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Datenreport 2013: Arme Deutsche sterben früher

Datenreport: Deutschland, deine Zahlen Fotos
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Das deutsche Jobwunder geht an vielen Menschen vorbei. Laut dem neuen Datenreport sind mehr Menschen von Armut bedroht als 2007. Das habe gravierende Folgen, sagen die Statistiker. So sei die Lebenserwartung von Geringverdienern deutlich niedriger.

Hamburg/Berlin - Insgesamt 432 Seiten umfasst das Werk, das die Autoren als "Sozialatlas über die Lebensverhältnisse in Deutschland" beschreiben. Der Datenreport 2013 wurde am Dienstag in Berlin vorgestellt. Ein wesentliches Ergebnis: In Deutschland gibt es so viele Erwerbstätige wie nie, aber auch immer mehr Verlierer des Aufschwungs. So seien trotz des Jobbooms mehr Menschen von Armut bedroht und mehr Menschen dauerhaft arm.

Mit 41,5 Millionen Erwerbstätigen hatten 2012 so viele Bürger Arbeit wie noch nie. Das Arbeitsvolumen war aber dem Report zufolge niedriger als vor 20 Jahren. Die Zahl der Stunden, die Erwerbstätige im Durchschnitt arbeiten, habe in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich abgenommen. Ein Grund sei, dass immer mehr Menschen Teilzeitjobs haben.

Als arm galt 2011, wer weniger als 980 Euro im Monat zur Verfügung hatte. Der Anteil der armutsgefährdeten Personen stieg seit 2007 von 15,2 auf 16,1 Prozent. Besonders bei den 55- bis 64-Jährigen habe sich das Armutsrisiko verschärft. So stieg in dieser Altersgruppe der Anteil um fast drei Prozentpunkte auf 20,5 Prozent an. Zugleich habe die dauerhafte Armut zugenommen. Von den gefährdeten Personen seien 40 Prozent bereits in den vergangenen fünf Jahren arm gewesen. Zur Jahrtausendwende lag dieser Anteil noch bei 27 Prozent.

Elf Jahre Unterschied bei der Lebenserwartung

Die Sozialforscher beschreiben auch, welche Folgen Armut für den Gesundheitszustand hat. So hätten arme Männer und Frauen ein 2,7- beziehungsweise ein 2,4-fach erhöhtes Sterberisiko. Die mittlere Lebenserwartung von Männern der unteren Einkommensgruppe liege fast elf Jahre unter jener von Top-Verdienern. Bei Frauen betrage die Differenz rund acht Jahre.

"Überspitzt könnte man die Befunde treffend so charakterisieren: Arme sterben früher", sagte Roland Habich vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB).

Herausgegeben hat den Datenreport das WZB gemeinsam mit dem Statistischen Bundesamt, der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Sozio-oekonomischen Panel am DIW. Die wichtigsten Ergebnisse finden Sie in unserer Grafikstrecke.

cte

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1.
zynik 26.11.2013
Zitat von sysopREUTERSDas deutsche Jobwunder geht an vielen Menschen vorbei. Laut dem neuen Datenreport sind mehr Menschen von Armut bedroht als 2007. Das habe gravierende Folgen, sagen die Statistiker. So sei die Lebenserwartung von Geringverdienern deutlich niedriger. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/viele-deutsche-profitieren-nicht-vom-job-boom-a-935515.html
Sie meinen das "deutsche Jobwunder" aus der Abteilung Agitprop? Tja, seltsam, seltsam. Wobei das kostengünstige und frühzeitige Ableben ärmerer Bevölkerungsgruppen düfte ganz im Sinne unserer ökonomisch-ideologischen Führung sein.
2. Eigenartig
fruchtfit 26.11.2013
Ich dachte wir hätten einen Fachkräftemangel, Leute würden geradezu händeringend gesucht und alles wäre so supi hier in Schland? Da müssten doch Löhne und Gehälter geradezu explodieren angesichts der immer knapper werdenden Arbeitskräfte. Ein unverschämter Flegel, wer angesichts dieser traumhaften Zustände aufmuckt!
3. Na perfekt!
CyberDyne 26.11.2013
Zitat von sysopREUTERSDas deutsche Jobwunder geht an vielen Menschen vorbei. Laut dem neuen Datenreport sind mehr Menschen von Armut bedroht als 2007. Das habe gravierende Folgen, sagen die Statistiker. So sei die Lebenserwartung von Geringverdienern deutlich niedriger. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/viele-deutsche-profitieren-nicht-vom-job-boom-a-935515.html
Ein später Trost für die FDP! Deren Politik zeigt Wirkung! Lasst sie (uns) verarmen und das Gesundheitssystem, die Pflege gleich noch mit (natürlich nur für die 'Armen') und alles erledigt sich von allein! Der Markt regelt sich selber!
4. optional
Marib 26.11.2013
Gestern der Bericht über die Ausbeutung der Azubis, heute der Bericht über Armut und Sterblichkeit. Dachte das wäre eigentlich offen bekannt. Mit unter 10€ pro Stunde lässt es sich in Deutschland eben überwiegend nicht so gut leben. Bzw. überhaupt Leben. Ohne die Möglichkeit ein finanzielles Polster aufzubauen kommt jede unverhoffte Rechnung einer Katastrophe nahe. Die Unterstützung die Geringverdiener dabei vom Staat bekommen sind nicht wirklich erwähnenswert. Jobwechsel, Umzug, Neuanfang? Viel Spaß wenn man das auf Grund der Schulden kaum hinbekommt.
5. Gibt es
Walther Kempinski 26.11.2013
Zitat von zynikSie meinen das "deutsche Jobwunder" aus der Abteilung Agitprop? Tja, seltsam, seltsam. Wobei das kostengünstige und frühzeitige Ableben ärmerer Bevölkerungsgruppen düfte ganz im Sinne unserer ökonomisch-ideologischen Führung sein.
Es gibt das Jobwunder. Ich denke das wird jeder in seinem Umfeld schon mitbekommen haben. Wen das wundert der hat entweder gar nix gelernt oder will nicht arbeiten. Noch nie zuvor war es so einfach an einen Job zu kommen. Dies gilt jedenfalls für Süddeutschland zu 100%. Wie es in Brennpunkten im Osten oder Norden aussieht weiß ich nicht. Aber es hilft nicht, das Jobwunder für Propaganda zu erklären. Meiner Meinung nach sterben Geringverdiener nicht deshalb, weil sie zu wenig verdienen, sondern weil sie härter arbeiten müssen als die Chefs, die ihre Arbeit mit sinnlosen Meetings vertrödeln. Es gibt viele gestresste Leute, es gibt auch ein ganzes Heer Gutverdienender, welches im Prinzip gar nicht arbeitet und wenn dann relativ entspannt.
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