Entscheidung in Frankfurt: EZB-Rat belässt Leitzins bei 0,5 Prozent

Die Konjunktur erholt sich langsam, weitere Krisen sind vorerst nicht zu befürchten: Grund genug für den EZB-Rat, die Politik der ruhigen Hand fortzusetzen. Der Leitzins bleibt unangetastet bei 0,5 Prozent.

EZB-Baustelle in Frankfurt am Main: Konjunktur erholt sich allmählich Zur Großansicht
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EZB-Baustelle in Frankfurt am Main: Konjunktur erholt sich allmählich

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt den Leitzins im Euro-Raum wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt. Seit der Zinssenkung im Mai hat sich die Lage an der Konjunkturfront etwas entspannt: Das Geschäftsklima verbesserte sich, und die Verbraucherstimmung im Euro-Raum kletterte im Juni auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren.

Daher hatten die meisten Volkswirte weder eine weitere Senkung des Leitzinses noch zusätzliche Stützungsmaßnahmen erwartet. Zumal EZB-Präsident Mario Draghi damit rechnet, dass sich die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte 2013 allmählich erholen wird. Niedrige Zinsen sollen Investitionen anschieben und damit die Wirtschaft in Schwung bringen. Die mächtige Waffe einer weiteren Zinssenkung will sich der EZB-Rat für kritischere Situationen aufbewahren.

Da der Preisdruck gering ist, steht aber vorerst auch keine Zinserhöhung an. Ohnehin will die EZB - anders als die US-Notenbank Fed - vorerst keine Pläne zum Ausstieg aus der Krisenpolitik des billigen Geldes verkünden. Das hatte EZB-Direktor Benoît Cœuré betont: "Es sollte keine Zweifel geben, dass ein Ende der lockeren Geldpolitik weit entfernt ist."

mik/dpa

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1. Enteignung der Sparer
haerba 04.07.2013
Herr Draghi und sein EZB-Rat können also weiter ungestraft die Sparer mit Niedrigzinsen enteignen und die Regierungspolitiker begleiten dies mit dröhnendem Schweigen. Ich hoffe, dass bis zu 22.09. wenigstens ein 5%-Minderheit der Wähler sich für die Alternativen entscheidet und die Diskussion im neuen BT vom Kopf auf die Füße gestellt wird. Die angeblich alternativlose Euro-Rettung der jetzigen Regierung für unausweichlich in den Abgrund.
2.
muellerthomas 04.07.2013
Zitat von haerbaHerr Draghi und sein EZB-Rat können also weiter ungestraft die Sparer mit Niedrigzinsen enteignen und die Regierungspolitiker begleiten dies mit dröhnendem Schweigen. Ich hoffe, dass bis zu 22.09. wenigstens ein 5%-Minderheit der Wähler sich für die Alternativen entscheidet und die Diskussion im neuen BT vom Kopf auf die Füße gestellt wird. Die angeblich alternativlose Euro-Rettung der jetzigen Regierung für unausweichlich in den Abgrund.
Wie hoch sollte der Leitzins denn Ihrer Meinung nach liegen und weshalb? Offenbar liegen die geplanten Ersparnisse der Haushalte über den geplanten Investitionen der Unternehmen, es gibt also einen Ersparnisüberhang. Der Marktzins müsste eigentlich noch tiefer liegen, was aufgrund der Nullbarriere nur nicht geht.
3.
echo0815 04.07.2013
dass sie mit der Beibehaltung des niedrigen Leitzinses alle Spar- und Altersvorsorgesysteme in Deutschland ad absurdum führt, da der Wert durch die eher noch zunehmende Inflationsrate permanent sinkt. Wohin das noch führen wird, wird hoffentlich jeder der Betroffenen in Deutschland bald begreifen.
4. Fragwürdige Argumentation
Abraxas77 04.07.2013
"Die Konjunktur erholt sich" und das basiert auf "Geschäftsklima" und "Verbraucherstimmung", also Bauchgefühlwerten. Wo sind die echten belastbaren Daten, Auftragseingänge, Arbeitsplatzzahlen, Verkaufszahlen die diese sich erholende Konjunktur im Euroraum belegen? Ich frag nur so doof, weil seit Q4 2012 praktisch die gesamte Eurozone von den Daten her im freien Fall zu sein scheint. Von daher wundert mich diese "Haleluja, Merkel/Austerität hat uns gerettet und der Silberstreif ist bereits am Horizont deutlich und klar sichtbar" Aussage schon ein wenig. Es klingt eigentlich nach Propaganda und Wahlkampfhilfe für die Ewigkeitskanzlerin.
5. Geldpolitik am Ende
Progressor 04.07.2013
Damit keine Missverständnisse entstehen: Wenn man am Euro festhalten will, dann hat die EZB hervorragende Arbeit geleistet. Besonders dem mutigen und geschickten Einsatz von Herrn Draghi ist es zu verdanken, dass sich die Eurozone nicht schon längst flachgelegt hat und der Vorwurf der monetären Staatsverschuldung trotzdem nicht 100 %ig greift. Gratulation! Auch bin ich keineswegs der Meinung die EZB sollte in dieser Weise nicht fortfahren. Nur langsam ist halt das Ende der Fahnenstange erreicht. Die klassische Volkswirtschaftslehre geht davon aus, je niedriger die Kreditzinsen desto größer die Nachfrage und damit der Konsum und die Investitionen die die Wirtschaft ankurbeln. Diese Vorstellung hat jedoch nie gut gegriffen und lässt sich heutzutage kaum mehr empirisch nachweisen. Vor allem: Es wird nunmehr schwierig bis unmöglich. Was sind die Gründe dafür? a) Der Staat soll ja keine Kredite mehr aufnehmen. Im Gegenteil, er soll sie sogar zurückführen. b) Viele private Haushalte im Euroland sind arbeitslos und es werden immer mehr. Dieser Personenkreis bekommt eh keine Kredite mehr. Der Rest hat (berechtigte) Angst arbeitslos zu werden und wird, wenn er schon nicht spart, auf jeden Fall keine Verpflichtungen auf sich nehmen. Ein niedriger Zinssatz, wenn er überhaupt von den Banken weitergegeben wird, lockt keinen Hund mehr hinter dem Ofen vor. c) In dieser Situation investieren auch die Unternehmen nicht mehr. Für was auch, wenn der Konsum eh zurück geht. Damit ist ganz klar, dass an den niedrigen Zinsen vor allem diejenigen verdienen, die nicht vor haben in die Realwirtschaft zu investieren.
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