Hamburg - Der Vertrauensverlust in den Euro
bereitet
Axel Weber große Sorge: Die Investoren hätten ihr Geld im Vertrauen auf die Stabilität der Staatsfinanzen im Euro-Raum angelegt. "Jetzt zweifeln sie daran, dass Europa diese Stabilität noch besitzt", sagte der frühere Bundesbank-Präsident in der "Zeit". "Manche fragen sich sogar, ob Europa noch zu dieser Währung steht."
Nur ein neuer Integrationsschub kann nach Webers Einschätzung das Vertrauensproblem lösen. "Europa kann sich einen Rückschritt nicht leisten. Wir brauchen eine engere Abstimmung in der Finanzpolitik, mehr Eingriffsrechte in nationale Staatsetats und ein klares Bekenntnis zur Konsolidierung." Auch die Rettungsschirme seien wichtig, um das Vertrauen der Anleger zu gewinnen. "Ich habe die Hilfen für Griechenland seinerzeit im Bundestag als vertretbar bezeichnet. Dazu stehe ich nach wie vor."
Einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion hält Weber anders als viele Wirtschaftsexperten nicht für zwingend. "Ich glaube, dass - den politischen Willen vorausgesetzt - der Euro als Währung aller Staaten, die ihn jetzt eingeführt haben, eine Zukunft hat", sagte Weber der Zeitung. Es gebe Schwellenländer, die in den achtziger Jahren in einer noch schlimmeren Lage gewesen seien. "Sie haben massive Konsolidierungsmaßnahmen auf den Weg gebracht und innerhalb von wenigen Jahren das Vertrauen der Kapitalmärkte wieder gefunden."
"Hochpolitische Fragen darf man nicht Technokraten überlassen"
Seinem Nachfolger Jens Weidmann stärkte Weber im Streit über die Euro-Rettung den Rücken. "Die Bundesbank steht für Stabilität und Langfristorientierung ein, und das ist richtig so", sagte er. Weidmann hatte im Rat der Notenbank gegen den umstrittenen Kauf von Anleihen aus den Euro-Krisenländern gestimmt und sich dagegen ausgesprochen, das Volumen des Rettungsfonds EFSF mit Hilfe von Zentralbankgeld zu erhöhen.
Weber kritisierte, dass die Zentralbanken zunehmend finanzpolitische Aufgaben übernähmen, für die sie keine Legitimation hätten. "Wir sprechen hier über hochpolitische Fragen, die man nicht einem Gremium von - in diesem Fall absolut wertfrei gesprochen - Technokraten überlassen darf, wie es die Zentralbanken sind und erklärtermaßen sein sollen. Das Privileg, unabhängig zu sein, bringt die Verpflichtung mit sich, sich auf seine Kernaufgabe zu konzentrieren."
Weber war am 30. April 2011 als Bundesbankchef zurückgetreten. Bis dahin hatte er als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gegolten, mit dem er sich in der Frage der Staatsanleihenankäufe der EZB überworfen hatte.
kra/dapd
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