Studie: Vermögen deutscher Haushalte kleiner als in Euro-Krisenländern

Bundesbank in Frankfurt am Main: Mittleres Vermögen beträgt 51.400 Euro Zur Großansicht
Deutsche Bundesbank

Bundesbank in Frankfurt am Main: Mittleres Vermögen beträgt 51.400 Euro

Es ist ein verblüffendes Ergebnis: Laut Bundesbank haben deutsche Privathaushalte im Schnitt deutlich weniger Vermögen als jene in Spanien und Italien. Ein Grund: Weniger als die Hälfte der Haushalte ist Eigentümer einer Immobilie.

Frankfurt am Main - Die Vermögen der Privathaushalte in Deutschland sind deutlich kleiner als in Euro-Krisenländern wie Spanien oder Italien. Das hat eine Studie der Bundesbank ergeben. Das mittlere Vermögen deutscher Haushalte belaufe sich auf rund 51.400 Euro netto, teilte die Bundesbank am Donnerstag mit. In Italien betrage das Haushaltsvermögen rund 163.900 Euro, in Spanien rund 178.300 Euro.

In Frankreich belaufe sich das Vermögen der Haushalte im Mittel auf 113.500 Euro, hieß es weiter. Der für Österreich ermittelte Wert liege mit 76.400 Euro näher am deutschen Niveau. In Deutschland selbst falle das mittlere Vermögen im Osten mit 21.400 Euro deutlich geringer aus als im Westen mit 78.900 Euro je Haushalt.

Die Bundesbank befragte für die repräsentative Untersuchung knapp 3600 Haushalte in Deutschland zwischen September 2010 und Juli 2011. Der Erhebungszeitraum fiel damit in die Anfänge der Euro-Krise. In den anderen Euro-Ländern erfolgten ähnliche Befragungen.

Die Bundesbank berechnete für die Untersuchung die mittleren Vermögen der Haushalte mit dem sogenannten Median. Dabei handelt es sich zwar um einen Mittelwert, der aber auf andere Weise ermittelt wird als der herkömmliche Durchschnittswert, das arithmetische Mittel. Der Median wird dadurch weniger stark durch Ausreißerwerte nach oben und unten verzerrt. Besonders reiche oder arme Haushalte fallen also weniger ins Gewicht.

Zur Berechnung des Medians wurde eine repräsentative Auswahl der 40 Millionen Haushalte in Deutschland in einer Reihenfolge nach aufsteigendem Vermögen aufgereiht und die Gesamtzahl der Haushalte dann in zwei Hälften geteilt: Auf der einen Seite liegen die Haushalte mit einem Vermögen über dem Mittelwert, auf der anderen Seite Haushalte mit einem geringeren Vermögen.

Durchschnittsvermögen liegt bei 195.000 Euro

Für das im Vergleich mit anderen Euro-Ländern geringere mittlere Vermögen der Haushalte in Deutschland gibt es nach Angaben der Bundesbank eine Reihe von Gründen:

  • Nicht alle Vermögensansprüche der Haushalte seien erfasst, wie etwa gegenüber der gesetzlichen Sozialversicherung. Damit aber würden für viele Haushalte "die meisten der Lebensrisiken und Grundbedürfnisse zumindest prinzipiell" abgedeckt. Beispiele hierfür seien die gesetzliche Vorsorge für Alter, Arbeitslosigkeit oder Krankheit. Aber auch staatlich finanzierte Bildung an Schulen und Hochschulen falle darunter.
  • Das mittlere Vermögen in Deutschland werde immer noch durch die Wiedervereinigung gedrückt.

  • Die Neigung der Deutschen, Immobilien zu kaufen, sei vergleichsweise gering.

Auch bei Berechnung des Vermögens der Haushalte über den herkömmlichen Durchschnittswert liegen die Deutschen hinter anderen Euro-Staaten zurück, wie aus der Untersuchung der Bundesbank hervorgeht. Bei spanischen Haushalten liege das durchschnittliche Vermögen bei 285.800 Euro netto, in Österreich bei 265.000 Euro und in Frankreich bei 229.300 Euro. In Deutschland belaufe sich der Wert auf 195.200 Euro - liegt aber im Westen mit 230.240 Euro in etwa auf dem Niveau von Frankreich. Für Italien liegt demnach kein Durchschnittwert vor.

cte/AFP

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insgesamt 533 Beiträge
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1. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern
Meckermann 21.03.2013
Zitat von sysopDeutsche Bundesbank Es ist ein verblüffendes Ergebnis: Laut Bundesbank haben deutsche Privathaushalte im Schnitt deutlich weniger Vermögen als jene in Spanien und Italien. Ein Grund: Weniger als die Hälfte der Haushalte ist Eigentümer einer Immobilie. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/vermoegen-deutscher-haushalte-kleiner-als-in-euro-krisenlaendern-a-890247.html
Wieso verblüffend? Dass die Südeuropäer sich seit Jahren auf Kosten Deutschlands bereichern ist doch allgemein bekannt. Aber wie sagt man bei der FDP: sinkende Löhne sind ein Zeichen struktureller Verbesserung.
2. Unfassbar
B.Lebowski 21.03.2013
Es ist unfassbar.. nicht dass wir so wenig Vermögen haben im vergleich zu den armen und hilfsbedürftigen Mittelmeerstaaten, sondern dass das jetzt auch noch versucht wird herunterzuspielen oder zu erklären. Da gibt es nichts zu erklären, denn die Parameter sind überall gleich. Und selbst wenn der ehemalige Osten Deutschlands den Durchschnitt nicht nach unzten ziehen würde, wäre der Westen alleine immer noch wesentlich ärmer als die Euro Nutznießer. Es ist genau diese himmelschreiende Ungerechtigkeit in der Euro Zone, die an den Politikern im Namen der Gerechtigkeit vorbei geht. Es reicht !
3. Vermögensaufbau nicht möglich
robin-masters 21.03.2013
zumindest in Ost-Deutschland. Dank Minijobs und Zeit- und Leiharbeit. Die keine Lust mehr darauf hatten sind nach Süd-Deutschland gegangen. So wird Ost-Deutschland den Durchschnitt weiter drücken sry... muss Bayern wohl doch aus dem Bund austreten.
4. Krise
Hilfskraft 21.03.2013
so bekommt das Wort "Krise" eine ganz neue Bedeutung. Wurde Frau Merkel diese Studie bereits vorgelegt?
5.
inci2 21.03.2013
Zitat von sysopDeutsche Bundesbank Es ist ein verblüffendes Ergebnis: Laut Bundesbank haben deutsche Privathaushalte im Schnitt deutlich weniger Vermögen als jene in Spanien und Italien. Ein Grund: Weniger als die Hälfte der Haushalte ist Eigentümer einer Immobilie. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/vermoegen-deutscher-haushalte-kleiner-als-in-euro-krisenlaendern-a-890247.html
Das ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Während in den letzten 10, 11Jahren ist ein Deutschland zu einem rasantem Abschmelzen von Vermögen und der Schaffung des größten Niedrigsektors innerhalb der EU gekommen. Was nämlich bei H4 immer wieder gerne ausgeblendet wird, das wird erst gezahlt, wenn man nichts mehr hat. Auch das formal zugestandene Schonvermögen wird in der Regel nicht berücksichtigt und ein Großteil der H4-ler bekommen erst dann was, wenn sie tatsächlich so arm wie eine Kirchenmaus sind. So kann man natürlich kein Vermögen aufbauen.
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