Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Umstrittenes Waffengeschäft: Rheinmetall will Panzer für Algerien bauen

Fregatten, Panzer, Lkw: Deutsche Industriekonzerne stehen offenbar vor milliardenschweren Rüstungsgeschäften mit Algerien. Erstmals geht es nicht mehr nur um den Verkauf von Waffen, sondern einer ganzen Fabrik.

Militärfahrzeug "Fuchs": Algerien verspricht nur Eigengebrauch Zur Großansicht
Rheinmetall

Militärfahrzeug "Fuchs": Algerien verspricht nur Eigengebrauch

Frankfurt am Main - Der Rüstungskonzern Rheinmetall will einem Zeitungsbericht zufolge Panzer an Algerien verkaufen. In den kommenden Wochen werde das Unternehmen einen Vertrag zur Produktion von 980 Panzern des Typs "Fuchs 2" unterzeichnen, berichtet das "Handelsblatt" ohne Angabe von Quellen. Der Auftrag habe ein Gesamtvolumen von 2,7 Milliarden Euro.

Insgesamt seien Projekte im Wert von zehn Milliarden Euro vereinbart, berichtete das Blatt weiter. Beteiligt seien neben Rheinmetall Chart zeigen auch andere deutsche Unternehmen, so der ThyssenKrupp-Konzern Chart zeigen , der zwei Fregatten liefere, und der Autobauer Daimler Chart zeigen, der "Technologiepartner" sei für die Produktion von Lkw und Militärfahrzeugen.

Ein Rheinmetall-Sprecher wollte den Bericht in einer ersten Reaktion "weder bestätigen noch dementieren". Auch die anderen beteiligten Unternehmen wollten sich mit Hinweis auf Verschwiegenheitsklauseln nicht äußern. Ein Sprecher von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel sagte der Zeitung, es handele sich um eine Genehmigungsentscheidung der Vorgängerregierung.

Umstrittenes Geschäft

Es gebe derzeit auch keinen Anlass, die Genehmigungen zurückzuziehen, hieß es aus Regierungskreisen. Andernfalls hätten die beteiligten Rüstungskonzerne "erhebliche Schadenersatzansprüche", die in den Milliardenbereich gehen könnten. Die Sicherheitslage in Algerien habe sich nicht verändert, der nordafrikanische Staat sei kein Bürgerkriegsland, hieß es weiter.

Erstmals liefert Deutschland damit nicht allein Panzerfahrzeuge an ein autoritäres Regime, sondern gleich eine ganze Fabrik. Die Fertigung entsteht in der nordalgerischen Stadt Ain Smara und sei auf eine Jahreskapazität von 120 Fahrzeugen ausgelegt, schreibt das Blatt weiter. Das nordafrikanische Land habe sich verpflichtet, die Waffen später nicht in andere Länder weiterzuverkaufen.

Rüstungsgeschäfte im arabischen Raum sind in der Großen Koalition umstritten, zuletzt blockierte Vizekanzler Sigmar Gabriel Waffenlieferungen an Saudi-Arabien. Die weitaus umfangreicheren Lieferungen an Algerien wird Gabriel wohl nicht stoppen.

Partner im Kampf gegen Islamisten

Das Geschäft geht auf Abmachungen aus dem Jahr 2008 zurück, als Bundeskanzlerin Angela Merkel das nordafrikanische Land besuchte. 2011 gab der Bundessicherheitsrat der damaligen schwarz-gelben Koalition dann die Freigabe für das Rahmenabkommen.

Algerien wurde unter der Führung des Präsidenten Abdelaziz Bouteflika, der im April im Amt bestätigt wurde, ein Partner der USA im Kampf gegen militante Islamisten in der Region. Außerdem ist das Land ein zuverlässiger Lieferant von Erdgas an Europa.

Der Milliardenauftrag dürfte den Aktien von Rheinmetall Auftrieb geben. Ein Händler sieht wegen des Berichts am Mittwoch deutliches Kurssteigerungspotenzial für die Rheinmetall-Aktie. Bei L&S zog das Papier vorbörslich rund zwei Prozent an.

mik/Reuters/dpa-AFX

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
humorrid 18.06.2014
Stimmt nicht ganz, unsere Rüstungsindustrie verkauft schon lange ganze Fabriken, Technologie-Lizenzen, Produktionslinien und sogar Personal. Dazu gibt es einige fundierte Reportagen auf arte.
2. Na ja....
klotsack 18.06.2014
Fabriken in Afrika zu bauen ist im Rahmen von Entwicklungshilfe sicher eine verdienstvolle Sache. Aber gerade so eine? Im übrigen ist die Zusage der algerischen Regierung, die Rüstungsgüter würden nicht in die falschen Hände geraten nicht sehr vertrauenserweckend. Ich bezweifle ohnehin, daß Panzer bei einer (Nord)afrikanischen Regierung in den "richtigen" Händen sind.
3. Kopfschmerzen
schwarzeruhu 18.06.2014
Mehr Waffen nach Nordafrika verkloppen, und sich dann wundern, wenn Flüchtlingsströme kommen. Waffenexporte verbieten!
4.
robbstark2 18.06.2014
Wie dem Bericht zu entnehmen ist gibt es mindestens 3 gute Gründe dafür dieses Geschäft zu machen: 1. Umsatz für deutsche Firmen 2. Sicherung der Erdgasversorgung und 3. Kampf gegen den Islamismus Nun werden sicher die üblichen Gutmenschen wieder ein Haar in der Suppe finden, ich hoffe aber, das die Bundesregierung ausnahmsweise mal die deutschen Interessen im Blick hat und danach handelt.
5. Ein Mensch mit entwickelter Moral
derausdemregenkam 18.06.2014
verdient kein Geld mit Kriegswaffen. Weder mit Handel noch mit Herstellung. Das gilt für die da oben, die Millionen scheffeln, genauso wie für die da unten mit mickrigen Stundenlöhnen. In einer wirklich ziviliserten Welt wird es keine Kriegswaffen mehr geben. Dadie Menschheit insgesamt aber kaum über das Embryostadium hinaus ist, wird das freilich noch etwas dauern.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: