Waffengeschäfte Millionenzahlungen in fragwürdige Kanäle

Es ging um vier Kriegsschiffe und um sehr viel Geld: Bei dem U-Boot-Deal der Kieler Werft HDW mit Griechenland könnte nach SPIEGEL-Informationen nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt.


Hamburg - Beim Verkauf von U-Booten der Kieler HDW-Werft an Griechenland sind offenbar rund 55 Millionen Euro in fragwürdige Kanäle geflossen. Das geht nach SPIEGEL-Informationen aus Akten der Münchner Staatsanwaltschaft hervor. Die Beamten ermitteln in mehreren Fällen gegen Manager des HDW-Vertriebspartners, der Essener Ferrostaal AG, wegen Bestechung und Untreue. Insgesamt werden über 50 Beschuldigte in dem Verfahren geführt, unter ihnen auch drei ehemalige Ferrostaal-Vorstände.

Das U-Boot-Geschäft mit Griechenland, das in den Jahren 2000 und 2002 unterzeichnet wurde, hatte ein Volumen von 1,6 Milliarden Euro. Dafür sollte Athen vier Boote der 214er-Klasse abnehmen. Zusätzlich sollten ältere Boote umgerüstet werden. Für die HDW seinerzeit ein Leuchtturmprojekt. Um den Milliardenauftrag gegen die Konkurrenz aus Frankreich, Schweden und Holland gewinnen zu können, schaltete Ferrostaal eine Beratergruppe um den früheren Freund von Franz Josef Strauß, Hermann Graf von Pückler, ein. Zu der Gruppe, die bei Ferrostaal intern Team A genannt wurde, gehörte auch ein Geschäftsmann, dessen Name bereits im Fuchs-Panzer-Geschäft der Firma Thyssen von 1991 auftauchte, bei dem seinerzeit 220 Millionen Mark an mutmaßlichen Schmiergeldern geflossen waren.

Der frühere Ferrostaal- und HDW-Vorstand Johann Friedrich Haun hatte nach SPIEGEL-Informationen in einer Vernehmung ausgesagt, man habe zwar mit den Beratern nie über Bestechung gesprochen. Doch jedem sei klargewesen, dass diese Berater des Teams A, falls nötig, auch Geld an Entscheidungsträger durchstecken würden, um den Auftrag zu gewinnen.

Wenn dies so passiert sei, was laut Haun wahrscheinlich gewesen sei, sei das für ihn auch "in Ordnung" gewesen. Das Unternehmen wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern.

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