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Währungsunion: Die Euro-Krise kommt mit Wucht zurück

Die Furcht vor der Ausweitung der Euro-Krise ist enorm. Am Montag beraten Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy ihre Linie für die kommenden Wochen. Sie müssen Antworten finden, sonst droht die Währungsunion auseinanderzubrechen.

Schicksalstage für den Euro: Die Existenz der Gemeinschaftswährung ist bedroht Zur Großansicht
dpa

Schicksalstage für den Euro: Die Existenz der Gemeinschaftswährung ist bedroht

Hamburg - Weihnachten, Wulff, das Wetter - gut zwei Wochen lang waren die Deutschen mit anderen Themen beschäftigt als mit den Problemen der europäischen Währungsunion. Doch in den kommenden Tagen und Wochen dürfte die Krise zurückkommen - und vieles deutet darauf hin, dass ihr Höhepunkt noch bevorsteht.

Einen Vorgeschmack lieferte am Sonntag Unternehmensberater Roland Berger, der in einem Zeitungsinterview seine Zweifel am Fortbestand des Euro äußerte. "Ein Zusammenbruch des europäischen Währungssystems und damit des Euro ist nicht ausgeschlossen", sagte Berger der "Bild am Sonntag". Er schätze die Wahrscheinlichkeit auf "zehn bis 15 Prozent".

Das klinge harmloser, als es sei, legte Berger nach. Denn eine Währung lebe allein vom Vertrauen der Märkte und der Bürger. "Der materielle Unterschied zwischen einer Zehn- und einer 100-Euro-Note entsteht nur durch die aufgedruckte Zahl. Der Rest ist Papier. Und deshalb stellt auch ein Restzweifel von zehn Prozent an einer Währung eine relativ gefährliche Situation dar."

Andere Experten werden noch deutlicher: Wenn nicht weitere Maßnahmen getroffen werden, "fliegt uns der Euro 2012 um die Ohren", sagt Schuldenexperte Guntram Wolff vom renommierten Brüsseler Thinktank Bruegel.

Griechenland droht der Staatsbankrott

Am Montag treffen sich Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy zu einem Zweiergipfel in Berlin. Dabei wollen sie die gemeinsame Linie für die kommenden Wochen festzurren.

Probleme gibt es genug - allen voran Griechenland. Immer mehr Experten gehen davon aus, dass das Land ohne eine groß angelegte Umschuldung nicht mehr zu retten ist. Das allerdings wäre ein Staatsbankrott, den die Griechen und auch die anderen Europäer eigentlich unbedingt vermeiden wollen.

Deshalb versuchen die Beteiligten offenbar den Beitrag der privaten Gläubiger zu erhöhen. Banken und Versicherungen hatten ursprünglich eingewilligt, auf 50 Prozent ihrer Forderungen gegen das Land zu verzichten. Eigentlich sollten die Verhandlungen spätestens in dieser Woche abgeschlossen werden. Doch die Gespräche sind ins Stocken geraten.

Fraglich ist zudem, ob der angepeilte Schuldenerlass von 100 Milliarden Euro für die Gesundung der griechischen Staatsfinanzen ausreicht oder ob die Euro-Partner am Ende auch das zweite Rettungspaket im Volumen von 130 Milliarden Euro aufstocken müssen.

Noch ist dieses Paket, dass die Euro-Länder auf ihrem Gipfel Ende Oktober geschnürt hatten, gar nicht endgültig beschlossen. Am 16. Januar soll die Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) wieder nach Griechenland reisen und die Reformbemühungen begutachten. Erst dann soll das Kreditpaket freigegeben werden. Auch hier stehen die Zeichen auf Konflikt.

Italien und Spanien wollen frisches Geld von den Investoren

Nicht nur in Griechenland entwickelt sich die Wirtschaft schlechter als erwartet, auch die Wirtschaft in Spanien, Italien und anderen Problemländern stagniert oder schrumpft - und macht damit einen Großteil der Sparanstrengungen zunichte.

In dieser Woche wollen sich sowohl Spanien als auch Italien frisches Geld am Kapitalmarkt besorgen. Sollten sie dafür sehr hohe Zinsen zahlen müssen, wird die Europäische Zentralbank erneut am Markt eingreifen und Anleihen der Problemländer aufkaufen müssen.

Zudem wird der Druck steigen, die EZB für noch größere Hilfsmaßnahmen einzuspannen. Vor allem die deutschen Vertreter in den Führungsgremien der Notenbank lehnen dies zwar bisher ab. Doch nach den Personalentscheidungen in der vergangenen Woche sehen Experten den deutschen Einfluss schwinden.

Deutschland werde zunehmend "an den Rand gedrängt", sagte der Präsident des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo, Hans-Werner Sinn, dem SPIEGEL. "All die schönen Sprüche, dass die EZB nach dem Modell der Bundesbank funktionieren würde und Deutschland als größtes Land eine Sonderrolle behalte, erweisen sich als Schall und Rauch." Dass mittlerweile weder der Präsidentenposten noch die Aufgabe des Chefvolkswirts von Deutschen besetzt seien, verdeutliche diese Entwicklung.

Vergangene Woche waren die Spitzenposten in der Notenbank neu verteilt worden. Chefvolkswirt wurde der Belgier Peter Praet. Der deutsche Favorit für den Posten, Jörg Asmussen, bekam stattdessen den Bereich "Internationale und europäische Beziehungen" zugewiesen.

