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Neuer Codex im Arbeitsministerium: Keine Anrufe und E-Mails nach Dienstschluss

Von der Leyen: Will am Wochenende auch nur im Notfall gestört werden Zur Großansicht
DPA

Von der Leyen: Will am Wochenende auch nur im Notfall gestört werden

Mitarbeiter des Bundesarbeitsministeriums dürfen nur noch in ihrer Freizeit gestört werden, wenn etwas "unaufschiebbar" ist. Das Ministerium von Ursula von der Leyen will laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" die Selbstausbeutung von Mitarbeitern verhindern.

Berlin - Arbeitsministerium Ursula von der Leyen hat vor gut einem Jahr "glasklare Regeln'' für den Umgang mit Dienst-Handys gefordert, nun führt sie sie in ihrem Ministerium ein. Führungskräfte des Arbeitsministeriums dürfen Mitarbeiter nur noch "in begründeten Ausnahmefällen" in ihrer Freizeit durch E-Mails oder Anrufe stören. Zugleich soll keiner benachteiligt werden, der außerhalb seiner Arbeitszeit etwa sein Handy "abschaltet oder Nachrichten nicht abruft". Darauf haben sich Personalrat und Leitung des Hauses geeinigt, schreibt die "Süddeutsche Zeitung".

Damit wurden wie bei Volkswagen oder der Telekom für die mehr als 1100 Staatsdiener im Ministerium erstmals "Regeln zur ausnahmsweisen Erreichbarkeit außerhalb der individuellen Arbeitszeit" festgelegt.

Die Kernsätze des neuen Codexes lauten: "Niemand, der über einen mobilen Zugang und ein Handy verfügt, ist außerhalb der individuellen Arbeitszeit verpflichtet, diese zu nutzen. Eine Selbstausbeutung der Beschäftigten soll vermieden werden." Für die Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit gelte ,"das Prinzip des geringstmöglichen Eingriffs in die Freizeit". Chefs dürften Beschäftigte im Urlaub grundsätzlich nicht in Anspruch nehmen.

Rücksicht auf familiäre Situation

Nach den neuen Regeln ist die ungeplante dienstliche Kontaktaufnahme nur möglich, wenn die zu erledigenden Aufgaben "unaufschiebbar" seien, "den Charakter einer Ausnahmesituation" hätten und nicht "bis zum nächsten Dienstbeginn" warten könnten. Der Kreis der eingeschalteten Personen sei "so klein wie möglich zu halten". Vorgesetzte müssten auf die "persönliche und familiäre Situation Rücksicht nehmen".

Der Codex, den die Ministerin selbst unterschrieben hat, ist Teil weiterer Vereinbarungen zur Arbeit von zu Hause, unterwegs und mit dem Laptop. Nach Angaben des Ministeriums gibt es ein solches Regelwerk "in dieser Detailschärfe in keiner weiteren obersten Bundesbehörde". Der Personalrat hatte zuvor lange mit der Leitung des Ministeriums verhandelt.

Für die vielen Mitarbeiter, die über Handy und Internet von überall aus arbeiten könnten, sei es enorm wichtig gewesen zu wissen, "wann sie erreichbar sein müssen und wann nicht. Diese Klarheit haben sie jetzt schwarz auf weiß", sagte von der Leyen der "Süddeutschen Zeitung". Von der Ministerin selbst ist bekannt, dass sie am Wochenende von ihren Mitarbeitern nur im Notfall angerufen werden möchte.

Bei VW werden bereits 30 Minuten nach Dienstschluss keine E-Mails weitergeleitet. Die Telekom fordert ihre Mitarbeiter auf, in der Freizeit und im Urlaub berufliche Telefonate und dienstliche Schreiben zu unterlassen. Bei E.on, Puma oder BMW gibt es ebenfalls Beschränkungen.

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1. HaHaHa!!!
gerd33 30.08.2013
Zitat von sysopDPAMitarbeiter des Bundesarbeitsministeriums dürfen nur noch in ihrer Freizeit gestört werden, wenn etwas "unaufschiebbar" ist. Das Ministerium von Ursula von der Leyen will laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" die Selbstausbeutung von Mitarbeitern verhindern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/von-der-leyen-keine-mails-nach-feierabend-an-mitarbeiter-a-919409.html
Glaubt hier etwa jemand, dass beamtete Ministerialkräfte (despektierlich als Sesselfurzer bezeichnet) vom Burnout bedroht sind? Das Verbot, Beschäftigte in der Freizeit zu stören, sollte man lieber im Bereich Logistik (LKW-Fahrer, Fahrdinestleiter, Lokführer), Gesundheitswesen (Ärzte und Pflegepersonal), Gastronomie (Servicekräfte), Handel (Verkäufer / Kassierer) einführen.
2. Völlig albern:
OskarVernon 30.08.2013
Zitat von sysopDPAMitarbeiter des Bundesarbeitsministeriums dürfen nur noch in ihrer Freizeit gestört werden, wenn etwas "unaufschiebbar" ist. Das Ministerium von Ursula von der Leyen will laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" die Selbstausbeutung von Mitarbeitern verhindern. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/von-der-leyen-keine-mails-nach-feierabend-an-mitarbeiter-a-919409.html
Es ist schlicht im Vorteil, wer zu Dienstbeginn bereits über Informationen verfügt, die sich andere dann erst schön langsam zusammenzusuchen beginnen. Was also soll das werden - totale Überwachung auch der Privathandys und -rechner, damit's bloß keiner wagt...? oO
3. optional
farhan.farabee 30.08.2013
Neben Handy und Email kann man die Mitarbeiter auch über den sozialen Netzwerken kontaktieren oder anderen ähnlichen Blogs. Ich frage mich, ob das im Vertrag eindeutig genug formuliert ist.
4. Eine gute Entscheidung
cylina77 30.08.2013
Hoffentlich macht das Schule und setzt sich auch in anderen Branchen durch. Irgendwann muss auch mal Feierabend sein.
5.
io_gbg 30.08.2013
Zitat von farhan.farabeeNeben Handy und Email kann man die Mitarbeiter auch über den sozialen Netzwerken kontaktieren oder anderen ähnlichen Blogs. Ich frage mich, ob das im Vertrag eindeutig genug formuliert ist.
Das dürfte so schon gut abgedeckt sein: "Zugleich soll keiner benachteiligt werden, der außerhalb seiner Arbeitszeit etwa sein Handy "abschaltet oder Nachrichten nicht abruft". Über welches Medium die Nachrichten kommen, braucht dann wohl nicht weiter spezifiziert werden. Ich finde es gut, dass einige Behörden und Firmen Ernst damit zu machen scheinen.
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