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Vergleich der Arzneimittelpreise: Pharma-Giganten kassieren in Deutschland ab

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Für Pharmakonzerne ist Deutschland ein Paradies: Sie können den Preis für neue Medikamente selbst festlegen - und die Krankenkassen müssen ihn zahlen. Laut "Arzneiverordnungsreport 2010" hat das üble Folgen. Die Kosten seien 50 bis 100 Prozent höher als im Vergleichsland Schweden.

Arzneiproduktion in Deutschland: Satte Preisaufschläge im europäischen Vergleich Zur Großansicht
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Arzneiproduktion in Deutschland: Satte Preisaufschläge im europäischen Vergleich

Hamburg - Die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind im vergangenen Jahr erneut um 4,8 Prozent gestiegen - auf mittlerweile 32,4 Milliarden Euro. Verantwortlich für den Anstieg sind vor allem Spezialpräparate für Bluthochdruck-Patienten, Diabetiker oder Krebskranke, die zwar neu und teurer sind, deren Zusatznutzen aber oft fraglich ist.

Diese Präparate "erklären bereits 80 Prozent des Kostenanstiegs" der gesetzlichen Krankenkassen, wie der Heidelberger Pharmakologe Professor Ulrich Schwabe an diesem Dienstag in Berlin bei der Vorstellung des neuen Arzneiverordnungsreports (AVR) erklärte.

Der AVR gilt als die Bibel der Gesundheitsökonomen. Für dieses Werk werden jedes Jahr 740 Millionen Arzneimittelverordnungen von mehr als 138.000 Ärzten ausgewertet. Der AVR informiert seit 26 Jahren regelmäßig darüber, wie stark die Ausgaben für einzelne Präparate steigen, wie die Neuheiten der Pharmakonzerne wirklich zu bewerten sind und in welchen Bereichen gespart werden könnte. Für die Pharmalobby ist der Report jedes Jahr ein Reizthema.

Diesmal überrascht der Report neben den üblichen Daten mit einem aufschlussreichen Vergleich der Arzneimittelpreise zwischen Deutschland und Schweden. Bereits 2008 hatten italienische Autoren in einer Studie gezeigt, dass Deutschland die höchsten Arzneimittelpreise von sieben EU-Staaten hat. Die Erkenntnis wird nun durch eine detaillierte Überprüfung der umsatzstärksten Arzneimittel eindrucksvoll belegt. Jeweils am 2. Juni 2010 wurden dazu die Apothekenverkaufspreise in Schweden und Deutschland verglichen. Einige Ergebnisse im Überblick:

  • Das Rheumamittel Humira kostete in Schweden 1149 Euro, in Deutschland waren es 1919 Euro. Das entspricht einem Aufschlag von 67 Prozent.
  • Das Asthmamedikament Symbicort ist hierzulande 59 Prozent teurer.
  • Für 30 Tabletten des Krebsmittels Glivec verlangten schwedische Apotheker 2439 Euro, in Deutschland dagegen 3448 Euro - ein Plus von 41 Prozent.
  • Das Neuroleptikum Seroquel (100 Tabletten) ist in Deutschland 56 Prozent teurer.
  • Das Asthmamittel Viani kostet in Deutschland stolze 61 Prozent mehr als in Schweden.

Noch deutlicher sind die Preisunterschiede bei Arzneimitteln, deren Patentschutz abgelaufen ist, sogenannten Generika, die von Firmen wie Ratiopharm oder Hexal einfach nachgebaut werden können. Einige Beispiele aus dem Report:

  • Eine Hunderter-Packung des beliebten Magenschutzmittels Omeprazol kostete in Schweden 9,36 Euro, in Deutschland dagegen 60,46 Euro (plus 546 Prozent). Am 1. September wurde der Preis für Omeprazol hierzulande auf 43,29 Euro abgesenkt, womit der Preis "nur" noch 363 Prozent höher liegt als im Königreich Schweden.
  • Das Blutverdünnungsmittel Plavix kostete in Schweden 171 Euro, in Deutschland 280 Euro (plus 63 Prozent).
  • Das Diabetiker-Insulin Actrapid human kostete in Schweden 28,95 Euro, in Deutschland 52,51 Euro (plus 81 Prozent).

