Währungskrise Argentinien kündigt Notfallmaßnahmen an

Argentinien stemmt sich mit aller Macht gegen den Verfall des Peso. Die Regierung kündigt einen Krisenplan an, die Zentralbank verkauft Devisenreserven, der IWF sichert volle Unterstützung zu.

Wechselstube in Buenos Aires
AFP

Wechselstube in Buenos Aires


Nach dem rasanten Wertverlust des Peso plant die Regierung in Argentinien eine Reihe wirtschaftspolitischer Notfallmaßnahmen. Am Montag will Finanzminister Nicolas Dujovne Schritte zur Eindämmung der Krise vorstellen. Damit soll das Haushaltsdefizit gesenkt werden, um die Regierung weniger abhängig von den Kreditmärkten zu machen. Zudem kündigte die Notenbank weitere Verkäufe von Devisenreserven im Umfang von 675 Millionen Dollar an.

Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat dem Land seine volle Unterstützung zugesagt. Der IWF sei überzeugt, dass das lateinamerikanische Land dank des starken Engagements der argentinischen Behörden seine Schwierigkeiten überwinden werde, sagte Sprecher Gerry Rice am Freitag.

Am Donnerstag hatte Argentiniens Präsident Mauricio Macri IWF-Chefin Christine Lagarde darum gebeten, die bereits vereinbarten milliardenschweren Hilfen früher als geplant auszuzahlen. Am kommenden Dienstag wollen sich Lagarde und Finanzminister Dujovne treffen, um über die vorzeitige Auszahlung zu sprechen.

An den Finanzmärkten sorgten die Nachrichten vom Freitag für etwas Beruhigung. Ein Dollar kostete am Abend 37,56 Peso - am Donnerstag waren es zeitweise 41,36 Peso gewesen. An den Märkten wuchs zuletzt die Furcht der Anleger vor Zahlungsschwierigkeiten des südamerikanischen Landes. Vor der Ankündigung des Finanzministers hatte bereits die Notenbank im Kampf gegen den Peso-Verfall eine drastische Erhöhung des Leitzinses um 15 Punkte auf 60 Prozent beschlossen.

Leiden unter dem starken Dollar

Auch die Bundesregierung äußerte am Freitag die Hoffnung auf eine Stabilisierung des wirtschaftlich angeschlagenen Landes, das derzeit die Präsidentschaft in der Gruppe der 20 größten Industrie- und Schwellenländer innehat. "Wir gehen davon aus, dass der IWF und die argentinischen Behörden gemeinsam gute Lösungen finden werden", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts.

Seit Jahresbeginn hat die argentinische Währung fast 54 Prozent an Wert verloren. Nur zwei Jahre nach der Rückkehr in die Wachstumszone steuert Argentiniens Wirtschaft wieder auf eine Rezession zu. Investoren an den Finanzmärkten bezweifeln, dass Präsident Macri der Spagat gelingt, die Konjunktur anzuschieben und gleichzeitig Ausgaben zu kürzen und die Inflation einzudämmen, die zuletzt bei über 30 Prozent lag.

Argentinien leidet - wie die meisten anderen Schwellenländer - unter der zunehmenden Stärke des Dollar. Anleger ziehen ihre Gelder aus aufstrebenden Staaten ab und investieren lieber in US-Vermögenswerte, weil in den Vereinigten Staaten die Zinsen steigen und massiv Steuern gesenkt wurden.

fdi/Reuters

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