Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Von Bankenunion bis Griechen-Exit: Vier Wege aus der Euro-Krise

Von und

Spanien bekommt seine Bankenkrise nicht in den Griff, europaweit wachsen die Schulden, die Aktienkurse sacken ab. Laut US-Großinvestor Soros bleiben für die Euro-Rettung nur noch drei Monate Zeit - danach drohe eine Katastrophe. Aber welchen Ausweg gibt es? Vier konkrete Lösungen.

Europaparlament in Straßburg: Nur noch drei Monaten für die Euro-Rettung? Zur Großansicht
AFP

Europaparlament in Straßburg: Nur noch drei Monaten für die Euro-Rettung?

Hamburg - Es waren einige trügerische Wochen der Ruhe für den Euro. Doch jetzt häufen sich wieder die Alarmsignale: Spanien entdeckt bei seinen Banken immer größere Milliardenlöcher, der Finanzminister in Madrid warnt: Das Land habe de facto keinen Zugang mehr zum Kapitalmarktmarkt. Weltweit schränken Geldhäuser ihre Kreditvergabe ein, Euro-Kurs und Börsenindizes sacken ab. Und nach den Neuwahlen in Griechenland Mitte Juni könnten die Reformgegner erstmals den Ministerpräsidenten stellen.

All das verunsichert Experten. Der US-Großinvestor George Soros sieht für die Rettung des Euro gar nur noch ein Zeitfenster von drei Monaten - sonst stürze die EU in ein "verlorenes Jahrzehnt", wie Südamerika in den achtziger Jahren. Es ist, als hätten sich alle daran erinnert, dass Europa immer noch in der Krise steckt.

Über die Lösungsmöglichkeiten wird derzeit gestritten. Ob die Europäische Union Euro-Bonds auflegt, eine starke europäische Bankenaufsicht schafft oder den Geldinstituten direkte Finanzhilfen aus dem künftigen Rettungsfonds ESM verschafft: In jedem Fall müssten die Euro-Länder einen Teil der Souveränität über ihre Haushalte abgeben. Ohne Deutschland, sagt Soros, werde aber keiner der Wege funktionieren. Die Investorenlegende fordert die Bundesregierung daher zum Handeln auf - und zwar bevor die deutsche Wirtschaft im Herbst wieder schwächer werde.

Die Einzelheiten sind noch unklar, doch hinter den Kulissen laufen offenbar schon die Vorbereitungen. Das "Wall Street Journal" ("WSJ") will bereits ausgemacht haben, dass die deutsche Ablehnung von Gemeinschaftsanleihen bröckelt: "Je mehr andere Mitgliedstaaten sich mit dieser Entwicklung beschäftigen und bereit dafür sind, Souveränitätsrechte für die stärkere Einbeziehung europäischer Institutionen abzugeben, desto mehr werden wir bereit sein, eine aktive Rolle in der Ausarbeitung von Dingen wie etwa einer Bankenunion einzunehmen", zitiert das "WSJ" einen hohen Regierungsbeamten. "Man kann das eine nicht ohne das andere haben." Auch über eine europäische Bankenunion ist die Bundesregierung nun zu Verhandlungen bereit.

Was aber passiert, wenn Griechenland wirklich den Euro verlässt oder wenn Spanien unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen muss? Hilft die Einführung von Euro-Bonds, und löst eine Bankenunion die Probleme auf den Finanzmärkten? Vier Szenarien im Überblick:

