Vergleich: Deutschland ist EU-Schlusslicht beim Lohnplus
Entwickelt sich Deutschland zum Paradies für Arbeitgeber? Löhne und Gehälter sind in den vergangenen zehn Jahren deutlich langsamer gestiegen als im Rest Europas. Grund dafür ist auch der steigende Anteil von Beschäftigten in prekären Jobverhältnissen.
Wiesbaden - Der Trend ist deutlich: Die Einkommenssituation deutscher Arbeitnehmer verschlechtert sich zunehmend im europäischen Vergleich. Das zeigen neue Zahlen des Statistischen Bundesamts, die die Lohnentwicklung in Deutschland mit den anderen Staaten innerhalb der Europäischen Union verglichen haben.
So sind die Bruttolöhne und -gehälter hierzulande in den vergangenen zehn Jahren um rund 22 Prozent gestiegen. Im EU-Schnitt stiegen die Einkommen um rund 37 Prozent. Deutschland bildet damit mit Abstand das Schlusslicht unter den untersuchten Ländern. Auch im direkten Vergleich mit den 15 anderen Euro-Partnern sieht die deutsche Entwicklung dürftig aus: Insgesamt stiegen die Einkommen in der Euro-Zone in der vergangenen Dekade um fast 31 Prozent.
Für das schlechte Abschneiden gibt es mehrere Gründe: Die Tarifabschlüsse in Deutschland sind in den vergangenen Jahren deutlich geringer ausgefallen als früher üblich. Daneben hat die Zahl sogenannter atypisch Beschäftigter massiv zugenommen, insbesondere die Zahl der Zeitarbeiter ist rasant gestiegen. Auch der Niedriglohnsektor ist gewachsen.
Die moderate Lohnentwicklung hat positive Effekte: Deutsche Produkte sind aufgrund der günstigen Arbeit billiger und dadurch weltweit konkurrenzfähiger geworden. Volkswirte sehen darin einen Grund für den derzeitigen Konjunkturaufschwung - aus dem Ausland wurde aber auch Kritik laut, deutsche Unternehmen hätten sich auf Kosten ihrer internationalen Wettbewerber saniert.
Rumänische Löhne legten um 485 Prozent zu
Neben den Einkommen erhöhten sich auch die Lohnnebenkosten im vergangenen Jahrzehnt in keinem anderen EU-Land so langsam wie in Deutschland. Während die Statistiker hierzulande ein Plus von 9,5 Prozent errechneten, ergab sich im EU-Durchschnitt ein Anstieg um 38,5 Prozent.
Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass in manchen EU-Ländern das Lohnniveau bislang sehr niedrig war - oder immer noch ist. Entsprechend groß ist der Nachholbedarf. So kletterten die Arbeitskosten insgesamt (Bruttolöhne und -gehälter plus Lohnnebenkosten) am meisten im vergleichsweise armen Rumänien - um sagenhafte 485 Prozent. Auch in Lettland (plus 207 Prozent), Estland (plus 153 Prozent) und Bulgarien (plus 138 Prozent) wurde Arbeit in den vergangenen zehn Jahren erheblich teurer.
yes/Reuters
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