Kitas, Nahverkehr, Müllabfuhr Warnstreiks treffen Eltern und Pendler

Die Gewerkschaften setzen ihre Warnstreiks im öffentlichen Dienst fort. An diesem Mittwoch sind NRW und Hamburg besonders betroffen - und in den kommenden Tagen zahlreiche weitere Orte.

Beschäftigte der Stadtreinigung Hamburg
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Beschäftigte der Stadtreinigung Hamburg


Busse und Bahnen fahren nicht, Kitas bleiben geschlossen, und der Müll wird nicht abgeholt: Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes in Bund und Kommunen haben die Gewerkschaften am Mittwoch ihre Warnstreiks fortgesetzt. Sie fordern sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro pro Monat.

In vielen deutschen Städten war daher der Nahverkehr stark eingeschränkt. So fuhren in Köln und Düsseldorf am Mittwochmorgen viele Straßenbahnen und Busse nicht. Viele Arbeitnehmer wichen auf das Auto aus, auf den Straßen in Nordrhein-Westfalen staute sich deshalb der Verkehr.

Mancherorts blieben Kitas geschlossen, etwa in Stuttgart oder Hamburg. In Leipzig betraf das laut der Stadtverwaltung sieben Kindertagesstätten und 22 Kinderhorte, mehr als 40 Einrichtungen sind demnach nur eingeschränkt geöffnet. In Hamburg streikten zudem Beschäftigte der Stadtreinigung und des Zolls.

Von Warnstreiks betroffen war auch Baden-Württemberg. In Esslingen bei Stuttgart ruhte der Gewerkschaft Ver.di zufolge am Morgen der Nahverkehr, ebenso wie in Heidenheim und Sachsenheim.

Bislang lehnen die Arbeitgeber den geforderten Mindestbetrag ab und hatten in den ersten beiden Verhandlungsrunden kein Angebot gemacht. Eine abschließende Verhandlungsrunde soll am 15. und 16. April stattfinden.


Auch in den kommenden Tagen sollen die Warnstreiks fortgesetzt werden. Ver.di hat bereits Arbeitsniederlegungen in folgenden Orten und Einrichtungen angekündigt - allerdings erhebt diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

Donnerstag, 22. März:

  • Baden-Württemberg: Kitas und zahlreiche (nicht näher benannte) Dienststellen im Landkreis Göppingen. Ganztagsbetreuung in Schulen in Stuttgart von 10.30 bis 14.00. Dienststellen im Landkreis Ludwigsburg, Aalen und im Ostalbkreis.
  • Bayern: Kitas, Müllabfuhr, Stadtwerke und Ämter in München
  • Hessen: Dienststellen in Darmstadt und zahlreichen weiteren Städten in Südhessen sowie im Main-Kinzig-Kreis
  • Schleswig-Holstein: Dienststellen in Lübeck und Ostholstein

Freitag, 23. März:

  • Baden-Württemberg: Kitas, Nahverkehr und Dienststellen in Karlsruhe; Dienststellen in Schwäbisch-Gmünd und im Ostalbkreis.

fdi/dpa



insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
max-mustermann 21.03.2018
1.
"Warnstreiks treffen Eltern und Pendler" Das ist nun mal der Sinn von Streiks, würden sie niemanden treffen wären sie ja zwecklos. Aber ich sehe schon es wird nicht lange dauern bis hier wieder die ersten gegen die Gewerkschaften hetzen. Und dann jammern die selben Leute wieder über die niedrigen Löhne in Deutschland.
ptb29 21.03.2018
2. Die Mitarbeiter im öffentlichen Dienst
haben sichere Arbeitsplätze. Wenn aber Gewerkschaften immer wieder große Bevölkerungsgruppen als Geisel nehmen, um ihre Interessen durchzusetzen, ist das inakzeptabel. Das heißt: wir sind nicht dafür, müssen uns damit abfinden. Zufällige Gemeinsamkeiten zu großen Reden heute sind beabsichtigt. Hoffentlich denkt die DUH daran, ihre Gasmelder aufzustellen, wenn der ÖPNV bestreikt wird und die Werktätigen mit dem Auto zur Arbeit fahren.
womo88 21.03.2018
3. @ ptb29 Sklaven hatten auch sichere Arbeitsplätze
Was ist der Erkenntnisgewinn? Lohnanpassungen kann man eben meist nur mit Streiks durchsetzen. So ist das Geschäft.
DerAndereBarde 21.03.2018
4. Non sequitur
Zitat von max-mustermann"Warnstreiks treffen Eltern und Pendler" Das ist nun mal der Sinn von Streiks, würden sie niemanden treffen wären sie ja zwecklos. Aber ich sehe schon es wird nicht lange dauern bis hier wieder die ersten gegen die Gewerkschaften hetzen. Und dann jammern die selben Leute wieder über die niedrigen Löhne in Deutschland.
Hier ist nur der letzte Halbsatz wahr, wenn auch trivial. Streikrecht wurde eingeführt, um Waffengleichheit zwischen Arbeitern und Kapitalisten herzustellen. Treffen soll und darf ein Tarifstreik erst mal nur den Verhandlungsgegner, alles weitere ist neu zu bewerten. Werden Betriebe bestreikt, die öffentliche Grundversorgung leisten, und gleichzeitig der Schaden den Nutzern dieser Grundversorgung aufgebrummt, indem Streik als höhere Gewalt behandelt wird, ist etwas gehörig schief. Mit diffusen Solidaritätsforderungen kann man das nicht ethisch begründen. Und der Staat hat den Gewerkschaften erfolgreich den schwarzen Peter zugespielt; das festzustellen hat nichts mit Hetze zu tun. Forderungen der Gewerkschaften sind nun mal, mögen man den Betroffenen noch so viel gönnen und wünschen, nicht a priori gerechtfertigt, sondern per Definition Streitgegenstand. Sinnvoll wäre im öffentlichen Interesse eine symmetrische Friedens- und Schlichtungspflicht.
liverbird 21.03.2018
5.
Kann mir mal jemand von den ganz Schlauen hier erklären, wie der Öffentliche Dienst streiken will, ohne jemanden aus der Bevölkerung zu "treffen"?? Das geht nicht und die Arbeitgeber sind leider nicht zu Gehaltserhöhungen bereit. Nicht mal im Rahmen der Inflationsrate. Wenn hier also jemand die mit dem Wohle der Bevölkerung spielt, sind es die Arbeitgeber. Würden die Verhandlungswillen zeigen, wären Streiks gar nicht notwendig. Das machen sie aber nicht, also bleibt nur der Streik! Aber egal, erstmal unreflektiert auf die Beschäftigten einprügeln. Dazu noch eine reißerische Überschrift bei SPON und alle sind glücklich.
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