Währungswende China akzeptiert schwächeren Dollar

Schluss mit der Dollar-Bindung: China hat überraschend eine größere Flexibilität seiner Landeswährung angekündigt und reagiert damit auf Druck aus den USA. Fügt sich Peking nun in eine neue Weltwährungsordnung, in der der Yuan eine wichtigere Rolle spielt - und der Greenback eine immer geringere?

Geldwechsel in chinesischer Bank (in Huaibei): Exportweltmeister China sendet Botschaft gen Washington
REUTERS

Geldwechsel in chinesischer Bank (in Huaibei): Exportweltmeister China sendet Botschaft gen Washington


Peking - China fühlt sich stark genug, die Dollarbindung der Landeswährung Yuan aufzugeben - eingeführt wurde sie auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor zwei Jahren. Die Erholung der Wirtschaft stehe nun auf einer solideren Basis, teilte die chinesische Zentralbank am Samstag auf ihrer englischsprachigen Web-Seite mit. "Es ist wünschenswert, die Reform der Wechselkurspolitik voranzutreiben und die Flexibilität des Wechselkurses zu erhöhen", hieß es dort.

Die abstrakten Worte könnten es in sich haben. Finanzmedien weltweit wie Bloomberg, die "Financial Times" und das "Wall Street Journal" widmeten der Breaking news aus der Währungswelt Titelgeschichten auf ihren Websites. Am Nachmittag deutscher Zeit meldeten sich dann erst US-Finanzminister Timothy Geithner und später Präsident Barack Obama selbst zu Wort, um den Schritt der Chinesen zu loben - zugleich aber weitere Diskussionen und noch mehr Entgegenkommen zu fordern.

Einen Termin für den angekündigten Kurswechsel nannte die Notenbank nicht. Die Ankündigung des Exportweltmeisters China könnte aber ein erster, noch vorsichtiger Schritt hin zu einer neuen Architektur des Weltwährungsgefüges sein. Denn nach Einschätzung von Finanzexperten bedeutet die Erklärung , dass China den festen Wechselkurs des Yuan aufgibt, mit dem der Exportweltmeister seine Ausfuhren begünstigt und Arbeitsplätze sichert. Fachleute halten den Yuan, auch Renminbi genannt, für bis zu 40 Prozent unterbewertet.

Die Aufgabe der Dollarbindung werde eine schrittweise Aufwertung des Yuan zur Folge haben, sagte ein Analyst in Peking, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Die Zentralbank erklärte zwar selbst, es gebe kurzfristig keine Grundlage für große Veränderungen beim Wechselkurs, für den weiterhin "die bereits angekündigte Bandbreite" gelte. Ein Mitglied des währungspolitischen Ausschusses der chinesischen Zentralbank, Li Daokui, erklärte jedoch nach Angaben der Agentur Dow Jones, die Ankündigung bedeute das Ende des festgelegten Yuan-Wechselkurses.

Obama: Das sichert den Aufschwung

China hatte den Wechselkurs im Juli 2008 auf 6,8 Yuan für einen Dollar festgelegt, um Millionen Arbeitsplätze vor der Krise zu schützen. Der Kurs durfte nur um 0,5 Prozent schwanken. Die Ankündigung, diese Politik zu beenden, erfolgte kurz vor dem Gipfel der Gruppe der 20 einflussreichsten Industrie- und Schwellenländer (G20) am kommenden Wochenende in Toronto. Dort sollte auch Chinas starre Yuan-Politik Thema sein.

Der Streit um Chinas Währung schwelt seit Jahren. Die USA gehören zu den schärfsten Kritikern. Vor dem Treffen in Toronto hatte US-Präsident Obama in einem Brief an die Regierungschefs gefordert, dass die Weltwirtschaft nur gesunden könne, wenn auch die Wechselkurse vom Markt bestimmt werden könnten.

Ein Berater der Notenbank in Peking sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Mitteilung sei auch als Botschaft an die USA gedacht, ihre Schuldzuweisungen zu stoppen.

Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, begrüßte am Samstag Chinas Ankündigung. Das Vorhaben, den Wechselkurs flexibler zu gestalten, sei "eine ermutigende Entwicklung", erklärte er in Washington. "Eine entschlossene Umsetzung wäre ein positiver Beitrag zu einem robusten und ausgewogenen, globalen Wachstum", teilte auch US-Finanzminister Geithner mit. Washington freue sich, die Zusammenarbeit mit China im Rahmen der G20 sowie bilateral fortzusetzen, um die Wirtschaftserholung zu stärken.

Auch Obama hat Pekings Initiative begrüßt. "Chinas Entscheidung, die Flexibilität seines Wechselkurses zu erhöhen, ist ein konstruktiver Schritt, der bei der Sicherung des Aufschwungs helfen und zu einer ausgewogeneren Weltwirtschaft führen kann", hieß es in einer Erklärung des Staatschefs in Washington.

Weil der Yuan fest an die US-Währung gekoppelt ist, bekommt er auch den Kursverlust des Euro zu spüren. Der Yuan wertet deshalb zur europäischen Währung auf, chinesische Exporte nach Europa werden deutlich teurer. Das Handelsministerium hatte schon darauf verwiesen, dass die Ausfuhren nach Europa unter Druck gerieten.

