Währungsstreit Weltbank-Chef fordert neuen Goldstandard

Zwischen den großen Wirtschaftsmächten tobt ein Währungsstreit - nun präsentiert Weltbank-Chef Robert Zoellick einen überraschenden Lösungsansatz. Der Stratege fordert eine Wiederbelebung des Goldstandards, um mehr Stabilität in die Devisenmärkte zu bringen.

Weltbank-Chef Zoellick: Einst wichtigstes Bezugssystem für Schwankungen
Reuters

Weltbank-Chef Zoellick: Einst wichtigstes Bezugssystem für Schwankungen


Singapur - Die Idee ist schlicht - dennoch könnte sie Bewegung in den Streit der großen Währungsmächte bringen. Nicht allein der Dollar, der Yuan, das Pfund und der Euro sollen künftig als Leitwährungen der Welt dienen - geht es nach Robert Zoellick, soll auch Gold dazugehören. Der Chef der Weltbank fordert ein neues System internationaler Wechselkurse, in dem ein neuer Goldstandard definiert wird.

Vor dem Ersten Weltkrieg galt der Goldstandard als wichtigstes Bezugssystem für die Schwankungen von Währungen, nach dem Zweiten Weltkrieg schuf man Bandbreiten innerhalb des Währungssystems von Bretton Woods mit dem Dollar als Leitwährung, hinterlegt mit Gold. Zu Beginn der siebziger Jahre wurde das System wieder aufgegeben.

Nach Meinung Zoellicks könnte das neue System das Bretton-Woods-Abkommen ersetzen. Ein neues Währungssystem würde "vermutlich den Dollar, den Euro, den Yen, das Pfund und den Yuan umfassen und sich in Richtung Internationalisierung bewegen", erklärte der Weltbank-Chef in der "Financial Times". Es sollte auch überlegt werden, den Goldpreis als internationalen Referenzwert der Markterwartungen für Inflation, Deflation und künftige Währungsbewertungen zu installieren, sagte Zoellick.

Gold auf Rekordhoch

Der Preis für Gold hatte am Montag ein Rekordhoch bei 1398 Dollar je Feinunze markiert, vor allem wegen der Sorgen über die Schwäche der US-Währung. Die US-Notenbank Fed hatte vergangene Woche angekündigt, Staatsanleihen in Milliardenhöhe zu kaufen.

Analysten begrüßten den Vorschlag Zoellicks im Grundsatz, gehen aber nicht davon aus, dass solche Reformen bald in die Tat umgesetzt werden können. Ab Donnerstag findet in Südkorea der G-20-Gipfel statt, bei dem das Thema Währungen eine große Rolle spielt.

yes/Reuters

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insgesamt 77 Beiträge
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gg69 08.11.2010
1. der Wahnsinn zum Montag
In meinen Augen ist das völlig absurd. Wo soll denn das ganze Gold herkommen das man bräuchte um das weltweite Vermögen das seit Abschaffung des Goldstandards geschaffen wurde zu decken. Und selbst wenn genügend Gold da wäre müsste man ersteinmal den größten Teil der derzeitigen Besitzer enteignen um es dann als Währungssicherheit nutzen zu können Manchmal glaubt man die hocken nur zusammen um sich Wege auszudenken die Welt vollends in den Abgrund zu reiten.
dionysos74 08.11.2010
2. Alles schon mal dagewesen
Zitat von sysopZwischen den großen Wirtschaftsmächten tobt ein*Währungsstreit - nun präsentiert Weltbank-Chef Robert Zoellick einen*überraschenden Lösungsansatz. Der Stratege fordert eine Wiederbelebung des Goldstandards, um mehr Stabilität in die Devisenmärkte zu bringen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,727789,00.html
Das wird nicht funktionieren. Die Währungsbindung an den Goldpreis war schon mehrfach in der Geschichte gescheitert. Das Problem ist, daß Länder mit schwacher Wirtschaftsleistung dann ihre Währung nicht abwerten können, wenn sie fest an eine andere Währung (in diesem Fall Gold) gebunden ist. Genau an diesem Problem krankt ja bereits der Euro: Griechenland kann seine Drachme nicht abwerten, weil es sie nicht mehr gibt. Ein internationaler Goldstandard würde dieses Problem globalisieren. Das einfachste ist, man überlässt den Wert der Währung den Kräfteverhältnissen des Marktes. Denn dadurch, das Investoren ihr Geld lieber in starke Währungen anlegen und sich in schwachen Währungen verschulden, wird das Geld solange von der schwachen in die starke Währung fließen, bis die schwache Währung schwach genug ist, um die Produkte des Währungsraumes wieder konkurrenzfähig zu machen, was wieder zu einer stärkeren Währung führt. Auf diese einfache Weise stellt sich ein natürliches Kräfteverhältnis ein, was allen Beteiligten Wohlstand bringt.
Realo, 08.11.2010
3. Vielleicht interessant....
....dazu dieser Artikel : http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumne-marsh/marsh-on-monday-praesident-obama-als-nachfolger-von-richard-nixon;2687843 und der hier : http://www.handelsblatt.com/politik/international/geldpolitik-neue-schutzwaelle-gegen-die-dollar-flut;2687860 1039,- € heute morgen für einen Krügerrand ist schon "krass".
ein netter Mann 08.11.2010
4. Die Gier
Zitat von gg69In meinen Augen ist das völlig absurd. Wo soll denn das ganze Gold herkommen das man bräuchte um das weltweite Vermögen das seit Abschaffung des Goldstandards geschaffen wurde zu decken. Und selbst wenn genügend Gold da wäre müsste man ersteinmal den größten Teil der derzeitigen Besitzer enteignen um es dann als Währungssicherheit nutzen zu können Manchmal glaubt man die hocken nur zusammen um sich Wege auszudenken die Welt vollends in den Abgrund zu reiten.
Meine Frage ist, warum der Goldstandard erst abgeschafft wurde??? Die schon damals grenzenlose Gier der Finanzwelt hat bis heute die Welt in unvorstellbare routierende, nicht mehr kontrollierbare, Geldmengen hineingewirtschaftet. Wieviel Gold hat Deutschland überhaupt und wo lagert es???
Vacuum, 08.11.2010
5. Wo liegt das Problem?
Zitat von gg69In meinen Augen ist das völlig absurd. Wo soll denn das ganze Gold herkommen das man bräuchte um das weltweite Vermögen das seit Abschaffung des Goldstandards geschaffen wurde zu decken. Und selbst wenn genügend Gold da wäre müsste man ersteinmal den größten Teil der derzeitigen Besitzer enteignen um es dann als Währungssicherheit nutzen zu können Manchmal glaubt man die hocken nur zusammen um sich Wege auszudenken die Welt vollends in den Abgrund zu reiten.
Ist doch ganz einfach: (Weltweites Realvermögen)/Gesamte Goldmenge = Goldwert Ohne einen solchen Ansatz kehrt der "Wert" des zirkulierenden Giralgeldes natürlich früher oder später zu seinem "wahren inneren Wert" zurück...:-) Und die Kiste mit der Enteignung, das hatten die Amis über Jahrzehnte hinweg schon einmal...
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