Selbst die Generika-Präparate von ein- und derselben Firma sind im Preis kolossal verschieden. Auch dies belegt der Arzneiverordnungsreport auf eindrucksvolle Weise:

  • Während zum Beispiel Ratiopharm in Schweden sein Omeprazol (20 Milligramm) für 7,11 Euro anbietet, kostete es in Deutschland am gleichen Tag 33,24 Euro (plus 424 Prozent).
  • MetoHexal kostete in Schweden 6,06 Euro, in Deutschland 19,44 Euro (plus 271 Prozent).

Nicht berücksichtigt sind in dem Vergleich allerdings die Rabatte, die die Generika- Firmen den Krankenkassen seit drei Jahren gewähren. Doch diese Nachlässe können auch nicht berücksichtigt werden, weil sie von Kasse zu Kasse unterschiedlich sind und nicht veröffentlicht werden. Auch wird in Schweden auf Arzneimittel keine Mehrwertsteuer erhoben. Doch die Preisunterschiede in dem Vergleich sind so groß, dass sie nicht allein durch die Rabatte und die Mehrwertsteuer erklärt werden können.

Insgesamt, so resümieren die Autoren des Arzneiverordnungsreports, sind die 50 umsatzstärksten Generika in Deutschland "im Durchschnitt 98 Prozent teurer als die entsprechenden Präparate in Schweden", die 50 führenden patentgeschützten Arzneimittel sind im Durchschnitt 48 Prozent teurer. Wären die Preise in Deutschland auf dem Niveau wie in Schweden, "ließen sich hier Wirtschaftlichkeitsreserven in Höhe von 9,4 Milliarden Euro berechnen", so die AVR-Autoren. Mit anderen Worten: Patienten und Krankenkassen könnten 9,4 Milliarden Euro sparen.

"Preissubventionen von 9,4 Milliarden Euro für die Pharmaindustrie"

Warum, so fragt der Autor des Reports, Professor Ulrich Schwabe, muss Deutschland mit seinen 82 Millionen Bewohnern so viel mehr für Arzneimittel bezahlen als Schweden mit seinen neun Millionen Einwohnern? Schließlich müssten nach den Regeln der Marktwirtschaft die Preise in Deutschland sogar niedriger sein, weil die Menge, welche die Kassen den Pharma-Multis hier abnehmen, viel höher ist. "Preissubventionen von 9,4 Milliarden Euro für die Pharmaindustrie sind weder ökonomisch noch gesundheitspolitisch vertretbar", resümiert Schwabe.

Das althergebrachte Privileg, wonach die Pharmaindustrie den Preis für ein neues Präparat zunächst einmal frei bestimmen kann, gibt es neben Deutschland nur noch in Dänemark und Malta. "Es sollte endlich abgeschafft werden", sagt Experte Schwabe. Doch von einer ernsthaften Regulierung der Preise für neue Medikamente ist die schwarz-gelbe Koalition weit entfernt. Stattdessen werden die fehlenden Milliarden im Gesundheitswesen zum größten Teil über höhere Beiträge von den gesetzlich Krankenversicherten eingetrieben.

Und auch nach der Gesundheitsreform von Minister Philipp Rösler (FDP) wird sich daran zunächst nichts ändern. Denn die Preisverhandlungen, zu denen Rösler die Pharmafirmen künftig zwingen will, greifen erst nach einem Jahr - so lange müssen die Krankenkassen mindestens noch Mondpreise zahlen wie bisher.

Neben dem Arzneimittelbereich gibt es dem Report zufolge auch in den anderen großen Leistungsbereichen der Kassen Ausgabenzuwächse. So stiegen die Krankenhauskosten im vergangenen Jahr um 6,8 Prozent auf 56,4 Milliarden Euro und die Ausgaben für ärztliche Behandlungen um sieben Prozent auf 30,6 Milliarden Euro. Damit hat sich der Anteil der Arzneimittel an den Leistungsausgaben der GKV zwar geringfügig um 0,2 Prozentpunkte auf 19 Prozent verringert. Dennoch liegen die Arzneimittelkosten weiterhin höher als die ärztlichen Behandlungskosten. Insgesamt gaben die Kassen 170,8 Milliarden Euro für Leistungen aus, zehn Milliarden Euro mehr als 2008.