Zuletzt hatte sich China erst am Freitag jede Einmischung in seine Währungspolitik verbeten. Die Politik des Wechselkurses sei eine souveräne Angelegenheit, hatte es bei der Zentralbank geheißen. China werde bei seiner Entscheidung darüber sowohl interne als auch globale Wirtschaftsfaktoren berücksichtigen.

itz/AFP/dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 94 Beiträge
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MarkusKrawehl, 19.06.2010
1. Respekt
Die Chinesen sind eben großartige Strategen: Die warten auch noch gerne fünf bis zehn Jahre, bis deren Devisenreserven so unermesslich groß sind, dass sich die USA jeder chinesischen Intervention beugen muss, sofern es nicht den totalen und nachhaltigen Kollaps der eigenen Wirtschaft riskieren will. Die 200 Familien, welche jetzt schon die USA bereits ohne jedliche Wahlbeteiligung regieren können, werden wohl bald das Verdikt der Geschichte spüren müssen. Mit eigenen Waffen geschlagen, nennt man soetwas wohl...
seyinphyin 19.06.2010
2. ...
Devisen sind unbedeutend und am Ende wertlos. Sie müssen Sie schon umsetzen, machen sie derzeit wohl auch, allerdings weniger in eine stabile Gesellschaft, sondern in Rohstoffe. China wird noch genug Probleme bekommen, solange ihr Wachstum zu großen Teilen immer noch auf Ausbeutung beruht und wir sollten das nicht nachmachen.
saschapepper 19.06.2010
3. Danke USA
Herzlichen Dank liebe USA jetzt wird alles teurer werden. Im März hat die Volksrepublik mehr Güter importiert als exportiert. Wieso also dieser Quatsch? Die Konsequenzen werden katastrophal sein. Und der Verbraucher zahlt die Kosten dafür. Leute kauft euch euren Fernseher, Computer, Ipod u.s.w. lieber heute als morgen bevor die Inflation kommt.
redtokiller 19.06.2010
4. Quatsch
Zitat von MarkusKrawehlDie Chinesen sind eben großartige Strategen: Die warten auch noch gerne fünf bis zehn Jahre, bis deren Devisenreserven so unermesslich groß sind, dass sich die USA jeder chinesischen Intervention beugen muss, sofern es nicht den totalen und nachhaltigen Kollaps der eigenen Wirtschaft riskieren will. Die 200 Familien, welche jetzt schon die USA bereits ohne jedliche Wahlbeteiligung regieren können, werden wohl bald das Verdikt der Geschichte spüren müssen. Mit eigenen Waffen geschlagen, nennt man soetwas wohl...
Sie scheinen irgendwie keine Ahnung von Ökonomie zu haben, aber dies ist leider weit verbreitet, selbst unter jenen die Wirtschaftswissenschaften studiert haben. Wenn China auf einen Schlag Ihre Dollar-Währungsreserven auf den Markt wirft, kann es nichts dafür kaufen. Denn Geld bedeutet nichts anderes als ein LEistungsversprechen einer Volkswirtschaft, wenn die Chinesen also den Dollar massiv und schnell entwerten würden , wären sie am schlimmsten davon betroffen, denn schließlich beruht das Vertrauen selbst der Chinesen nicht in Ihre Währung und der undurchsichtigen Wirtschaftpolitik der Chinesischen Regierung , sondern in die Dollar-Reserven der Chinesischen Zentralbank. Bricht der Dollar weg ist auch der Yuan nichts mehr Wert und auch viele andere Währung nicht. Zu glauben es gäbe Abgekoppelte Entwicklungen, zeigt die Einfälltigkeit Linker Agitatoren , welche schon seit je her den Untergang der USA herbeibeten. Wir leben in Vernetzen Gesellschaften, das ist der wirkliche Kern der Globalisierung, China hat kein Intereesse am Untergang der USA und die USA haben seit Beginn der Ping-Pong-Diplomatie Chinas Wirtschaftlichen Aufstieg massiv mitbefördert. Die wirklichen Währungsreserven einer Gesellschaft sind nicht Devisen , nicht Bodenschätze noch sonstige Reichtümer, sondern Menschen die den GEdanken der Freiheit und des Unternehmertums in sich tragen, die selbstbewußt zum Teil überhelblich sich nicht mit dem Status Quo zufrieden geben, sondern die nach ihrem Glück streben.
redpirate37 19.06.2010
5. Welcher Aufschwung?
,,Auch Obama hat Pekings Initiative begrüßt. "Chinas Entscheidung, die Flexibilität seines Wechselkurses zu erhöhen, ist ein konstruktiver Schritt, der bei der Sicherung des Aufschwungs helfen und zu einer ausgewogeneren Weltwirtschaft führen kann",, http://www.miprox.de/Wirtschaft_allgemein/US-Arbeitslosenzahlen.html ,,Erfreuliche Konjunktursignale aus den USA zum Wochenschluss: Die Zahl der Beschäftigten ist nicht so stark gesunken wie befürchtet. Das beflügelt den Dax und den Dollar. Bild zum Artikel Die Wirtschaftserholung in den USA zeigt offenbar allmählich Wirkung am Arbeitsmarkt: Im Februar stabilisierte sich die Arbeitslosenquote bei 9,7 Prozent.,, Das Talent alles schön zu reden haben alle Politiker der letzten Jahrzehnt zumindest. Dumm nur das es mit Schönreden und meckern über die Kritik nicht besser wird. Die Chinesen konzentrieren sich jetzt auf Afrika und den nahen Osten, Südamerika. Da liegt deren Wachstum. Europa und USA sind gesättigt mit Billigexporten.
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