Audi-Chef Stadler in U-Haft "23 Stunden am Tag in der Zelle"

Seit Montag sitzt Audi-Chef Rupert Stadler in U-Haft - ohne Kontakt zur Außenwelt. Warum so eine drastische Maßnahme nötig ist und wie sein Alltag aussehen könnte, erklärt der Berliner Strafverteidiger Christian Hieronimi.

Inhaftierter Audi-Chef Stadler
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Inhaftierter Audi-Chef Stadler

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SPIEGEL ONLINE: Audi-Chef Rupert Stadler sitzt seit Montag in Untersuchungshaft, weil die Staatsanwälte befürchteten, dass er Beweise vernichten könnte.

Hieronimi: Aus der Presse habe ich erfahren, dass Stadler sich mit einem oder mehreren Kollegen über die Abgasaffäre unterhalten haben soll. Details, die die Ermittler dabei mitgehört haben, könnten für den Richter Anlass genug gewesen sein, von einer Verdunkelungsgefahr auszugehen.

SPIEGEL ONLINE: Ist das Grund genug für eine Untersuchungshaft? Stadler hat doch einen festen Wohnsitz und seine Familie in Deutschland.

Hieronimi: Solche Erwägungen würden gelten, wenn es um Fluchtgefahr ginge. Wenn es aber um den Tatbestand der Verdunklung geht, dann gibt es keine Möglichkeit, die Untersuchungshaft außer Vollzug zu setzen. Es würde ja nichts nützen, wenn man sich etwa wöchentlich bei der örtlichen Polizeidienststelle meldet, wenn es darum geht, jeden Kontakt zu unterbinden.

SPIEGEL ONLINE: Aber Stadler hatte doch drei Jahre Zeit, um Beweise zu vernichten. Was wollen die Staatsanwälte da jetzt noch finden?

Hieronimi: Das kann man von außen nicht beurteilen. Die Frage ist auch, ob er bisher Tatvorwürfe gegen sich ernst genommen hat. Möglicherweise musste Stadler befürchten, dass bei der Durchsuchung in seinem Büro und in seinem Haus Hinweise gefunden wurden, die ihn dazu gebracht haben, aktiv zu werden.

Christian Hieronimi
  • Privat
    Christian Hieronimi ist als Rechtsanwalt überwiegend im Bereich des Wirtschafts- und Steuerstrafrechts tätig und vertritt sowohl Unternehmen als auch Manager. Zudem lehrt er Wirtschaftsstrafrecht an der Hochschule für Ökonomie und Management in Essen.

SPIEGEL ONLINE: Kann man aus dem Schritt schon ableiten, wie ernst es jetzt für Stadler wird?

Hieronimi: Die Untersuchungshaft dient allein dazu, das Verfahren bis hin zu einem Urteil abzusichern. Es besteht also ein dringender Tatverdacht gegen Stadler. Das ist zwar noch kein Urteil - das heißt, es gilt nach wie vor die Unschuldsvermutung - doch die Beweislage muss schon erdrückend sein.

SPIEGEL ONLINE: Geben Sie uns doch einen kurzen Einblick in den Häftlingsalltag, der Stadler jetzt erwartet.

Hieronimi: Im Regelfall sitzt er allein in einer Zelle. Dort verbringt er normalerweise 23 Stunden am Tag. Am Schlimmsten dürfte für ihn sein, von jeglicher Kommunikation abgeschnitten zu sein.

SPIEGEL ONLINE: Und wie lange darf so eine Untersuchungshaft höchstens andauern?

Hieronimi: Das Gesetz sieht zunächst höchstens sechs Monate vor. Wenn die besondere Schwierigkeit oder der besondere Umfang der Ermittlungen oder ein anderer wichtiger Grund noch nicht zu einem Abschluss des Verfahrens geführt haben, kann sie auch verlängert werden. Eine absolute Höchstdauer der Untersuchungshaft gibt es nicht.

SPIEGEL ONLINE: Sind die Bedingungen nicht wesentlich härter, als bei einer normalen Strafhaft? Dabei gilt für Stadler doch noch die Unschuldsvermutung.

Hieronimi: Das wird auch relativ häufig kritisiert. Aber es muss gewährleistet sein, dass er keinen Kontakt zur Außenwelt hat - keinerlei Telefonate, überwachte Gespräche mit Besuchern. Kein Zugang zum Internet. Die damit verbundenen Härten liegen also in der Natur der Sache.

SPIEGEL ONLINE: Könnte Stadler wenigstens Bücher oder Zeitschriften mit in seine Zelle nehmen, oder die Spiele der Fußball-WM anschauen?

Hieronimi: Alles grundsätzlich erlaubt. Alles, was raus- und reingeht, wird jedoch zuvor genau überprüft. Auch einen Fernseher kann man sich aus naheliegenden Gründen nicht einfach von Zuhause aus mitnehmen. Da ist vorher ein Antrag nötig und eine Bewilligung des Antrags. Bis das alles abgewickelt ist, kann es dauern. Vielleicht gelingt es ja, bevor die WM zu Ende ist.

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