Prüfung durch externe Experten Spaniens Banken müssen die Bücher öffnen

Mehr Rückstellungen, Bad Banks und eine Untersuchung durch unabhängige Experten: Mit umfangreichen Eingriffen will Spanien das Vertrauen in seinen Bankensektor wiederherstellen. Doch die Anleger kann das Reformpaket bislang nicht beruhigen.

Bankenviertel von Madrid: Die Rückstellungen sollen auf 137 Milliarden steigen
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Bankenviertel von Madrid: Die Rückstellungen sollen auf 137 Milliarden steigen


Hamburg - Spanien stemmt sich mit einem umfassenden Reformpaket gegen die Krise seines Bankensektors. Wie von der EU gefordert, sollen die Institute ihre Immobilien-Portfolios durch unabhängige Experten überprüfen lassen. Dazu will Spanien externe Berater ins Land holen. Zwei Prüfungsgesellschaften sollen angeheuert werden und die Bücher der Kreditwirtschaft unter die Lupe nehmen.

Problematische Kredite sollen in Bad Banks überführt werden, die Auffanggesellschaften werden dazu neu gegründet. Um sich vor weiteren Ausfällen von Immobilienkrediten zu schützen, müssten die Institute zudem zusätzliche 30 Milliarden Euro zurücklegen, sagte Wirtschaftsminister Luis de Guindos am Freitag in Madrid. Insgesamt sollen die Rückstellungen damit auf 137 Milliarden Euro anschwellen.

An der Börse weckten die Ankündigungen zunächst kein Vertrauen: Der spanische Aktienmarkt notierte mehr als drei Prozent im Minus. Auch andere europäische Börsenindizes sanken ab, die Risikoaufschläge auf spanische Staatsanleihen zogen an.

Staatshilfen für die Banken sehe die am Freitag vom Kabinett abgesegnete Reform zwar nicht vor, erklärte die Regierung. Sie erwägt jedoch, den Banken Darlehen zur Verfügung zu stellen. Zudem soll der Banken-Restrukturierungsfonds (FROB) den Banken finanziell notfalls unter die Arme greifen. Dennoch bringe die Reform keine zusätzlichen Kosten für den spanischen Steuerzahler und treibe das staatliche Defizit nicht noch weiter in die Höhe.

Jüngsten Prognosen der EU-Kommission zufolge wird es für die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone ohnehin schwer, ihre fiskalischen Zusagen einzuhalten. Demnach wird das Defizit ohne neue Einschnitte in diesem und im nächsten Jahr mehr als sechs Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen. Verabredet sind 5,3 und anschließend 3,0 Prozent.

Spanien leidet schwer unter den Nachwehen einer vor vier Jahren geplatzten Immobilienblase, die dem Land inzwischen die zweite Rezession nach 2009 und eine rekordhohe Arbeitslosigkeit einbrockte. Erst am Mittwochabend hatte die spanische Regierung in einer Nacht- und Nebel-Aktion die Kontrolle über das Geldhaus Bankia übernommen.

Einer Studie der Citigroup Chart zeigen zufolge sitzen die spanischen Geldhäuser auf Krediten von rund einer Billion Euro, die am maroden Immobiliensektor hängen. Wie viel davon faul und damit vom Ausfall bedroht sind, konnte bislang kaum eingeschätzt werden. Deshalb hatte die EU auf eine unabhängige Untersuchung der Bilanzen gedrungen.