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 191 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Schluss mit dem Eiertanz
inqui 05.06.2012
Zitat von sysopAFPSpanien bekommt seine Bankenkrise nicht in den Griff, europaweit wachsen die Schulden, die Aktienkurse sacken ab. Laut US-Großinvestor Soros bleiben für die Euro-Rettung nur noch drei Monate Zeit - danach drohe eine Katastrophe. Aber welchen Ausweg gibt es? Vier konkrete Lösungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,836873,00.html
Euro-Bonds einführen. Merkel ziert sich noch wie eine Jungfrau doch bald wird sie dem Drängen nachgeben müssen. Hätte man auch direkt haben können.
2.
RogerRabit1962 05.06.2012
Zitat von sysopAFPSpanien bekommt seine Bankenkrise nicht in den Griff, europaweit wachsen die Schulden, die Aktienkurse sacken ab. Laut US-Großinvestor Soros bleiben für die Euro-Rettung nur noch drei Monate Zeit - danach drohe eine Katastrophe. Aber welchen Ausweg gibt es? Vier konkrete Lösungen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,836873,00.html
Die Trompeten der Anti Euro FTD Fraktion tröten lauter. Ein Absolvent der Sozialwissenschaften und ein Absolvent der "Angewandten Kulturwissenschaften" wollen uns die Finanzwelt erklären? Nach "gut unterrichteten Kreisen", Angaben von nichtgenannten Politikern usw usf. Niedlich. Für diejenigen, die wissen wollen was wirklich gespielt wird, und warum man immer genau das Gegenteil von den Empfehlungen der Presse, insbesondere der FTD tuen sollte: http://mises.org/books/tiger.pdf Alternativ kann man auch genau das Gegenteil von dem tuen, was Krugman in der NYT predigt. Auch damit lag man fast immer richtig. Und Soros und FIscher sitzen auch noch in dem Propagandaruderboot. Merkel bleibe standhaft, kann man da nur sagen und Sie nur immer wieder unterstützen.
3.
RogerRabit1962 05.06.2012
Zitat von inquiEuro-Bonds einführen. Merkel ziert sich noch wie eine Jungfrau doch bald wird sie dem Drängen nachgeben müssen. Hätte man auch direkt haben können.
Euro Bonds betreffen direkt unsere Investitionsstrategien. Man kann Euro Bonds haben. Aber mit von uns angepasster Kapitalstrategie. Nur stellt sich die Frage, was dann gewonnen ist?
4. Was ist der Unterschied zwischen den USA und Europa
chagall1985 05.06.2012
Die Usa sind wesentlich pleiterererer als Europa. Mehrere Einzelstaaten stehen seit mehr als 2 Jahren praktisch vor der Insolvenz. Die konnten schon nichtmal mehr Ihre Gehälter zahlen. Scheint aber keinen ernsthaft zu stören. Die FED kauft seit Jahren über 50% der Neuverschuldung der USA auf. Was Gleichbedeutend mit Gelddrucken zur Schuldentilgung ist. Stört auch keinen! Also wo bitte ist der Unterschied zur USA??? Das einzige was wir wohl machen müssen ist einfach Geld über die EZB drucken zu lassen um die Schulden zu bezahlen. Könnten wir uns doch beim starken Euro locker leisten. Im Grunde kurbeln wir damit sogar noch den Export an. Von den USA lernen heißt siegen lernen. So haben wir immerhin auch noch einige Jahre Party bis das System explodiert!!
5. Retten bis nichts mehr zu retten ist
fritzyoski 05.06.2012
In der Schuldenkrise wurde der "Point of no return" mit der Bankenrettung 2008 ueberschritten. Die FPIIGS gehen pleite, so oder so. Deutschland hat noch den Luxus sich auszusuchen ob es aus Solidaritaet mit den FPIIGS zusammen pleite gehen will oder sein Glueck alleine versuchen will. Das Geld was der Michel in Lebensversicherungen und Riester Renten eingezahlt hat ist schon verfruestueckt. Wenn D jetzt diese unseelige Schuldenunion verlaesst kostet es vielleicht 1 Billion Euro. Jeden Monat den D laenger bleibt kommen etwas 50 Milliarden dazu. Das Schuldgeldsystem ist am Ende. Die Realwirtschaft kann nicht mehr genug Geld erwirtschaften um die Zinsen zu decken und sich selbst am Leben zu erhalten. Der einzige Weg aus der Krise ist der Resetknopf. In den USA, GB und Japan sieht die Lage nicht viel besser aus. Wer schlau ist wandelt jetzt noch schnell Papiergeld in Sachwerte um. Die naechste Waehrungsreform kommt bestimmt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.

Fotostrecke
Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: