Mehr Geld für öffentlichen Dienst Einigung im Tarifkonflikt zwischen Ver.di und Ländern

Um 2,1 Prozent sollen die Gehälter für Angestellte der Bundesländer steigen - rückwirkend ab März. 2016 gibt es noch mal 2,3 Prozent mehr Geld für den öffentlichen Dienst. Darauf einigten sich Gewerkschaften und Arbeitgeberverband.


Potsdam - Mehr Geld für rund 800.000 Angestellte der Länder: Am Ende der zehnstündigen Verhandlungen und nach vier Verhandlungsrunden zwischen Gewerkschaften und Tarifgemeinschaft der Länder (TdL) steht offenbar ein Kompromiss.

Rückwirkend zum 1. März sollen Angestellte der Länder in diesem Jahr 2,1 Prozent mehr Geld bekommen. Im kommenden Jahr soll es noch einmal 2,3 Prozent geben, mindestens aber 75 Euro. Das bestätigte der Verhandlungsführer des DBB-Beamtenbunds Willi Russ am Samstagabend in Potsdam.

Jens Bullerjahn, Vorsitzender der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL), sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" noch am Freitag: "Eine Einigung und anständige Tarifanhebungen sind möglich, allerdings nur, wenn wir uns auf ein Gesamtpaket verständigen. Es muss also auch Zugeständnisse der Gewerkschaften in der Frage der Betriebsrenten geben."

Bullerjahn forderte, die auf die Einlagen von Betriebsrenten gezahlten Garantiezinsen von durchschnittlich rund 4,7 Prozent abzusenken. "Sinkende Zinsen und steigende Lebenserwartung gehen auch an der betrieblichen Altersvorsorge im öffentlichen Dienst nicht vorbei", sagte Bullerjahn. Der Finanzminister von Sachsen-Anhalt warnte: "Wenn in der Altersvorsorge alle Leistungen und Beiträge so bleiben wie bisher, werden wir im Jahr 2030 eine Finanzierungslücke von 20 Milliarden Euro haben. Jetzt geht es darum, die VBL zukunftsfest zu machen."

Bei der jetzt erzielten Einigung gebe es bei der betrieblichen Altersversorgung keine Eingriffe ins Leistungsrecht, betonte Verdi-Chef Frank Bsirske. Allerdings wurden geringe Zusatzbeiträge in drei Schritten vereinbart. Bei der Frage der tariflichen Eingruppierung der rund 200 000 angestellten Lehrer gab es kein Ergebnis.

Die Gewerkschaften hatten ursprünglich 5,5 Prozent mehr Gehalt für eine Laufzeit von 12 Monaten gefordert, mindestens jedoch 175 Euro im Monat. Ihren Forderungen hatten sie zuletzt mit Warnstreiks in zahlreichen Bundesländern Nachdruck verliehen, bei denen nach Verdi-Angaben allein in dieser Woche insgesamt 80 000 Menschen teilnahmen - zuletzt hatten sich beide Seiten aber kompromissbereit gezeigt.

Noch fehlt jedoch eine entscheidende Zustimmung: Die Bundestarifkommission von Ver.di muss dem Kompromiss noch ihr Okay geben.

eth/dpa/AFP



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insgesamt 73 Beiträge
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iasi 28.03.2015
1. schwache Gewerkschaft = schwaches Ergebnis
und wo´s wie bei den Lehrern knifflig wird, da erspart man sich eben einfach ein Ergebnis. Die Gewerkschaften müssen sich wahrlich nicht über ihren schleichenden Machtverlust wundern, wenn sie mit solch faden Ergebnissen Jahr für Jahr ihre Mitglieder vergraulen.
"Armenhaus" 28.03.2015
2. Steigende Lebenserwartung ??!
Warum liest man in solchen Beiträgen immer von steigenden Lebenserwartungen ??! In Deutschland ?! Wo bitte wird jemand ( ja auch wenn man im ÖD arbeite!) bei (nach) rund 43 Arbeitsjahren durchschittl. älter als 77 Jahre .- Die steigende Lebenserwartung trifft nur auf höhere Beamte, Staatsbedienstete oder dt. Politiker zu.- Bullshit der Arbeitergeberverbände und unserer immerquäkenden "Gutmenschen" ..- uns gehts ja allen so gut, ..soooooooooooooguuuuutttthhhh.. -Schrecklich!!
denizdinler 29.03.2015
3. super verhandelt
Von ursprünglich 5,5% auf 2,1%. Das ist ja mal super verhandelt. Welche Daseinsberechtigung haben eigentlich diese Gewerkschaften die 1% vom Bruttolohn kassieren???
Treehorn 29.03.2015
4. Verarsche
Als angestellter Lehrer fällt es mir immer schwerer, den Sinn in einer Mitgliedschaft in der GEW zu sehen. Wir werden regelmäßig als Streikvieh missbraucht, der Spruch "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" klingelt mir immer noch in den Ohren. Von Eingruppierung weit und breit keine Spur. Dafür soll aber der "Erfolg" nun so schnell wie möglich auch an die verbeamteten Kollegen weitergegeben werden. Will man so gegen die Zweiklassengesellschaft angehen? Diese Ergebnisse nun auch noch als Erfolg zu verkaufen zu wollen, ist einfach nur erbärmlich. Bin maßlos enttäuscht. Die tollen Reden beim nächsten Mal sollte man sich seitens der GEW sparen. Die machen sich doch nur noch lächerlich!
spitzaufknoof 29.03.2015
5. Auf den ersten Blick
ein guter Kompromiss. Tatsächlich insgesamt aber ein schlappes Ergebnis für Verdi nach dem Tam Tam der letzten Wochen und Monate. Ich frage mich warum man für dieses Ergebnis vier Verhandlungsrunden und jede Menge Warnstreiks gebraucht hat.
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