dab/dpa/Reuters/dapd

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insgesamt 5 Beiträge
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wibo2 11.05.2012
1. Durch Transparenz soll Vertrauen wiederhergestellt werden!
Zitat von sysopREUTERSMehr Rückstellungen, Bad Banks und eine Untersuchung durch unabhängige Experten: Mit umfangreichen Eingriffen will Spanien das Vertrauen in seinen Bankensektor wiederherstellen. Doch die Anleger kann das Reformpaket bislang nicht beruhigen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,832712,00.html
Gute Idee: Die spanische Regierung reguliert die Banken. Buchprüfer erkennen Pleitebanken, die dann vom Staat übernommen werden. Zusätzlich werden zur Sanierung des Finanzsystems "Bad Banks" eingerichtet. So ist es richtig! Das ist der richtige Weg. So und nicht anders. Wer Geld hat, der überweist es jetzt raus aus dem Land. Der hebt es von seinen Konten bei den Banken ab. Die Kapitalflucht in und aus Spanien kann nur durch diese vertrauensbildende Maßnahmen gestoppt werden.
Zoetrop 11.05.2012
2. Augenwischerei
Zitat von sysopREUTERSMehr Rückstellungen, Bad Banks und eine Untersuchung durch unabhängige Experten: Mit umfangreichen Eingriffen will Spanien das Vertrauen in seinen Bankensektor wiederherstellen. Doch die Anleger kann das Reformpaket bislang nicht beruhigen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,832712,00.html
Ist doch alles wieder nur Augenwischerei. Die Rückstellungen sollen also auf 137 Mrd Euro "anschwellen" Rechnen wir mal: Etwa 1000 Mrd Euro wurden als Hypotheken für Immobilien ausgegeben. Vergleicht man die aktuellen Immobilienpreise in einer x- beliebigen Großstadt in Nordspanien mit z.B. Hannover in Deutschland, stellt man schnell fest, dass die Immobilienpreise selbst heute noch um 50% in Spanien zu hoch sind. Das wären dann 500 Mrd Euro als Wertberichtigung. Wenn man dann noch eine um 20% geringere Kaufkraft der Spanier ansetzt (vorsichtig gerechnet), liegt die Differenz bei 600 Mrd Euro. Wie man diese Geldvernichtung auffangen will, entzieht sich meiner Vorstellung. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um notleidende Kredite handelt oder ob die Kredite bedient werden. Das Geld ist weg, entweder im Konsum verfrühstückt oder auf Banken in der Schweiz.
edmond_d._berggraf-christ 11.05.2012
3. Das Bankenmysterium: Warum dürfen diese nicht in Konkurs gehen?
Seit geraumer Zeit scheint es ein neues Staatsgeheimnis (die berühmten Arcana Imperii) zu geben, nämlich das Mysterium, warum man Banken nicht wie jede andere Unternehmung in den Konkurs gehen lassen kann; denn alle anderen Firmen von Bauunternehmen über Ladenketten bis hin zu Versandhäusern können und dürfen in den Konkurs gehen, wenn auch die Parteiengecken sich hin und wieder durch armselige Rettungsversuche wichtig zu machen versuchen; doch die hierfür aufgewendeten Summen sind lächerlich gering, die Banken aber erhalten Unsummen aus der Staatskasse und Garantien in Höhe mehrerer Staatshaushalte. Die sattsam bekannte Käuflichkeit der Parteienregierungen dürfte mit Sicherheit ein Hauptgrund sein, aber wie es die Banken geschafft haben, sich die Parteiengecken derart dienstbar zu machen ist und bleibt ein Rätsel. Wie dem auch sei: Die Unsummen, mit denen die Banken jonglieren, vermag der Staat nicht zu tragen, weshalb ein kontrollierter Bankenzusammenbruch unumgänglich geworden ist.
ferdinand7 12.05.2012
4. Unsinn
Zitat von ZoetropIst doch alles wieder nur Augenwischerei. Die Rückstellungen sollen also auf 137 Mrd Euro "anschwellen" Rechnen wir mal: Etwa 1000 Mrd Euro wurden als Hypotheken für Immobilien ausgegeben. Vergleicht man die aktuellen Immobilienpreise in einer x- beliebigen Großstadt in Nordspanien mit z.B. Hannover in Deutschland, stellt man schnell fest, dass die Immobilienpreise selbst heute noch um 50% in Spanien zu hoch sind. Das wären dann 500 Mrd Euro als Wertberichtigung. Wenn man dann noch eine um 20% geringere Kaufkraft der Spanier ansetzt (vorsichtig gerechnet), liegt die Differenz bei 600 Mrd Euro. Wie man diese Geldvernichtung auffangen will, entzieht sich meiner Vorstellung. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um notleidende Kredite handelt oder ob die Kredite bedient werden. Das Geld ist weg, entweder im Konsum verfrühstückt oder auf Banken in der Schweiz.
Soviel Unsinn in wenigen Sätzen habe ich selten gelesen. Sie haben von Spanien nicht die Spur einer Ahnung. 1. Wird diese Ziffer von 1 Bill. €uro in diesem Artikel offensichtlich falsch interpretiert. Es handelt sich nämlich um das gesamte Kreditvolumen der spanischen Finanzindustrie. 2.) 320 Milliarden €uro stehen mit dem Immobiliensektor in Verbinding. 3.) 140 Milliarden sind kritisch zu sehen, da es bereits zu vereinzelten Ratenausfällen gekommen ist. Der tatsächliche Abschreibungsbedarf liegt derzeit bei ca 30 Milliarden. 4.) Der exakte Kaufkraftunterschied zu Deutschland liegt übrigens bei durchschnittlich 15%. Die Ziffern, mit denen Sie hier rumschmeißen, sind schlichtweg dahergeholt.
wibo2 12.05.2012
5. Profitmaximierung um jeden Preis! Die Geckos machen Kasse...
Zitat von edmond_d._berggraf-christSeit geraumer Zeit scheint es ein neues Staatsgeheimnis (die berühmten Arcana Imperii) zu geben, nämlich das Mysterium, warum man Banken nicht wie jede andere Unternehmung in den Konkurs gehen lassen kann; denn alle anderen Firmen von Bauunternehmen über Ladenketten bis hin zu Versandhäusern können und dürfen in den Konkurs gehen, wenn auch die Parteiengecken sich hin und wieder durch armselige Rettungsversuche wichtig zu machen versuchen; doch die hierfür aufgewendeten Summen sind lächerlich gering, die Banken aber erhalten Unsummen aus der Staatskasse und Garantien in Höhe mehrerer Staatshaushalte. Die sattsam bekannte Käuflichkeit der Parteienregierungen dürfte mit Sicherheit ein Hauptgrund sein, aber wie es die Banken geschafft haben, sich die Parteiengecken derart dienstbar zu machen ist und bleibt ein Rätsel. Wie dem auch sei: Die Unsummen, mit denen die Banken jonglieren, vermag der Staat nicht zu tragen, weshalb ein kontrollierter Bankenzusammenbruch unumgänglich geworden ist.
Was nicht ewig weitergehen kann wird enden: Am Ende des Tages werden alle Banken verstaatlicht sein, alle Verluste sozialisiert und alle Gewinne privatisiert sein. Postdemokratie, Mediensozialisation sowie Postindustrielle Gesellschaft gehen Hand in Hand: Die Arbeit tun die anderen, wir sind der Priesterherrschaft der Bewusstseinsindustrie unterworfen.
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