Mit Material von AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 140 Beiträge
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1. *gähn*
Nostromo72 14.09.2010
Oh wie furchbar! Mann, mann, mann, um es nochmals gebetsmühlenartig hier zu wiederholen, was bei solchen Artikeln leider vom SPIEGEL ja immer verschwiegen wird: Solange sich unser Staat hier die vollen 19% Mehrwertsteuer der Ausgaben aus UNSEREN KK-BEITRÄGEN für verschreibungspflichtige Medikamente unter den Nagel reisst, stelle ich schlicht und ergreifend in Abrede, dass überhaupt die Spur eines ernsten Interesses daran existiert, das Gesundheitssystem zu reformieren!
2. Welch eine weltbewegende Erkenntniss
FrankPB 14.09.2010
Jeder, der schon einmal Urlaub im Ausland machte weiß, dass viele Medikamente dort erheblich günstiger sind. Warum gibt es z.B. in der Türkei eine Klinikpackung Aspirin(200Stk) für 7 Euro?? Haben die mehr oder andere Kopfschmerzen? Warum ist es verboten, Medikamente aus dem Ausland zu importieren?? Freie Marktwirtschaft? Wenn die Medikamente einen derart hohen Anteil an den Kosten haben, warum gibt man (= unsere tolle Regierung) dies nicht einfach frei?? Oder kommt jetzt wieder das Geschwätz von der "besseren Versorgung"? Sind dann alle anderen "schlechtere" Menschen, die zweite Wahl Medikamente bekommen???
3. Hier könnte Rössler endlich mal wirklich was unternehmen (nicht nur blöd schwafeln)
Memphi 14.09.2010
Anstelle das Rössler sich über (zurecht) streikende Ärzte aufregt, sollte er lieber gegen diese Geldmacherei vorgehen, denn sowas belastet unsere Krankenkassen! Die Gehälter der Ärzte sind dagegen straff verwaltet, denn es gibt nur Geld pro Patienten! Aber ob ein von Pharmakonzernen und Lobby durchkorruppierter FDP Rössler dagegen was unternimmt, ist wohl eher unwahrscheinlich. Eher werden Prokopfpauschalen eingeführt, um letztlich die Krankenversicherungen immer mehr zu privatisieren. Das Konzept hat sich ja sogut bewährt in den Staaten... Warum kann diese gelb-schwarze Regierung nicht einfach abtreten und am besten die Parteien sich aus Schmach und Schande auflösen! Es ist doch schon ein Trauerspiel, wie sie die Demokratie ad absurdum führen und unverfroren Klientelpolitik betreiben! Ist ja ähnlich wie mit den Spulanten, bei dem Börsencrash in den 30er Jahren hatten sie wenigstens noch den Anstand aus dem Fenster zu springen! Wäre doch mal echt Philosophie die Politiker nachahmen sollten - da muss der Steuerzahler nicht wenigstens noch Pensionen nach der Abwahl weiter finanzieren und das für Taugenichtse!
4. Die feste ...
aehzebaer 14.09.2010
... Umklammerung der Politik durch Lobbyisten wird auch hier wieder deutlich. Leider steht das Volk dem ohmächtig gegenüber. Auf, auf Michel ...
5. Unser Gesundheitsfuzzi
Schinkenfisch 14.09.2010
Rösler kann auch viel besser Witze über die Hosenanzüge der Kanzlerin reißen, als die Krankenkassen und die Pharmaindustrie in den Griff zu kriegen. Ich hab's gesehen! Die Menge hat gejohlt!
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Grafiken: Fakten zur Pharmaindustrie

