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Volkszählung: Statistiker zählen mehr Ehen in Deutschland

Menschen in der Innenstadt: Zensus zählt mehr Ehen, weniger Ledige Zur Großansicht
DPA

Menschen in der Innenstadt: Zensus zählt mehr Ehen, weniger Ledige

Das Statistische Bundesamt hat neue Daten über die deutsche Bevölkerung veröffentlicht. Ein überraschendes Ergebnis: Die Zahl der Verheirateten ist deutlich höher, die der Ledigen deutlich niedriger als erwartet. Erstmals haben die Statistiker auch die über 100-Jährigen gezählt.

Wiesbaden - Deutschland traut sich offenbar mehr als bisher bekannt: Das Statistische Bundesamt hat neue Zahlen aus der großen Volkszählung aus dem Jahr 2011 vorgelegt. Demnach ist der Anteil Zahl der Ledigen von geschätzten 42 Prozent auf gezählte 40 Prozent gesunken. Die Verheirateten dagegen stellten mit einem Anteil von fast 46 Prozent (knapp drei Prozentpunkte mehr als erwartet) die Mehrheit in Deutschland. Die Anteile der Verwitweten und der Geschiedenen liegen bei jeweils gut sieben Prozent. Erstmals weisen die Statistiker auch Zahlen zu eingetragenen Lebenspartnerschaften aus, in denen derzeit gut 68.000 Personen leben.

Nachdem das Statistische Bundesamt bereits im Mai 2013 veröffentlicht hatte, dass die Einwohnerzahl Deutschlands um rund 1,5 Millionen Einwohner niedriger liegt als berechnet, hat die Behörde jetzt die genauen Zahlen zur Altersstruktur vorgelegt. Insgesamt hat die Zählung zwar kaum etwas verändert, allerdings wurde zum ersten Mal erhoben, wie viele Menschen hundert Jahre oder älter sind. Insgesamt lebten demnach zum Stichtag am 9. Mai 2011 13.445 über 100-Jährige in Deutschland - davon 11.766 Frauen und nur 1679 Männer.

Zudem war der Anteil der 18- bis 45-Jährigen niedriger als aus der bisherigen Bevölkerungsfortschreibung. Damit hat sich auch das Verhältnis von Menschen im arbeitsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren zu den Jüngeren und Älteren verschoben. Auf 100 Personen im Erwerbsalter kamen 30,3 Personen unter 20 Jahre (Jugendquotient) und 33,8 Personen mit 65 oder mehr Jahren (Altenquotient). Im Klartext: Auf 100 Personen im Erwerbsalter kommen 64,1 Personen die jünger oder älter sind - leicht mehr als erwartet.

Von den knapp 6,2 Millionen Ausländerinnen und Ausländern in Deutschland stellten zum Zensusstichtag Türkinnen und Türken mit 1,5 Millionen oder 24,4 Prozent die größte Gruppe dar. Gefolgt wurden sie von knapp 490.000 Menschen aus Italien, 380.000 Einwohnern mit polnischer Staatsangehörigkeit und 250.000 Personen aus Griechenland.

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1. Aha
yogi65 10.04.2014
Zitat von sysopDPADas Statistische Bundesamt hat neue Daten über die deutsche Bevölkerung veröffentlicht. Ein überraschendes Ergebnis: Die Zahl der Verheirateten ist deutlich höher, die der Ledigen deutlich niedriger, als erwartet. Erstmals haben die Statistiker auch die Über-Hundert-Jährigen gezählt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/volkszaehlung-2011-statistiker-zaehlen-mehr-ehen-in-deutschland-a-963612.html
Hoffe, die Gewinnung dieser erschütternden Erkenntnisse hat nicht übermäßig viel meiner im Schlaf verdienten Steuergelder gekostet.
2. Statistiker zählen mehr Ehen in Deutschland
heinrichsommerfeld 10.04.2014
Sehr oft wissen die Männer dann auch nach der Scheidung, dass die Ehe der Fehler ihres Lebens war. Sie dürfen nach der Scheidung noch mehr als in der Ehe zahlen und oft trotzdem nicht mal ihre Kinder sehen. Viele Männer kennen offenischtlich nicht die Männer- und Väterrechtsseiten im Internet. Das hätte ich im Jahr 2014 nicht gedacht. Internet ist offensichtlich immer noch Neuland für viele Männer.
3. 100 zu 64
phboerker 10.04.2014
100 Personen "im erwebstätigen Alter" beinhalten aber auch 10 Arbeitslose, einige prekär Beschäftigte und noch einmal einige, die nicht einmal arbeitssuchend gemeldet sind, beispielsweise Hausfrauen. Im Ergebnis zahlt bei Steuern und Sozialabgaben also jeder Erwerbstätige für mindestens einen anderen mit. Und die Quote verschlechtert sich zunehmend...
4.
Gort 10.04.2014
Hoffentlich hört jetzt mal für eine Weile das Gequatsche jener Kreise in Politik und Publizistik auf, die nicht müde werden, Ehe und Familie gegen jede Realität zu Auslaufmodellen zu erklären.
5. Toll liebe Statistiker
klima66 10.04.2014
nun sind es also keine geschätzten 42% sondern gezählte 40% ledige - danke Volkszählung !! Da wird sich das Land aber umstellen müssen. Und die 100 jährigen wurden auch gezählt - klasse !! Das braucht die Welt.
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Zu den Rohdaten

