Dieselaffäre Zeugenaussagen bringen VW und Ex-Chef Winterkorn in Bedrängnis

Bereits 2007 sollen Ex-VW-Chef Winterkorn und andere Topmanager bei einer Sitzung heikle Informationen zur Abgasmanipulation erhalten haben. Das stellt die Verteidigungsstrategie des Konzerns infrage.

Martin Winterkorn
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In den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft Braunschweig finden sich Aussagen von Ingenieuren und Dokumente zu einem hochkarätigen Treffen von VW-Managern im Jahr 2007. Sie legen nahe, dass Ex-Konzernchef Martin Winterkorn und andere Führungskräfte bereits zu diesem frühen Zeitpunkt in Pläne eingeweiht waren, die womöglich den Grundstein für die Abgasmanipulation legten.

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VW hat bislang stets behauptet, der Abgasbetrug sei das Werk einiger niederrangiger Ingenieure und die Führungsebene habe erst am 18. September 2015 davon erfahren, als US-Behörden die Sache öffentlich machten.

Die Ermittler sind auf eine Sitzung am 8. November 2007 gestoßen. Bei diesem Treffen wurde unter Beteiligung Winterkorns und anderer Topmanager besprochen, wie ein neuer Dieselmotor umgerüstet werden könnte, um die amerikanischen Grenzwerte für Stickoxide einzuhalten. Es handelte sich um den Motor, den die US-Behörden schließlich zum Anlass für milliardenschwere Strafzahlungen nehmen sollten. Zwei VW-Ingenieure präsentierten auf der Sitzung mögliche technische Lösungen. (Lesen Sie hier die vollständige Geschichte)

So sollte der Motor einen neuen, leistungsstärkeren Katalysator erhalten. Allerdings tauchte in ergänzenden Unterlagen der Präsentation offenbar auch eine fragwürdige Software auf: Sie konnte anhand bestimmter Parameter unterscheiden, ob das Auto im Normalbetrieb war oder im "testrelevanten Bereich" - also ob die Fahrbedingungen auf eine Testsituation schließen ließen. Der Stickoxidausstoß variierte je nach Situation spürbar: Am saubersten waren die Fahrzeuge unter Testbedingungen.

VW möchte keine Aussagen einzelner Zeugen kommentieren: "Die gesamthafte Einordnung der Aussagen und Geschehnisse ist Sache der zuständigen Gerichte und Behörden."

Über den Verlauf des Treffens gibt es unterschiedliche Aussagen: Einige Teilnehmer behaupten, die Software sei gar nicht besprochen worden. Man habe sich lediglich auf eine bessere, teurere Technologie verständigt. Die beiden Ingenieure wollen laut Aussage bei der Staatsanwaltschaft auf die Softwarefunktion detailliert eingegangen sein.

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insgesamt 113 Beiträge
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marty_gi 03.08.2018
1. Umruestung
Aus Winterkorns Gehalt kann man ja hemmungslos die Umruestung der VW Modelle bezahlen - wirklich verdient hat er das Geld ja eindeutig nicht.
frummler 03.08.2018
2. unfassbar!
wenn das stimmt gehören die alle in den knast! dann haben die fast ein ganzes jahrzehnt wissentlich betrogen und die bevölkerung vergiftet ohne mit der wimper zu zucken! und wofür? weil ihnen die gesundheit der kunden und bevölkerung völlig egal ist hauptsache die kasse stimmt!
neu-stuttgarter 03.08.2018
3.
Niemand glaubt, dass der Betrug nur auf "niederen" Ebenen entschieden wurde. Die Frage ist lediglich, ob den Vorständen etwas nachzuweisen ist. Und da kann man ja mittlerweile guter Hoffnung sein.
Zäsus 03.08.2018
4.
Das Thema Abgasmanipulation allein würde reichen, um Wagenknechts Sammelbewegung mit immer mehr Wirtschaftsbetrogenen eine deutliche Wucht zu geben.
coyote38 03.08.2018
5. Ja, was denn sonst ...?
Winterkorn ist ein detailversessener Ingenieur, der sich bis in die kleinsten Kleinigkeiten der Produktion und des Designs geradezu totalitaristisch eingemischt hat. JEDER im VW-Konzern weiss das. Die Vorstellung, dass er nichts von einer vorsätzlichen Abgasmanipulation in zig Millionen Autos wusste, ist einfach nur naiv und albern.
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