Verpflichtung zu Schuldenabbau USA beugen sich Druck der Finanzmärkte

Diplomaten sprechen von einem ungewöhnlichen Zugeständnis: Die USA wollen ihren Partnern auf dem G-8-Gipfel schriftlich zusichern, ihren Haushalt zu konsolidieren. Hintergrund der Beteuerungen dürften Sorgen um die Kreditwürdigkeit der größten Wirtschaftsmacht der Welt sein.

US-Präsident Obama auf G-8-Gipfel: "Klarer und glaubwürdiger Rahmen"
AFP

US-Präsident Obama auf G-8-Gipfel: "Klarer und glaubwürdiger Rahmen"


Deauville - Die Zahlen sind schwindelerregend: Allein in diesem Jahr müssen sich die USA 1,65 Billionen Dollar für ihren Haushalt leihen. Insgesamt haben sie bereits einen Schuldenberg von 14,2 Billionen Dollar angehäuft. Auf dem G-8-Gipfel, der am Donnerstag im französischen Deauville beginnt, wollen die USA ihren Partnern nun eine neue Sparpolitik zusichern - und zwar schriftlich. "Die Vereinigten Staaten werden einen klaren und glaubwürdigen Rahmen zur mittelfristigen Haushaltskonsolidierung schaffen", heißt es im Entwurf für die Gipfel-Abschlusserklärung.

So stark der Handlungsdruck auf die USA angesichts der gewaltigen Schulden ist und so vage die Formulierung auch wirkt: Diplomaten sprechen am Rande des Spitzentreffens von einem ungewöhnlichen Zugeständnis. Seit langem drängen die internationalen Partner die Regierung in Washington, das Schuldenproblem in den Griff zu bekommen.

Hintergrund für das öffentlichkeitswirksame Zeichen der USA könnten auch die jüngst aufgekommenen Sorgen um die Kreditwürdigkeit des Landes sein: Im April hatte die Rating-Agentur Standard & Poor's den Ausblick für die langfristige Beurteilung der größten Wirtschaftsmacht der Welt von "stabil" auf "negativ" abgesenkt. Allerdings kündigte sie zugleich an, sie wolle die Bonität der USA vorerst weiter mit der Bestnote "AAA" bewerten.

Zahlungsunfähigkeit der weltgrößten Wirtschaftsmacht droht

Bis spätestens Juli muss der Kongress zudem die gesetzliche Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar anheben, damit die USA zahlungsfähig bleiben. Die Verabschiedung eines entsprechenden Gesetzes im Kongress ist wegen des Parteienstreits über den Sparkurs noch nicht sicher.

Der Entwurf der G-8-Abschlusserklärung mitsamt der amerikanischen Selbstverpflichtung kann allerdings noch bis zum Ende des Treffens geändert werden. Die Staats- und Regierungschefs debattierten am Donnerstag im französischen Seebad Deauville über die öffentlichen Finanzen in Europa und in den USA.

Laut Ökonomen dürfte das Defizit der USA im laufenden Jahr 9,1 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen. Für die Euro-Zone wird im Schnitt ein Minus von 4,3 Prozent erwartet. In der EU gibt es die Regel, dass Defizite nicht die Marke von drei Prozent überschreiten dürften - viele Länder liegen jedoch darüber.

fdi/dpa



insgesamt 51 Beiträge
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Seite 1
wolfrich 26.05.2011
1. Schuldenabbau?
Die USA haben keine Möglichkeit ihre Schulden abzuzahlen. Es sei denn, sie geraten irgendwie in die Lage, ihr gesamtes BIP der nächsten 10 Jahre dafür einzusetzen. Was natürlich unmöglich ist. Die Parameter nach denen man die "Kraft einer Wirtschaftsmacht" beurteilt, sind ohnehin völlig verdreht. Wo kein Kunde ist, dort gibts auch keine Einnahmen. Wo kein Produkt ist, gibt es auch keinen Kunden. Die USA sind längst keine Wirtschaftsmacht mehr. Ihre Produktionskapazität liegt heute bei 1% dessen, womit sie in den 1960 Jahren angeben konnten. Die "Wirtschaftsleistung" der USA ist in Luftgeschäften und großteils entbehrlichen Dienstleistungen begründet. Offshoring ist nur auf den ersten Blick vorteilhaft. Und auch nur für den handelsüblichen Ökonomen, dem sich das Feld wirtschaftlicher Zusammenhänge nur in Quartalszeiträumen erschließt und für den Lieferanten und Kunden zweierlei Dinge sind.
wika 26.05.2011
2. Der Weihnachtsmann hat in seinen Beutel blicken lassen…
…und schöne Versprechungen gemacht. Und wie die Kinder sollten selbstverständlich die G-8'teten daran glauben und es ihren Schutzbefohlenen in den einzelnen Landen verkündigen. Nur stehen soviel reale Gegebenheiten dagegen, dass der Schuldenjunkie USA dieses ehrenhafte Versprechen wird umsetzen können. Am Ende wird doch wieder „Heli Ben“ losfliegen müssen um den *„Greenspam“* … Link (http://qpress.de/2010/08/11/was-hat-greenspam-mit-dollar-zu-tun/) zu verteilen. Lieber SPON-Redaktion, liebe Leser, wischen sie sich den Sand nicht zu heftig aus den Augen, denn so was ist schmerzhaft. Das geht am Ende mit der kalten Dusche am Besten, nur die kündigt man den Kindern ja nicht an.
Berliner-030 26.05.2011
3. ...
Ich komme aus dem Kopfschtütteln nicht mehr heraus. Es wird den Partnern "schriftlich" zugesichert? Was soll das denn, bei Zahlungsunfähigkeit, bringen? Was nützt einem Kreditgeber wenn der Nehmer "schriftlich" verspricht das Geld zurück zu zahlen aber dieser dann irgendwann pleite ist? Wenn das alles nicht so traurig wäre, müsste man einfach nur noch lachen.
t.o`malley 26.05.2011
4. Ihren Humor haben sie behalten
Zitat von sysopDiplomaten sprechen von einem ungewöhnlichen Zugeständnis: Die USA wollen ihren Partnern auf dem G-8-Gipfel schriftlich zusichern, ihren Haushalt zu konsolidieren. Hintergrund der Beteuerungen dürften Sorgen um die Kreditwürdigkeit der größten Wirtschaftsmacht der Welt sein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,765136,00.html
Was für ein fadenscheiniger, unglaublich hilflos anmutender Versuch, die Anleger ein letztes mal zu täuschen. Wirklich jeder hat verstanden und erfasst, daß die unfassbar hohe Verschuldung der maßgebenden Nationen Bereiche erreicht hat, die eine Umkehr unmöglich machen. Gerade die USA leiden zudem unter einer lahmenden Wirtschaft und werden von den etablierten und aufstrebenden Wirtschaftsmächten immer rasanter ins Abseits gedrückt. Der Stern der USA ist untergegangen, wir erleben gerade sein Verlöschen.
Progressor 26.05.2011
5. Vorschlag
Der IWF soll einen festen Wechselkurs des Dollars zu anderen Währungen verbindlich festlegen und zwar in einer Höhe die zum Ausgleich der US-Aussenhandelsbilanz führt. Die schriftliche Verpflichtung der USA zum Schuldenabbau ist Kasperletheater.
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