Alle Daten und Stellungnahmen: Unsere GitHub-Seite zum Zensus 2011

Die statistische Analyse: Kommentierter Quellcode des Programms "R"

Fehlerhafter Zensus? Stellungnahme des Statistischen Bundesamtes zu den Stichprobenfehlern der Bezirke (PDF)

Stichprobenfehler (CSV): Daten der Gemeinden im CSV-Format

Stichprobenfehler (XLS): Daten der Gemeinden und Anmerkungen im Excel-Format

Anmerkungen: Hintergrund-Informationen des Statistischen Bundesamtes zu den Stichprobenfehlern


Hintergründe zum Zensus 2011

Die Zensusdatenbank: Ergebnisse des Zensus 2011 aus verschiedenen Themenbereichen.

Die Zensuskarte: Ausgewählte Ergebnisse auf einer Gemeindekarte, entwickelt von OpenDataCity für die Bundeszentrale für politische Bildung.

Das registergestützte Verfahren beim Zensus: Ausführliches Methoden-Papier des Statistischen Bundesamtes.


Deutschlands Einwohnerzahlen - die vier verschiedenen Modelle
Zensus
Der jüngste Zensus stellte zum Stichtag 9. Mai 2011 eine Einwohnerzahl für jede der gut 11.000 Gemeinden in Deutschland fest. Er vereinte dazu in einem komplizierten Methoden-Mix verschiedene, in sich jeweils fehlerhafte Bevölkerungsdatensätze und korrigierte sie durch Nachzählen vor Ort. Das aktuelle Zensusergebnis wurde am 31. Mai 2013 bekannt gegeben und wird wenige Monate später zur neuen amtlichen Einwohnerzahl, sofern Widersprüche und Klagen es nicht verhindern.
Fortschreibung
Die aktuelle amtlich Einwohnerzahl (Fortschreibung) jeder Gemeinde wird monatlich bestimmt. Nicht von der Gemeinde selbst, sondern vom jeweiligen Statistischen Landesamt. Dort zählt man dem Ergebnis der letzten Volkszählung laufend Geburten und Einwanderer hinzu, Sterbefälle und Auswanderer zieht man ab. Die einzelnen Vorfälle für diese „Fortschreibung“ liefern die Kommunalverwaltungen ständig an die Landesämter. Zwischen den Volkszählungen häufen sich zum Teil erhebliche Fehler in der Fortschreibung an. Die amtliche Einwohnerzahl bestimmt den kommunalen sowie den Länderfinanzausgleich und die Regelungen von ca. 50 weiteren Gesetzen.
Melderegister
Jede Gemeinde führt eine eigene Einwohnerzahl im Melderegister ihrer Kommunalverwaltung. Sie weicht zum Teil erheblich von der Fortschreibung oder dem Zensusergebnis ab. Sie ist irrelevant für die Finanzausgleiche, aber maßgeblich für die gesamte kommunale Planung, z.B. von Straßen, Kindergärten oder Schulen. Die Gemeinden können ihre Registerzahlen selbst korrigieren, aber es ist aus Datenschutzgründen durch das so genannte „Rückspielverbot“ seit 1983 verboten, die Register um Karteileichen und zusätzliche Bewohner zu bereinigen, die bei einer Volkszählung gefunden wurden.
Die Wahrheit
Die tatsächliche Einwohnerzahl ist unbekannt. Das steht sogar in der Gesetzesvorgabe des Zensus 2011. Letztlich heißt das: Egal welche Einwohnerzahl man nimmt, alle sind fehlerhaft. Die Macher des Zensus beanspruchen allerdings für ihre Zählmethode, dass sie den kleinsten Fehler macht.

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