London - Nach der Aktivierung umstrittener Zwangsklauseln beim Schuldenschnitt in Griechenland werden die schwer berechenbaren Kreditausfallversicherungen fällig. Der Branchenverband ISDA ("International Swaps and Derivatives Association") stellte ein sogenanntes Kreditereignis fest, wie die Organisation am Freitagabend auf ihrer Website mitteilte. Mit diesem Begriff ist ein Zahlungsausfall gemeint, der die sogenannten Kreditausfallversicherungen auslöst - die "Credit Default Swaps" (CDS).
Mit diesen Papieren können sich Investoren dagegen absichern, dass sie ein Darlehen nicht zurückerhalten. Die Fälligkeit der Versicherungen für griechische Anleihen wird nach Einschätzung vieler Börsianer aber keine neuen Kursturbulenzen auslösen. "Das dürfte den Aktienmarkt nicht grundsätzlich stören, weil damit gerechnet wurde", sagte Commerzbank-Anlagestratege Markus Wallner.
Die ISDA begründete ihre Entscheidung damit, dass die Regierung in Athen trotz einer hohen freiwilligen Beteiligungsquote alle Halter von Anleihen nach griechischem Recht zum Forderungsverzicht zwingen wolle. Zu diesem Zweck hatte Griechenland vorsorglich bereits ein Gesetz verabschiedet, das die Möglichkeit eröffnet, alte Anleihen rückwirkend mit Zwangsklauseln auszustatten, den "Collective Action Clauses" (CAC).
"Das Problem ist, niemand weiß, wer diese CDS hat"
Unterm Strich könnten voraussichtlich CDS im Wert von 2,6 Milliarden Euro fällig werden. Das ist zu wenig, um ernsthaft die Stabilität des Finanzsystems zu gefährden. Dennoch warnen Experten vor möglichen Folgen. So sagte der Chef der staatlichen Förderbank KfW, Ulrich Schröder, einzelne Banken hätten sich zu stark in den CDS engagiert und könnten mit ihrer Fälligkeit "überfordert" sein. "Das Problem ist, dass niemand weiß, wer diese CDS hat." Deshalb bleibt unklar, welche Folgen die ISDA-Entscheidung nun tatsächlich hat.
Die Entscheidung der in London ansässigen ISDA ist von großer Bedeutung, weil die Kreditausfallversicherungen während der letzten großen Finanzkrise eine entscheidende Rolle gespielt haben. Nachdem CDS-Titel bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 zu einem kolossalen Dominoeffekt und zur Beinah-Pleite des großen US-Versicherers AIG geführt hatten, sind ihre Auswirkungen gefürchtet.
Bei den Plänen zur griechischen Umschuldung war bisher alles daran gesetzt worden, dass Kreditausfallversicherungen nicht fällig werden. Profitieren könnten nun vor allem Hedge-Fonds, die damit auf die Aktivierung der Klauseln gewettet hatten. Dieses Vorgehen stieß in der Politik auf heftige Kritik - auch deshalb, weil sich Spekulanten mit den CDS gegen einen Ausfall von Anleihen versichern können, die sie nicht einmal selbst besitzen.
vks/bos/dpa/Reuters
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