Verluste durch Ehec EU entschädigt Bauern mit bis zu 150 Millionen Euro

Euopas Landwirte dürften erleichtert sein: Die EU will ihnen eine millionenschwere Entschädigung für ihre Verkaufsausfälle zahlen. Wegen der Ehec-Seuche wird derzeit kaum Gemüse gekauft - und massenweise Salat geschreddert.

Ehec-Keim unter dem Mikroskop: Seuche belastet Europas Bauern
DPA/ HZI/ Manfred Rohde

Ehec-Keim unter dem Mikroskop: Seuche belastet Europas Bauern


Luxemburg - Die EU handelt: Bauern, die durch die Ehec-Epidemie Verluste machen, sollen eine Entschädigung erhalten. "Wir werden einen Betrag von 150 Millionen Euro vorschlagen", sagte EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos am Dienstag in Luxemburg. Dort waren die Agrarminister der 27 EU-Staaten zusammen gekommen, um über die Folgen der Ehec-Krise zu beraten.

Die genaue Summe der Hilfen hänge von der Höhe der Verluste ab, die den Landwirten entstehen, fügte Ciolos hinzu. Zur Berechnung werde ein Zeitraum vom Beginn der Krise Ende Mai bis Ende Juni zugrunde gelegt. Überlegt wird offenbar, einen Fonds aus EU-Geldern einzurichten, um die betroffenen Bauern zu entschädigen. Die Mittel könnten an Erzeugerorganisationen ausgezahlt werden, die das Geld dann weiterleiten.

Zahlreiche europäische Gemüse-Bauern haben wegen der Warnungen vor dem Verzehr bestimmter Gemüsesorten schwere Einbußen hinnehmen müssen. Seit Ausbruch der Epidemie bleiben Gurken, Salate, Tomaten oder Sprossen in den Regalen liegen, abertausende Salate werden gleich nach der Ernte geschreddert.

Besonders Spanien fordert Hilfen für seine Landwirte, da deutsche Behörden in spanischen Gurkenlieferungen zeitweise den Ausgangspunkt des lebensgefährlichen Darmkeims vermutet hatten. Spanien beziffert die Verluste seiner Landwirte auf rund 225 Millionen Euro pro Woche und fordert eine hundertprozentige Entschädigung. Ansonsten behalte sich die Regierung in Madrid vor, rechtlich für die Ansprüche der spanischen Gemüsebauern zu kämpfen, hatte die spanische Landwirtschaftsministerin Rosa Aguilar im Vorfeld des Treffens gedroht. Madrid hatte auch Entschädigungen von Deutschland gefordert.

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) stellte in Luxemburg klar, es gehe um Entschädigungen "von EU-Seite". Die Ehec-Krise sei "ein europäisches Problem", das von Vertretern aller 27 EU-Länder beraten werde.

Die Suche nach dem Erreger gestaltet sich nach Angaben des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums nach wie vor schwierig, da seit dem vermuteten ersten Bakterienbefall bereits mehrere Wochen vergangen sind. Die Behörden hatten deshalb Erwartungen gedämpft, dass bei den Tests Erreger gefunden werden könnten.

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ssu/AFP



insgesamt 19 Beiträge
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MikeNaeheHamburg 07.06.2011
1. Hmmm ...
Das ist mehr, als wenn die Bauern ihr Obst und Gemüse an die Discounter verkauft bekommen hätten ... Die Bauernlobby funktioniert immer noch sehr gut.
sagmalwasdazu 07.06.2011
2. Völliger Blödsinn ! !
Die Verursacher bekommen also eine "Ausfallentschädigung" ? Wo bleibt da die Gerechtigkeit gegenüber Einzelhandel , Gastronomie , Imbißstuben usw. ? Haben die denn kein Verdienstausfall ?? Was ist mit den Erkrankten ? Den Mehrkosten der Krankenhäuser ,Krankenversicherungen , Verdienstausfälle der Firmen , deren Mitarbeiter erkrankten ?? Der Verursacher sollte lieber seine Konzepte ändern als lautstark nach Solidarentschädigung rufen !!
offspring 07.06.2011
3. Wir haben´s ja...
Und bestimmt bekommt der EU-Bauer noch ein paar Extra-Euros für kaputt gegangenen Dünger, leere Lagerhallen, Entsorgung des Corpus delicti etc.
the_german_observer 07.06.2011
4. welche Verursacher?
Zitat von sagmalwasdazuDie Verursacher bekommen also eine "Ausfallentschädigung" ? Wo bleibt da die Gerechtigkeit gegenüber Einzelhandel , Gastronomie , Imbißstuben usw. ? Haben die denn kein Verdienstausfall ?? Was ist mit den Erkrankten ? Den Mehrkosten der Krankenhäuser ,Krankenversicherungen , Verdienstausfälle der Firmen , deren Mitarbeiter erkrankten ?? Der Verursacher sollte lieber seine Konzepte ändern als lautstark nach Solidarentschädigung rufen !!
Wollen Sie mal dem geschätzten Publikum erklären, wen Sie mit "Verursacher" meinen? Nach meinem letzten Kenntnisstand ist das nach wie vor nicht einwandfrei erwiesen. Oder wollen Sie die EHEC-Bakterien vor den Kadi zerren?
old_spice 07.06.2011
5. Gammelgemüsebauern
die Gammelfleischhändler wurden bestraft und die Gammelgemüsehändler werden entschädigt ? So sieht also europäische Gerechtigkeit aus ? Zumindest spanische Waren sollten dann aus den Regalen verschwinden oder gratis angeboten werden. Wenn bereits 100% entschädigt wurde sollte daran nichts mehr verdient werden dürfen. Ich vermisse bei den lauthals nach Entschädigung schreienden ein kleines bißchen Schuldbewusstsein oder zumindest Mitleid mit 1500 Toten und Schwerstkranken. Oder haben die in Spanien 2 Betriebe dichtgemacht, obwohl dart absolut nichts zu finden war ? Dann sollten aber auch die spanischen Behörden mal überprüft werden.
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