Von den Banken droht neues Ungemach

Auch in der Frage, ob der Euro-Rettungsschirm EFSF aufgestockt werden soll, steht Deutschland zunehmend isoliert da. Am Freitag hatte der niederländische Notenbankchef Klaas Knot die ablehnende Haltung der Deutschen in dieser Frage kritisiert. "Ich glaube, dass mehr Geld benötigt wird, und wir werden die Zeit nutzen, unsere deutschen Kollegen davon zu überzeugen."

Bisher ist der Fonds so mit Garantien der Euro-Staaten ausgestattet, dass er Hilfen von 440 Milliarden Euro gewähren kann. Ein guter Teil davon ist jedoch vergeben, weshalb viele Regierungen darauf dringen, die Garantiesummen zu erhöhen.

Das Problem: Je weiter Deutschland, Frankreich und andere als stabil geltende Länder ihre Zusagen an den Fonds erhöhen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Rating-Agenturen ihre Bonitätsnoten senken. Standard & Poor's hatte bereits im Dezember vor diesem Schritt gewarnt.

Auch für die europäischen Banken könnten die kommenden Wochen erneut ungemütlich werden. Sie brauchen dringend frisches Kapital, um bis Mitte des Jahres die neuen Anforderungen der Finanzaufsicht zu erfüllen. Doch die Beschaffung des Geldes gestaltet sich zunehmend schwierig.

In der vergangenen Woche konnte die italienische Großbank Unicredit Chart zeigen eine geplante Kapitalerhöhung nur dadurch retten, dass sie ihre neu ausgegeben Aktien zum Schleuderpreis an die Investoren verkaufte. Der Fall löste europaweit einen Schock in der Bankenbranche aus. Auch die Aktien der Deutschen Bank Chart zeigen und der Commerzbank Chart zeigen brachen drastisch ein.

stk/dapd/Reuters

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1. lachen oder weinen?
Kurt Limdäpl 08.01.2012
Zitat von sysopDie Furcht vor der Ausweitung der Euro-Krise ist enorm. Am Montag beraten Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy ihre Linie für die kommenden Wochen. Sie müssen Antworten finden, sonst droht die Währungsunion auseinanderzubrechen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,807819,00.html
Hmm, wie wäre es mit noch mehr Schulden? Hat doch bisher immer so gut geklappt!
2.
mrblond1981 08.01.2012
Zitat von sysopDie Furcht vor der Ausweitung der Euro-Krise ist enorm. Am Montag beraten Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy ihre Linie für die kommenden Wochen. Sie müssen Antworten finden, sonst droht die Währungsunion auseinanderzubrechen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,807819,00.html
Endlich mal wieder ein anderes Thema. Euro-Krise was hab ich dich vermisst. :-)
3. Oha
panzerknacker51, 08.01.2012
Zitat von sysopDie Furcht vor der Ausweitung der Euro-Krise ist enorm. Am Montag beraten Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy ihre Linie für die kommenden Wochen. Sie müssen Antworten finden, sonst droht die Währungsunion auseinanderzubrechen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,807819,00.html
Für die kommenden Wochen müssen sie beraten. Die Einschläge kommen in immer kürzeren Abständen. Wie wär's denn mal mit einer tragfähigen Lösung oder dem einfachen Eingeständnis, daß nichts mehr geht?
4. Ende des Euro - keine Drohung sondern Hoffnung!
RalfWagner 08.01.2012
Soso, die Währungsunion „droht“ wieder einmal. Eigentlich gab und gibt es nur Drohungen, von den Griechen, den Franzosen, von Juncker und Barroso. Nachdenken ist nicht erwünscht, unser Geld schon. Es müsste doch langsam auch dem letzten ein Licht aufgehen, dass Griechenland pleite und die Währungsunion auf Sand gebaut ist. Jeder Tag verlängert das Leiden und vergrößert die Kosten. Unter den Euro-Ländern gibt es kein gemeinsames Verständnis von Geldwertstabilität, von Wirtschaftspolitik gleich gar nicht. Die Politik hat den Euro im Größenwahn geschaffen und die wirtschaftlichen Folgen bis heute nicht einmal verstanden. Jede so gefundene Lösung wird also die Lage noch verschlimmern. Das Ende des Euro ist daher keine Drohung sondern eine Hoffnung. Dass sie aufgeht, ist allerdings leider sehr unwahrscheinlich. Erst wenn alle pleite sind, werden die Politiker aufgeben müssen. Allerdings arbeiten sie derzeit an der Beschleunigung dieses Prozesses.
5. .
kuddel37 08.01.2012
Zitat von sysopDie Furcht vor der Ausweitung der Euro-Krise ist enorm. Am Montag beraten Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Sarkozy ihre Linie für die kommenden Wochen. Sie müssen Antworten finden, sonst droht die Währungsunion auseinanderzubrechen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,807819,00.html
Die Währungsunion wird sowieso auseinander brechen. Durch die Veruntreuung von Steuergeldern zur Rettung wildfremder Staaten wird es nur noch teurer. Konkursverschleppung vom Feinsten. Ausstieg aus dem Euro, dann rettet sich Deutschland vor den ganzen saugenden Zecken der EU.
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