Schwarz-gelbe Gesundheitspläne
Die Gesundheitspolitik erwies sich als einer der Knackpunkte in den Koalitionsverhandlungen von Union und FDP. Bei der Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen haben sich die künftigen Koalitionäre nun auf eine grundlegende Neuordnung verständigt - ein Überblick.
Krankenkassen
Das bisherige System des Gesundheitsfonds mit dem Einheitsbeitrag von derzeit 14,9 Prozent bleibt zwar zunächst erhalten. Somit ist auch der allein von den Versicherten zu leistende Zusatzbeitrag weiter auf ein Prozent des beitragspflichtigen Einkommens begrenzt. Doch voraussichtlich ab 2011 wird es grundsätzliche Änderungen geben: Der Arbeitgeberanteil wird eingefroren, damit müssten Ausgabensteigerungen wohl allein von den Arbeitnehmern getragen werden. Für die Versicherten wird es dann einen einkommensunabhängigen Beitrag geben, was dem umstrittenen Modell einer "Kopfpauschale" nahekäme. Für Geringverdiener soll es einen sozialen Ausgleich geben, der durch Steuern finanziert würde.
Praxisgebühr
Die Praxisgebühr von zehn Euro, die die Versicherten seit 2004 pro Quartal für Arztbesuche zahlen müssen, soll durch eine neue Regelung ersetzt werden. Zeitungsberichten zufolge könnte es künftig zu einer geringeren Gebühr kommen, die dann aber bei jedem Arztbesuch fällig würde. Ziel der Praxisgebühr war es, das Kostenbewusstsein der Versicherten zu steigern und den Kassen vom Beitragssatz unabhängige Einnahmen zu sichern. Diese Steuerungswirkung, so kritisierten Gesundheitsexperten wiederholt, habe die Praxisgebühr aber verfehlt.
Private Krankenversicherung
Der Wechsel zu einer privaten Krankenkasse soll künftig wieder nach einmaligem Überschreiten der Versicherungspflichtgrenze möglich sein. Derzeit ist dies nur möglich, wenn das Einkommen mindestens drei Jahre lang diese Obergrenze überschreitet.
Elektronische Gesundheitskarte
Die umstrittene Gesundheitskarte, die die bisherige Krankenkassenkarte ablösen sollte, wird vorläufig gestoppt. Erst nach einer "Bestandsaufnahme" der bisherigen Erfahrungen in den Testregionen soll entschieden werden, ob die Karte sinnvoll ist, heißt es im Entwurf des Koalitionsvertrags.
Ärztehonorare
Die umstrittene Honorarreform für niedergelassene Ärzte, die zum Jahresbeginn in Kraft trat und für heftige Proteste sorgte, soll korrigiert werden.
Ärztemangel
Angesichts des drohenden Ärztemangels sollen die Anreize für niedergelassene Mediziner in unterversorgten Regionen verstärkt werden und Medizinstudenten gefördert werden. ssu/AFP

