Wärmedämmung Was das Klimapaket für Hausbesitzer und Mieter bedeutet

Die Deutschen sollen weniger Gas und Öl verbrauchen und ihre Häuser besser dämmen. Mit diesen und Dutzenden weiteren Maßnahmen will die Bundesregierung ihr Klimaziel retten. Die wichtigsten Neuregelungen für Verbraucher im Überblick.

Hausfassade in Straubing (Archivbild): Wärmedämmung mit Styroporplatten
picture alliance / dpa

Hausfassade in Straubing (Archivbild): Wärmedämmung mit Styroporplatten


Berlin - Die Bundesrepublik muss ihren CO2-Ausstoß rasch verringern, um die Klimaschutzziele bis 2020 noch zu erreichen. Jetzt hat die Bundesregierung das "Aktionsprogramm Klimaschutz" sowie den "Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz" (NAPE) beschlossen. Drei Milliarden Euro will die Regierung künftig für Anreize zur Gebäudesanierung spendieren.

Zweifel an der Sinnhaftigkeit, Deutschlands Häuser massenhaft in Styropor zu packen, wischt Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) zur Seite. Das sei eine "putzige Debatte". Fakt sei, dass in vielen alten Häusern "im Winter mehr der Garten als das Wohnzimmer geheizt wird".

Umgerechnet 62 bis 78 Millionen Tonnen CO2 will die Bundesregierung zusätzlich einsparen. Dies soll durch ein ganzes Paket von Maßnahmen erreicht werden. Neben Beiträgen aus einer Vielzahl von Sektoren - von Landwirtschaft bis Verkehr - gibt es auch Neuregelungen für Hausbesitzer und Mieter, die meisten sollen im Laufe des kommenden Jahres in Kraft treten.

Hier die wichtigsten Neuregelungen für Verbraucher:

Wie hilft das Finanzamt den Bürgern beim Energiesparen?

Wer sich eine neue Heizung einbaut, die weniger Gas oder Öl verbraucht, soll für eine Einzelbaumaßnahme künftig zehn Prozent seiner Kosten über zehn Jahre vom Fiskus erstattet bekommen.

Ab wann gilt das?

Das neue CO2-Gebäudesanierungsprogramm soll von Januar 2015 an für fünf Jahre laufen. Aber: Bevor es in Kraft treten kann, muss sich der Bund mit den Ländern über die Kosten von einer Milliarde Euro pro Jahr einigen, weil die Steuerausfälle beide Seiten betreffen. Darüber soll am 11. Dezember bei einem Bund-Länder-Gipfel im Kanzleramt gesprochen werden. Die Regierung strebt bis spätestens Ende Februar eine Lösung an, die rückwirkend zum 1. Januar 2015 gelten soll. Das ist wichtig, weil viele Verbraucher in kommenden Wochen Aufträge an Handwerker verschieben könnten, bis sie die Details kennen.

Steht der neue Klimaschutzbonus in Konkurrenz zu laufenden Förderprogrammen der staatlichen KfW-Bank?

Nein. Es handelt sich um ein zusätzliches Angebot. Der Bund will damit zum Beispiel Immobilienbesitzer ansprechen, die Kredite und den damit verbundenen Papierkram scheuen. Gerade Ältere zahlen eine neue Heizung oder das Dach lieber aus eigener Tasche. Sie können dann den Bonus von zehn bis 25 Prozent mit der Steuererklärung geltend machen.

Wird die KfW-Förderung aufgestockt?

Ja. Schon die Vorgängerregierung hatte die Mittel für die Gebäudesanierung von 936 Millionen Euro pro Jahr auf 1,8 Milliarden Euro nahezu verdoppelt. Jetzt soll die Förderung noch einmal auf insgesamt 2 Milliarden Euro erhöht werden. Maximal gefördert werden von der Staatsbank KfW 50.000 Euro pro Wohneinheit. Neu ist, dass auch Sanierungen von Gewerbegebäuden oder Pflegeheimen unterstützt werden.

Warum will die Regierung im Gegenzug die Absetzbarkeit von Handwerker-Rechnungen kürzen?

Es geht ums Geld. Um die neuen Sanierungsanreize für Hausbesitzer zu finanzieren und die Steuerausfälle auf Seiten der Länder zu begrenzen, sollen nur noch Handwerker-Leistungen oberhalb von 300 Euro beim Finanzamt von der Steuerschuld abziehbar sein.

Auch will die Politik, dass eben mehr in energiesparende Maßnahmen investiert wird und nicht mehr der Einbau einer neuen Badewanne begünstigt ist. Der Mieterbund kritisiert, dass das Millionen Mieter treffen würde, während Hausbesitzer bei der Gebäudesanierung fein raus seien.

bos/dpa/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 96 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Knick001 03.12.2014
1. Danke SPD und CDU
Für gar nichts. Diejenigen die in diesem Land das Geld haben werden weiter bevorzugt. Es ist kaum zu glauben aber die Umverteilung von unten nach oben nimmt weiter an Fahrt auf. Die Regierung spendiert außerdem hier gar nichts. Sondern der normale Bürger. Genauso bezahlt der normale Bürger die ganzen Dienstwagen etc mit denen die Firmen ihre Gewinne kleinrechnen. Sonst käme BMW und Co nie auf ihre absatzzahlwn. Von den subventionierten Betriebsleitern ganz zu schweigen. Man muss scheinbar radikal Umdenken beim nächsten Wahlgang damit diese Politiker es vielleicht mal merken.
Inselbewohner, 03.12.2014
2. Gnadenlos
Eines muss man unserer Regierung lassen, wenn sie ersteinmal mit einem Unfug angefangen hat zieht sie es auch Gnadenlos durch. Gibt es schon eine Recyclingvorschrift wie das ganze Zeug wieder entsorgt wird. Durchschnittlich hält so eine Styrophordämmung rund 25-30 Jahre dann ist es Sondermüll. Gruß HP
pirx64 03.12.2014
3. Warum?
Warum soll ich 20.000 ausgeben um damit vielleicht 500 im Jahr zu sparen? Ohne Zinsen einzurechnen bräuchte ich 40 Jahre. So ähnlich schein auch andere zu denken. Als ich letztens in Österreich war habe ich keine Dämmung, Photovoltaik und anderes gesehen.
Mart-73 03.12.2014
4.
Sie haben Recht und dennoch stören wir uns nicht daran. Der private Konsum wird in absehbarer Zeit schrumpfen, Freundschaften dann noch mehr an Bedeutung gewinnen. Gespannt und mit Freude sehen wir in eine Zukunft wo all der nutzlose finanzielle Reichtum seine Anziehungskraft verlieren wird. Weniger ist nicht nur zeitgemäß sondern schont Rohstoffe und vor allem die Nerven. :-) Hier im Osten galten einst echte Werte. Gewiss auch durch den Mangel an vielem verursacht. Welchen Sinn hat eigentlich die Teilnahme an einem Rennen in dem es wenige Gewinner, dafür aber viele Verlierer gibt? Wir kommen mit weniger bestens klar und opfern unsere Freizeit längst nicht mehr der notorischen Optimierung aller Bereiche des Lebens.
darkmattenergy 03.12.2014
5. Rechnungen für Peanuts unter 300 Euro sind zwischen Gentlemen...
...völlig verzichtbar - alleine schon, um Deutsche Beamte nicht der Gefahr auszusetzen, bspw. durch Kürzungen ihrer gewohnheitsrechtlichen Ruhezeiten in den Amtsstuben bedenklich unmenschlichen Qualen ausgesetzt zu werden. Und ordentliche Untertanen sollten sich keineswegs darauf beschränken, den (un)heimlichen Wünschen unserer abgehobenen Politelite einfallslos zu folgen, sondern sich dazu eingeladen fühlen, der vorexerzierten staatlichen Bedarfs-Flexibilität in keiner Weise nachzustehen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.