Abgasskandal Verschwundene VW-Regierungsakte wieder aufgetaucht

Die in der niedersächsischen Staatskanzlei verschwundene Handakte zum VW-Abgasskandal ist offenbar wieder aufgetaucht. Nach SPIEGEL-Informationen enthält sie E-Mails, handschriftliche Notizen und als "streng vertraulich" gekennzeichnete Papiere.

Niedersächsische Staatskanzlei in Hannover: VW-Akte wieder aufgetaucht
DPA

Niedersächsische Staatskanzlei in Hannover: VW-Akte wieder aufgetaucht


Am Freitag, den 9. Oktober, hatte der zuständige Referatsleiter die Akte laut der niedersächsischen Staatskanzlei zuletzt "bewusst gesehen". Am folgenden Montag war sie weg. Jetzt ist die Handakte zum jüngsten VW-Skandal offenbar wieder aufgetaucht.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 45/2015
Deutschland im Ausnahmezustand

Am 9. Oktober fand in Raum 1305 des Landtags eine Sitzung des Wirtschaftsausschusses zur VW-Abgasaffäre statt. Auch der für das Unternehmen zuständige Referatsleiter der Staatskanzlei nahm an der Besprechung teil.

In einem schwarzen Ledersessel neben der Garderobe habe anschließend ein herrenloser Ordner gelegen, berichteten mehrere Mitarbeiter der Fraktionen übereinstimmend. Auf dem Rücken der Akte hätten die Versalien VW gestanden. Später stellte sie jemand auf eine Ablage.

Der SPIEGEL konnte den Ordner, der inzwischen im Landtag kursiert, einsehen. Er enthält E-Mails der Sprecherin des Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD), handschriftliche Notizen und Arbeitspapiere zur VW-Affäre, die den Zusatz "streng vertraulich" tragen. Es ist offenkundig die vermisste Akte.

Weil hat bereits die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, die wegen des "Verdachts auf Diebstahl" ermittelt. Mitarbeiter der Staatskanzlei wurden befragt. Für Weil ist der Vorgang peinlich. "Wenn man schon seine eigene Akte nicht mehr wiederfindet, wie will man dann die Schuldigen und Beteiligten des VW-Skandals finden", lästert der FDP-Abgeordnete Jörg Bode. Von einer "Provinzposse" spricht Dirk Toepffer (CDU). Der Vorgang sei ein Beispiel dafür, "dass es der Landesregierung an Professionalität fehlt, einen Weltkonzern wie VW zu kontrollieren".

(Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Die neue Ausgabe finden Sie hier.)

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
steinbock8 31.10.2015
1. Die heißen Akten
Unbeaufsichtigt liegen zu lassen ist so Unprofessionel wie die ganze Politik jeder kleine privatmichel würde so etwas auf keinen Fall machen wer garantiert eigentlich dafür das sie jetzt noch komplett sind oder von interessiert Seite kopiert wurden
wanderer777 31.10.2015
2. Bananenrepublik
Leben wir mittlerweile in einer Bananenrepublik?? Ich möchte gar nicht wissen, welche brisanten Inhalte der Akte dadurch plötzlich "abhanden" gekommen sind. Völlig klar, warum das Ding zeitweise "verschwunden" ist.
icke_werner 31.10.2015
3. Na ja, wiedergefunden
Bemerkenswert ist doch, daß gerade brisante Unterlagen zufälligerweise liegen bleiben oder auf wundersame Weise verschwinden. Ich bezweifele, daß diese Akte nach dem Auftauchen noch vollständig ist. Aber so mancher Politiker hat sicherlich eine plausible Erklärung.
ex-optimist 31.10.2015
4. Noch vollständig?
Kann irgend jemand beurteilen, ob die Akte nach Wiederauffinden noch vollständig ist?
nivh, 31.10.2015
5.
also ihr hattet Einsicht aber schreibt nichts darüber? Oder finden sich diese Infos im neuen Heft? Ich versteh nicht ganz ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.