Vor EU-Gipfel Krise in Portugal belastet Euro

Die Regierungskrise in Portugal drückt vor Beginn des EU-Gipfels auf den Euro. Die Staats- und Regierungschefs wollen über ein großes Paket zur Absicherung der Gemeinschaftswährung entscheiden. Ökonomen gehen die Pläne nicht weit genug.

Euro-Münzen: Gespanntes Warten auf den Gipfel
REUTERS

Euro-Münzen: Gespanntes Warten auf den Gipfel


Frankfurt am Main - Der Rücktritt des portugiesischen Regierungschefs José Sócrates hat sich beim Euro-Kurs bemerkbar gemacht. Die Gemeinschaftswährung verlor im Handel leicht an Boden und pendelte am Donnerstagmorgen um die Marke von 1,41 Dollar. Zuletzt mussten 1,4082 Dollar für einen Euro bezahlt werden. Noch am Dienstag war der Euro wegen der Aussichten auf eine baldige Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) bis auf 1,4249 Dollar geklettert und damit auf den höchsten Stand seit November 2010. Händler gehen davon aus, dass der Euro noch merklich nachgeben könnte.

Nur wenige Stunden vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel ist in der Nacht auf Donnerstag der portugiesische Regierungschef Sócrates zurückgetreten. Er zog damit die Konsequenzen aus der Ablehnung seines jüngsten Sparpakets im Parlament. Das Sparpaket wird von Experten als wichtiger Schritt eingestuft, damit Portugal seine Schulden in den Griff bekommt. Nach dem Rücktritt von Sócrates wird es immer wahrscheinlicher, dass die Portugiesen unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfen müssen.

Die Zinsen für portugiesische Staatsanleihen stiegen auf ein Rekordhoch. Die Rendite für zehnjährige Anleihen kletterte auf 7,912 Prozent, für fünfjährige Papiere auf 8,348 Prozent. "Investoren mögen die erhöhte Unsicherheit nicht", begründete ein Händler den Zinsanstieg.

Am EU-Gipfel will Sócrates noch teilnehmen. Dort wollen die europäischen Staats- und Regierungschefs über ein großes Paket zur Euro-Absicherung entscheiden. Dabei geht es unter anderem um härtere Strafen für Defizitsünder und einen neuen Krisenfonds für klamme Euro-Staaten.

Allerdings gibt es im Vorfeld des Gipfels bereits harsche Kritik an den Plänen. "Das grundlegende Problem der Vereinbarungen ist, dass sie für eine zukünftige Schuldenkrise gemünzt sind, aber offen lassen, was mit den in der Vergangenheit angehäuften Schuldenbergen geschehen soll, wenn der Markt eine weitere Finanzierung verweigert", sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer, dem "Handelsblatt".

Eine dauerhafte Basis, auf der die Währungsunion stehen könne, sei mit dem Pakt für den Euro noch nicht geschaffen. "Bislang haben wir nur Übergangslösungen und das spüren auch die Märkte", sagte Mayer.

mmq/dpa-AFX

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shokaku 24.03.2011
1. Hier könnte ein Titel stehen
Portugal schlicht aus EU und Euro rausschmeissen. Dient dann gleich auch als Wink mit dem Zaunpfahl an die anderen Schweinestaaten. Aber es wird alternativlos anders kommen.
HariboHunter, 24.03.2011
2. Ein Schelm...
... wer Absicht dahinter vermutet. Kaum klettert der Euro aufgrund geopolitischer Vorkommnisse ueber die Wirtschaftsschaedigenden 1,40$. Kommt eine schlechte Meldung aus der Peripherie Europas und torpediert die Staerkung. Gut fuer den Export, da der ganze Plunder weiterhin guenstig losgeschlagen werden kann. Schlecht fuer den Import. Rohstoffe werden immer noch in wertfreien US-Dollars gehandelt. Leider ist diese Masche mittlerweile abgenutzt. Was kostet die Welt? -- Bald das Doppelte!
Ghost12 24.03.2011
3. Ökonomen?
Zitat von sysopDie Regierungskrise in Portugal drückt vor Beginn des EU-Gipfels auf den Euro. Die Staats- und Regierungschefs wollen über ein großes Paket zur Absicherung der Gemeinschaftswährung entscheiden. Ökonomen gehen die Pläne nicht weit genug. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,752863,00.html
In dem Artikel wird EIN "Ökonom" zitiert. Und zufällig jemand, der für sein Haus dringend Subventionen braucht. Weil sein Haus genau mit SChrottanleihen spekuliert hat. Soweit bzgl. Quellen und Bezeichungen. Die Politik hat jetzt x-mal die spekulativen Investmentbanken subventioniert, die Medien haben immer mitgemacht und sind mitschuldig am Diebstahl der Europäer. Und der SPIEGEL macht weiter mit.
glaubblosnix 24.03.2011
4. Aha,
"Nur wenige Stunden vor Beginn des EU-Gipfels in Brüssel ist in der Nacht auf Donnerstag der portugiesische Regierungschef Sócrates zurückgetreten. Er zog damit die Konsequenzen aus der Ablehnung seines jüngsten Sparpakets im Parlament. Das Sparpaket wird von Experten als wichtiger Schritt eingestuft, damit Portugal seine Schulden in den Griff bekommt." die Portugiesen wollen also überhaupt nicht sparen? Wohlwissend um den schönen EURO-Topf.
fritz_64 24.03.2011
5. Ökonomen?
sollte man nicht mittlerweile von lobbyisten sprechen? wie oft ist denn die krise in den betroffenen staaten mittlerweile schon "eingepreist" worden? aber mit dieser art währungsschwankung lässt sich halt trefflich geld verdienen!! auf was wollen wir heute "wetten"? steigen oder fallen? ist eh egal, gewinner sind immer die die durch ihre lobbyarbeit tatsächlich in der lage sind währungskurse zu beeinflussen, also nur ein kleiner kreis von menschen, eben die krisengewinnler.
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