leerverkaufsverbot dennoch weitgehend isoliert. Die EU-Kommission will ihre Vorschläge erst im Oktober vorlegen. Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde lehnt die deutsche Initiative ab.

Experten und Opposition halten das Verbot für wirkungslos. Der größte Teil des Handels mit den in die Kritik geratenen Kreditausfallversicherungen etwa werde nicht in Frankfurt am Main, sondern in London oder New York abgewickelt. Händler, die in Deutschland tätig sind, könnten außerdem auf andere Finanzplätze ausweichen, an denen kein Leerverkaufsverbot gelte.

ssu/apd/ddp

Diesen Artikel...
Forum - Mehr Regulierung für Banken?
insgesamt 1433 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
AndyH 23.01.2010
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Ja, braucht. Und ja, Obama wird auch damit scheitern.
2. Nix mit Regulierung
Klaus.G 23.01.2010
solange die Parteien am Tropf der Banken hängen und von deren Spenden abhängig sind wird sich nie was ändern. Alle außer der Linken werden gut dotiert und darum wird sich nix ändern denn dann würde man den Banken in die Quere kommen was ja niemand will.Auch Obama wird scheiten, zu groß die Macht der Banken und deren Verflechtung mit der Politk. Glückauf.
3. Ein bisschen regulieren wird nicht reichen
soziale qualität 23.01.2010
Um aus der Boom - Krise - Falle auszubrechen wird es klare Grenzen brauchen. Ganz wichtig wäre ein Verbot der Kickbacks und Boni. Die Banker haben sich mit diesen 'Tools' eine Schmiergeldlegalisierung herausgenommen die sich zum erfolgreichen Erpressungswerkzeug entwickelt hat. Es wird auch eine Steuer auf internationalen Finanztransaktionen brauchen und einen globalen Plan zur Austrocknung der Steueroasen. Weitere wichtige Grundlagen zum Thema: www.oekonomiefueralle.blogspot.com
4.
Adran, 23.01.2010
ist nur die Rückkehr zum *Glass-Steagall Act* klick (http://de.wikipedia.org/wiki/Glass-Steagall_Act) also nichts neues, sondern ehr sehr altes..bewertes..
5. Die Zerschlagung droht so oder so!
Jordan Sokoł 23.01.2010
Zitat von sysopWeniger Eigenhandel, eine Strafsteuer und - im Extremfall -Zerschlagung: US-Präsident Barack Obama will die Banken zügeln. Braucht die Finanzbranche wirklich mehr Regulierung?
Bezogen auf unsere bundesdeutschen Verhältnisse, muß den Bankmanagern und deren Unterstützern in der Politik klarge- macht werden, daß sie unter Umständen von einem entfessel- ten Volk (z)erschlagen werden, wenn sie sich nicht endlich vernünftigen Beschränkungen und strafbewährten Regeln unterwerfen. Unsere Bundeskanzlerin kann sich bezüglich ihrer unver- zeihlichen Zurückhaltung gegenwärtig nur auf ein einziges Argument berufen: "Ich/wir halten uns zurück, bis die Verursacher der Finanzkrise (USA, GB) regelnd in die Finanzmärkte eingreifen." Frau Merkel, die USA, England und Frankreich sind im Gegen- satz zu Ihnen sichtlich bemühter, um dem ausufernden Ge- schäftsgebaren der Finanzmanager die notwendigen Stop- zeichen vor die Nasen zu setzen. - Nun lassen Sie mal den Koch mit seinen bewußt nicht publizierten bankspezifischen Regionalinteressen rechts liegen und besinnen sich auf das Wohl des Volkes in seiner Gesamtheit! Jordan Sokoł
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



SPIEGEL-Analyse

Die Mächtigen der Welt treffen sich zum G-20-Gipfel, um die Finanzmärkte zu bändigen. Ein Erfolg ist ungewiss, dabei könnte ein schlichtes Fünf-Punkte-Programm künftige Krisen verhindern:

Gebot 1: Bändigt die Banken!

Gebot 2: Mehr Eigenkapital!

Gebot 3: Einen TÜV für Finanzprodukte!

Gebot 4: Bewacht die Hedgefonds!

Gebot 5: Kontrolliert die Rating-Agenturen!


Vor- und Nachteile der Finanzsteuer
Transaktionsteuer? Aktivitätsteuer? Zwei Konzepte werden diskutiert - ihre Vor- und Nachteile.
Transaktionsteuer: Vorteile
Der Staat könnte an den Finanzmärkten Geld abschöpfen. Wird die Steuer auf die gesamte Risikosumme erhoben, macht sie Spekulationen, die auf kurzfristige Kapitalumschichtungen ausgelegt sind, unattraktiver. Wird ein Wertpapier zum Beispiel einmal pro Jahr verkauft, beträgt die Steuer 0,2 Prozent. Wechselt das Papier einmal im Monat den Besitzer, würde für den Kapitalbetrag eine Steuer von 2,4 Prozent fällig. Wird der Betrag einmal wöchentlich transferiert, beträgt die Belastung schon 10,4 Prozent.
Transaktionsteuer: Nachteile
Firmen, die sich durch schnelles Umschichten von Anlagen gegen Währungsrisiken absichern, würden für umsichtiges Risikomanagement plötzlich bestraft.

Banken und andere Institute könnten die Kosten für die Finanztransaktionsteuer auf ihre Kunden abwälzen. Höhere Zinsen für Kreditnehmer sowie niedrigere Renditen für Sparer und Anleger wären die Folge. Das aber würde Investitionen, den privaten Konsum - und damit das Wirtschaftswachstum dämpfen.

Die Intransparenz an den Märkten wird tendenziell erhöht. Werden Geschäfte auf den regulären Finanzmärkten besteuert, könnten Händler vermehrt auf alternative Handelsplattformen wie Turquoise oder Chi-X ausweichen. Hier hat der Staat jedoch keinen Zugriff.
Aktivitätsteuer: Vorteile
Die Finanzaktivitätssteuer wäre wesentlich punktgenauer, da sie nur Gewinne und Gehaltszahlungen von Bankern besteuert.
Aktivitätsteuer: Nachteile
Die Einnahmen stünden vermutlich in keinem Verhältnis zum Kontrollaufwand, der nötig wäre, um die Abgabe einzutreiben. In den Finanzhäusern würden vermutlich Mittel und Wege gesucht, wie Gewinne aus Spekulationen in der Bilanz an anderer Stelle ausgewiesen werden könnten.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: