Rüstungsexport Panzerdeal treibt Aktienkurs von Rheinmetall in die Höhe

Fast 1000 Panzer will der Rüstungkonzern Rheinmetall in Algerien bauen, die Bundesregierung hat offenbar keine Einwände. Anleger reagierten erfreut auf den heiklen Deal: Die Rheinmetall-Aktie legte deutlich zu.

Militärfahrzeug "Fuchs": Panzerfabrik für Algerien
Rheinmetall

Militärfahrzeug "Fuchs": Panzerfabrik für Algerien


Frankfurt am Main - Meldungen über einen milliardenschweren Panzerdeal mit Algerien haben die Wertpapiere des Rüstungskonzerns Rheinmetall beflügelt: Die Aktie des Düsseldorfer Unternehmens legte am Mittwoch zwischenzeitlich um mehr als drei Prozent zu und kletterte an die MDax-Spitze.

Nach Informationen des "Handelsblatts" steht der Konzern kurz vor der Unterzeichnung eines 2,7 Milliarden Euro Vertrages über die Lieferung von 980 "Fuchs"-Panzern an Algerien. In einer speziellen Fabrik nahe Ain Smara im nördlichen Teil des Landes sollen jährlich 120 Militärfahrzeuge gefertigt werden.

Von Rheinmetall hieß es in einer ersten Reaktion, man wolle den Bericht "weder bestätigen noch dementieren". Die Bundesregierung sieht offenbar keinen Anlass, gegen den Deal vorgehen zu wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte am Mittwoch die besondere Rolle Algeriens im Kampf gegen den Terrorismus. Das nordafrikanische Land gilt gegen die Terrororganisation Al-Kaida als wichtiger Partner des Westens.

Wenn sich die Sicherheitslage in Algerien nicht ändere, hätten frühere Exportgenehmigungen weiter Bestand, hieß es aus Regierungskreisen. Das autoritär geführte Algerien sei stabil, der ölreiche Staat sei kein Bürgerkriegsland. Ursprünglich hatte die schwarz-gelbe Koalition das Geschäft im Jahr 2011 genehmigt.

Rüstungsgüter für Algerien sollen zehn Milliarden einbringen

Für die schwarz-rote Regierung sind Waffengeschäfte jedoch ein schwieriger Spagat. Schließlich hatte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) unlängst angekündigt, künftig weniger Rüstungsexporte von Panzern und Kleinwaffen genehmigen zu wollen.

Der Rüstungsexperte der Linksfraktion, Jan van Aken, kritisierte den Verkauf einer kompletten Panzerfabrik: "Es kann und darf nicht sein, dass die deutsche Kanzlerin Waffen in ein Land verkauft, in dem die Meinungs- und Pressefreiheit massiv eingeschränkt wird, Demonstrationen regelmäßig verboten werden und Wahlen immer wieder eine Farce sind."

Börsenhändler zeigten sich vom Fortschritt und der Größe des Auftrags überrascht. "Dass Rheinmetall und Algerien miteinander verhandeln, ist schon länger bekannt, offenbar kommt am Markt heute aber gut an, dass sie kurz vor einer Einigung stehen", sagte ein Händler.

Der Panzer-Deal ist dem Handelsblatt zufolge nur eines von mehreren Geschäften: Insgesamt sollen deutsche Rüstungsgüter im Wert von zehn Milliarden Euro nach Algerien verkauft werden. Von dem Auftrag würde nicht nur die Düsseldorfer Waffenschmiede profitieren: Geländewagen und Transporter solle Daimler liefern, Kriegsschiffe kämen von Thyssen-Krupp, hieß es. Auch die beiden Unternehmen wollten sich zu den Berichten zunächst nicht äußern.

daf/Reuters/AFP/dpa

insgesamt 3 Beiträge
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Zensi Erter 18.06.2014
1. Widerlich
Zitat von sysopRheinmetallFast 1000 Panzer will der Rüstungkonzern Rheinmetall in Algerien bauen, die Bundesregierung hat offenbar keine Einwände. Anleger reagierten erfreut auf den heiklen Deal: Die Rheinmetall-Aktie legte deutlich zu. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/waffendeal-mit-algerien-befluegelt-aktienkurs-von-rheinmetall-a-975935.html
Deutschland spielt sich immer gern als friedliebende Nation auf, bewaffnet aber die ganze Welt mit High-Tech Toetungsmaschinerie. Und wenn's dann mal wieder kracht schickt man seine eigenen Jungs nicht los, sondern verkriecht sich lieber hinter seinen Buendnispartern, vor allem natuerlich hinter den poehsen poehsen USA, die sich in Krisengebieten heute schon oft Waffen made in Germany gegenueber sehen. Hauptsache die Kohle stimmt...
raber 18.06.2014
2. Deutsche Waffen in alle Welt
Das sind die Firmen die an Kriegen verdienen; und da sind viele deutsche dabei, wenngleich immer über die USA und Russen hergezogen wird. Wie fördern diese Firmen ihr Geschäft? Haben sie Interesse daran, dass es möglichst viele Kleinkriege gibt um den Absatz zu fördern? Wie kann ein Land einen hohen Friedensanspruch geltend machen und dies frömmelnd betonen, wenn es eines der wichtigsten Exportländer von Kriegsmaterialien ist? Meinungsfreiheit und Menschenrechte werden bei solch einem Geschäft natürlich nicht thematisiert.
si-ar 19.06.2014
3.
Es ist wirklich erstaunlich,wie schnell die Meldung von der ersten Seite verdrängt wurde. In anderen Medien wird noch nicht einmal darüber berichtet. Ist das so ein heißes Eisen?
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