Rom - Eigentlich könnten sich die Italiener bei ihrem Landsmann Mario Draghi bedanken. Seit der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) im vergangenen Jahr den unbegrenzten Aufkauf von Staatsanleihen in Aussicht gestellt hat, ist für Italien vieles besser geworden. Die Investoren leihen dem Land wieder problemlos Geld zu akzeptablen Zinsen. Von einer möglichen Pleite spricht heute niemand mehr.
Silvio Berlusconi sieht die Rolle der EZB offenbar ein bisschen anders. Er wirft ihr Versagen im Kampf gegen die Euro-Krise vor. Der Euro sei eine "schwache Währung", da er von der Zentralbank nicht gestützt werde.
"Wenn es so weitergeht, dass sie keine Staatsanleihen garantiert und nicht zum Gelddrucken bereit ist, werden einige Länder zu ihren nationalen Währungen zurückkehren müssen," sagte der Medienunternehmer und Milliardär am Dienstag der Online-Ausgabe des "Corriere della Sera".
Berlusconi war Ende 2011 vom Amt des Ministerpräsidenten zurückgetreten - auch, weil ihm im Kampf gegen die Krise viele Fehler vorgeworfen wurden. Nun will er wieder zurückkommen. Bei der Parlamentswahl am kommenden Sonntag tritt er als Spitzenkandidat eines Parteienbündnisses an. Seine Chancen, erneut Ministerpräsident zu werden, sind laut Umfragen zuletzt wieder gestiegen.
Im Wahlkampf kritisiert Berlusconi regelmäßig die Krisenpolitik des italienischen Ministerpräsidenten Mario Monti, aber auch die der deutschen Kanzlerin Merkel. Auch mit dem Euro-Austritt Italiens hat er schon häufiger gedroht.
In Deutschland wächst derweil die Angst vor Berlusconis Comeback. So fürchtet der haushaltspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Nobert Barthle, dass Italien unter Berlusconi von der Stabilitätspolitik abrückt, was für den Euro "ernsthafte" Folgen haben könnte.
Außenminister Guido Westerwelle (FDP) mahnte in der "Süddeutschen Zeitung": "Wer auch immer die neue Regierung stellt, wir setzen darauf, dass der proeuropäische Kurs und die notwendigen Reformen fortgeführt werden." Der Unions-Außenpolitiker Ruprecht Polenz sagte, Italien brauche ein politisches Führungspersonal, mit dem man Zukunft verbinde. "Dafür steht Berlusconi sicherlich nicht."
stk/Reuters
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