VW-Dieselaffäre US-Staatsanwälte sollen Diess freies Geleit zusichern

Die amerikanischen Justizbehörden sollen VW-Chef Herbert Diess zugesagt haben, dass er sich weltweit frei bewegen kann, ohne verhaftet zu werden. So einen Blankoscheck stellen die Ermittler selten aus.

VW-Vorstandsvorsitzender Herbert Diess
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VW-Vorstandsvorsitzender Herbert Diess


Herbert Diess kann offenbar trotz des schwelenden Dieselskandals in die USA reisen, ohne Angst vor einer Verhaftung haben zu müssen. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertrauten Personen.

Die Ermittler sicherten Diess demnach zu, ihn vorab zu informieren, sollte die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit den Ermittlungen über Emissionsmanipulationen Klage gegen ihn erheben, sagten die Personen, die um Anonymität baten, da die Vereinbarung vertraulich sei.

Staatsanwälte könnten auf Aussage von Diess hoffen

Der Manager war zu VW gewechselt, kurz bevor der Dieselskandal an die Öffentlichkeit kam. Bislang wird ihm im Zusammenhang mit der Affäre kein Fehlverhalten zur Last gelegt. Volkswagen und das US-Justizministerium wollten sich zu der Sonderregelung für Diess nicht äußern.

Hintergrund des "freien Geleits" könnte sein, dass sich die Staatsanwälte von einer Aussage von Diess als Zeugen Aufschlüsse über die Hintergründe der Affäre erhoffen. Auch Anwälten von Verdächtigen wird manchmal die Möglichkeit gegeben, ihre Sicht der Dinge darzulegen, bevor über eine Anklage entschieden wird.

Allerdings käme es nur sehr selten vor, dass Strafverfolger - wie in diesem Fall - pauschal freies Geleit gewähren. Es sei auch selten, jemanden, der sich außerhalb des Landes befinde und daher nur schwer auszuliefern sei, über bevorstehende rechtliche Schritte zu warnen, hieß es bei Bloomberg weiter.

Diess bei VW-Sitzung zu überhöhten Emissionen

Eine Erklärung dafür ist, dass das Justizministerium zwar noch ermittelt, aber bereits festgestellt hat, dass Diess wahrscheinlich nicht angeklagt wird, sagt Michael Koenig, ein früherer Bundesstaatsanwalt, der jetzt bei Hinckley Allen & Snyder LLP tätig ist.

Diess hat mehr als zwei Jahrzehnte in der deutschen Autobranche verbracht, unter anderem bei der Robert Bosch GmbH und BMW AG. Als neuer Mitarbeiter bei VW nahm Diess am 27. Juli 2015 in Wolfsburg an dem sogenannten "Schadenstisch" teil. VW hatte bereits im Jahr 2016 eingeräumt, dass dabei dem höheren Management die Probleme mit den überhöhten Emissionen in den USA erklärt wurden.

Diese Sitzung sei das Schlüsselmoment einer Verschwörung gewesen - eine, in der Martin Winterkorn "die fortgesetzte Verheimlichung der Betrugssoftware vor den US-Aufsichtsbehörden genehmigte", schreiben die US-Staatsanwälte in der Anklage gegen den ehemaligen Konzernchef. Da Diess an diesem Treffen teilgenommen habe, wisse er, was Winterkorn und andere auf der Sitzung damals sagten.

Es ist unklar, was Diess bei der fraglichen Sitzung gesagt hat. Diess hat laut den informierten Personen bei den Ermittlungen und der Anklage gegen Winterkorn in den USA keine Rolle gespielt.

Endlich verständlich: Überblick der wichtigsten Daten und Fakten zum VW-Skandal

mik/ans

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