Die bisherigen Gesundheitsreformen
1977: Die Kürzungen beginnen
Es dauert fast drei Jahrzehnte, bis es in der Bundesrepublik zur ersten größeren Gesundheitsreform kommt: Mit dem "Kostendämpfungsgesetz" der sozial-liberalen Koalition versucht die Regierung, die Inanspruchnahme von Leistungen zu steuern: Sie führt Zuzahlungen bei Arznei-, Verbands- und Heilmitteln ein - in Höhe des aus heutiger Sicht niedlichen Betrags von einer Mark pro Medikament.
1983: Auch die Rentner müssen zahlen
Mit zwei Reformen zu Beginn der achtziger Jahre werden die Zuzahlungen durch die Versicherten erhöht. Auch für die Rentner sind die rosigen Zeiten vorbei. Konnten sie sich zuvor kostenlos versichern, müssen sie seit 1983 auch einen einkommensabhängigen Beitrag leisten.
1989: Der erste Rundumschlag
Mit dem "Gesundheitsreformgesetz" von Norbert Blüm geht es ans Eingemachte: Die Eigenbeteiligung der Patienten wird weiter erhöht - etwa bei Arzneimitteln, im Krankenhaus und beim Zahnersatz. Erstmals unternimmt die Regierung auch den Versuch, die Kosten für Medikamente mit radikalen Maßnahmen in den Griff zu bekommen, indem sie Bagatallmedikamente aus dem Leistungskatalog streicht und Festbeträge für Arzneimittel einführt. Seither zahlen die Kassen nicht mehr automatisch jeden Preis für Tabletten und Co., sondern nur noch einen Höchstbetrag. Verschreibt der Arzt ein teureres Mittel, muss der Patient die Differenz zahlen. Trotz dieses Rundumschlags an Kosteneinsparungen sind die Beiträge jedoch nur für kurze Zeit stabil.
1993: Die Leistungen werden budgetiert
Gesundheitsminister Horst Seehofer verfolgt mit dem "Gesundheitsstrukturgesetz" 1993 erneut das Ziel, die Beiträge der gesetzlichen Krankenkassen in den Griff zu bekommen. Um den Anstieg der Leistungsausgaben besser zu kontrollieren, werden sie für einen begrenzten Zeitraum budgetiert. Gleichzeitig erhöht die Regierung erneut die Selbstbeteiligung bei Arznei- und Verbandsmitteln. Das Projekt einer Positivliste, die alle erstattungsfähigen Medikamente benennt, scheitert allerdings. Auch deshalb wird das Reformziel stabiler Beiträge erneut nur für wenige Jahre erreicht.
1997: Zahnersatz bitte selbst zahlen
Die "GKV-Neuordnungsgesetze" stehen ebenfalls in der Tradition ihrer Vorgängerinnen: Patienten müssen sich an den Kosten für Arznei- und Heilmittel, Krankenhaushaufenthalte und Fahrten etwa vom Krankenhaus noch stärker beteiligen. Jüngere Jahrgänge bekommen außerdem geringere Kassenzuschüsse beim Zahnersatz.
1999: Rot-Grün wagt den Leistungsausbau
Mit dem "Solidaritätsstärkungsgesetz" bringt erstmals seit rund zwei Jahrzehnten eine Gesundheitsreform wieder ein Mehr an Leistungen. So werden unter anderem die Zuzahlungen für die Patienten gesenkt. Gleichzeitig führt die rot-grüne Koalition aber zur Begrenzung des Ausgabenwachstums erneut Budgets für Arzthonorare, Krankenhäuser und Arzneimittel ein.
2004: SPD und Union bitten zur Kasse
Nachdem die rot-grüne Regierung in den Folgejahren ebenfalls zum Leistungsabbau umgeschwenkt ist, wagt sie in Kooperation mit dem unionsdominierten Bundesrat ähnlich wie 1989 einen Kostendämpfungsrundumschlag: Das "Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung" sieht unter anderem vor, dass Patienten eine Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal zahlen müssen, verschreibungsfreie Medikamente gar nicht mehr erstattet werden und die Selbstbeteiligung bei erstattungsfähigen Arznei- und Heilmitteln zehn Prozent der Kosten (maximal zehn Euro) beträgt.
2005: Paritätische Finanzierung am Ende
Aus für ein Prinzip, das seit 1883 in Deutschland bestand: Wurden die Beitäge zur Krankenversicherung zuvor paritätisch finanziert, also jeweils zur Hälfte durch den Arbeitgeber und den Arbeitnehmer, müssen die Versicherten nun einen Sonderbeitrag in Höhe von 0,9 Prozent zahlen.
2009: Der Gesundheitsfonds kommt
Zum Jahresbeginn 2009 ändert sich die Finanzierung der Krankenkassen grundlegend: Konnten die Versicherungen bislang ihren Beitragssatz weitgehend selbst festlegen, wird dieser künftig einheitlich von der Regierung bestimmt. Die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitsamt Steuerzuschuss fließen nun in den Gesundheitsfonds. Die Krankenkassen erhalten dann Pauschalen pro Versichertem von dieser gigantischen Geldsammelstelle. Weitere Änderung: Jeder Bürger muss eine Krankenversicherung abschließen.

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