Von Lissabon bis Wladiwostok Schröder wirbt für Putins Freihandelszone

Russlands Premier Wladimir Putin hat für seine Charmeoffensive gegenüber dem Westen einen prominenten Mitstreiter gewonnen: Auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder fordert eine engere Verbindung der EU mit Moskau. Seine Vorstellungen reichen aber noch über die Einrichtung einer Freihandelszone hinaus.

Gazprom-Chef Alexei Miller, Präsident Medwedew, Alt-Kanzler Schröder: Engere Anbindung
AP

Gazprom-Chef Alexei Miller, Präsident Medwedew, Alt-Kanzler Schröder: Engere Anbindung


Berlin - In die wirtschaftliche Annäherung von Europa und Russland kommt Bewegung: Nachdem Russlands Premierminister Wladimir Putin eine Freihandelszone mit der EU vorgeschlagen hat, bekommt er jetzt Unterstützung vom früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder. "Wir brauchen eine EU-Assoziierung Russlands mit einer Freihandelszone, gemeinsamen Infrastrukturprojekten, Visafreiheit und einer sicherheitspolitischen Kooperation", sagte Schröder am Donnerstag. "Europapolitisch war es schon immer meine Grundauffassung, dass wir Russland völkerrechtlich noch enger an die europäischen Strukturen binden müssen."

Putin hatte sich in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung" für eine gemeinsame Wirtschaftsgemeinschaft von Lissabon bis Wladiwostok ausgesprochen. "In Zukunft kämen eventuell auch eine Freihandelszone, gar noch fortgeschrittenere wirtschaftliche Integrationsformen in Frage", schreibt er. Sinnvoll seien strategische Allianzen von Unternehmen zum Beispiel im Schiffs-, Auto- und Flugzeugbau, bei Weltraumtechnologien, Medizin- und Pharmaindustrie, Atomkraft und Logistik. Versuche russischer Unternehmen, sich an EU-Unternehmen zu beteiligen, waren bisher jedoch meist auf Widerstand gestoßen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in ihrer Bundestagsrede am Mittwoch betont, Russland habe sich längst vom Gegner zu einem Partner Deutschlands und der EU entwickelt.

Putin und Merkel werden am Freitag im Kanzleramt zusammentreffen. Dabei wird es um die Frage einer engeren wirtschaftlichen Kooperation beider Länder gehen.

Dazu gehören auch die Pläne des Energieriesen E.on Chart zeigen, beim russischen Gaskonzern Gazprom Chart zeigen auszusteigen. E.on ist mit einen Aktienpaket von 3,5 Prozent größter Auslandsinvestor bei Gazprom. Das deutsche Unternehmen will sich nun aber stärker auf Asien und Südamerika konzentrieren.

mik/Reuters

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insgesamt 12 Beiträge
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Bre-Men, 25.11.2010
1. Klonk
Vorsicht, wenn Schröder dafür ist, dürfen alle anderen bluten.
heinz.mann 25.11.2010
2. Prima....
Zitat von sysopRusslands Premier Wladimir Putin hat für seine Charmeoffensive gegenüber dem Westen einen prominenten Mitstreiter gewonnen: Auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder fordert eine engere Verbindung der EU mit Moskau. Seine Vorstellungen reichen aber noch über die Einrichtung einer Freihandelszone hinaus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,731156,00.html
eine engere Anbindung an Russland kann uns nichts schaden. Bisher waren die Russen verlässliche Partner und haben selbst ihre Schulden abbezahlt. Zudem haben sie Rohstoffe, die unsere Industrie braucht. Auch militärische Zusammenarbeit kann nur gut sein, viel besser als die alten Zeiten des kalten Krieges.
PrinzVonSavojen 25.11.2010
3. Sehr gute Idee
Zitat von heinz.manneine engere Anbindung an Russland kann uns nichts schaden. Bisher waren die Russen verlässliche Partner und haben selbst ihre Schulden abbezahlt. Zudem haben sie Rohstoffe, die unsere Industrie braucht. Auch militärische Zusammenarbeit kann nur gut sein, viel besser als die alten Zeiten des kalten Krieges.
Ist auch meine Meinung. EU+Rußland, China, USA, das wären dann gleichstarke Handelspartner. Hoffentlich sieht das Angie auch so !
prefec2 25.11.2010
4. Positives und Negatives
Generell ist es gut wenn wir mehr mit den Russen kooperieren. Militärisch ist das wichtig um Vertrauen aufzubauen und damit militärisch abrüsten zu können. Einerseits sind sie wirtschaftlich sicher wichtig für uns. Andererseits ist ihr oligarchisches z.T. feudal anmutendes Wirtschaftssystem nicht so recht mit dem der EU integrierbar. Was wiederum für eine Anbindung spricht ist, dass wirtschaftliche Kopplungen Abhängigkeiten schaffen und Abhängigkeiten sind immer gute Gründe die Probleme, die man miteinander hat auszudiskutieren und nicht gleich draufzuhauen. Zudem kommen sich dann Menschen beider Räume näher. Auch wenn das nur auf wirtschaftlicher Ebene ist. Man sollte so etwas IMHO auch immer mit Städtepartnerschaften und Begegungsprogrammen flankieren. Das hat schon gut in Westeuropa funktioniert und es wird mittlerweile auch mit Osteuropa gemacht. Fehlt im Grunde noch Russland.
CHANGE-WECHSEL 25.11.2010
5. verwundert kaum
Zitat von sysopRusslands Premier Wladimir Putin hat für seine Charmeoffensive gegenüber dem Westen einen prominenten Mitstreiter gewonnen: Auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder fordert eine engere Verbindung der EU mit Moskau. Seine Vorstellungen reichen aber noch über die Einrichtung einer Freihandelszone hinaus. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,731156,00.html
Träumt der Neoliberale SPD Ex-Kanzler Schröder mal wieder von der Weltherrschaft? Haben die Russen immer noch nicht kapiert, dass der Schröder in Wahrheit ein kapitalistischer Agent der USA ist!
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