Südeuropäische Zuwanderer Ankunft in der deutschen Realität

Deutschkurs in Madrid: Traumziel Berlin
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Deutschkurs in Madrid: Traumziel Berlin

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2. Teil: Dageblieben - Alberto León und María Antonia Rodríguez


Jetzt sind sie wieder in Sevilla. Dabei wollten Alberto León und María Antonia Rodríguez eigentlich längst im Rheinland sein. Als SPIEGEL ONLINE das Paar im Februar in Madrid traf, waren beide noch voller Zuversicht. Im Gegensatz zu vielen Altersgenossen hatten sie Arbeit, der 31-jährige Alberto sogar einen gut bezahlten Job als Informatiker. Bei seinem Arbeitgeber hatte er die Versetzung nach Düsseldorf beantragt, in die Europa-Zentrale des Unternehmens. Von Deutschland erhoffte auch María Antonia etwas Besseres als ihren Halbtagsjob. Dort könne man "arbeiten lernen", sagte sie.

Nun aber meldet sich eine verzagt klingende María Antonia am Telefon. "Wir sind noch nicht gegangen", erzählt sie, und: "Wir sind beide arbeitslos." Was ist passiert?

Erst traf es María Antonia. Wie die meisten jungen Spanier hatte sie einen Zeitvertrag, im Mai ließ die Firma ihn auslaufen. Das alleine wäre nicht so schlimm gewesen, schließlich hätte sie zum Auswandern ohnehin kündigen müssen.

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Doch nun hing der Plan ganz an Albertos Arbeit. Der Informatiker war für ein bestimmtes Projekt angestellt. Wenn es beendet war, sollte er nach Düsseldorf wechseln - so sei die Absprache mit einem Vorgesetzten gewesen. Aber das Projekt brauchte länger als gedacht. Die Arbeitsbelastung war groß, im Juli wurde er krank. "In der Woche, in der ich krank war, habe ich den Entlassungsbrief bekommen."

Die Firma behaupte, das Projekt sei während seiner Abwesenheit fertiggestellt worden, sagt Alberto, sein Arbeitsverhältnis damit beendet. "Ich glaube bis heute, dass das Projekt unvollendet ist. Ich habe per Telefon und E-Mail versucht, den Chef zu erreichen, mit dem ich über die Versetzung nach Deutschland gesprochen hatte. Aber leider hatte ich keinen Erfolg."

Ohne Arbeit konnte sich das Paar das Leben in Madrid nicht mehr leisten. "Nach vier Monaten mussten wir zurück nach Andalusien und werden jetzt von unseren Eltern unterstützt", berichtet Alberto. Damit geht es den beiden wie einem Großteil jüngerer Spanier. "Für viele wird die Lage langsam richtig hart."

Aufgeben wollen die beiden nicht. "Am Dienstag gehen wir zu einer Veranstaltung von Eures", erzählt María Antonia. Die europäische Arbeitsvermittlung organisiert zusammen mit deutschen und spanischen Arbeitsämtern in Sevilla ein zweitägiges Seminar. Der Titel: "Wie man sich einem Bewerbungsverfahren in Deutschland stellt."

"Zum Glück ist unser Traum noch intakt, nach Deutschland auszuwandern", sagt Alberto. Mit dem Deutschlernen haben die beiden zwar immer noch nicht begonnen. Dennoch hofft der Informatiker auf Angebote von Firmen, die bei dem Seminar vermittelt werden sollen. "Alles was wir wollen, ist arbeiten", sagt Alberto. "Und dafür respektiert werden, dass wir unsere Sache gut machen."

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insgesamt 106 Beiträge
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decebalus911 29.12.2012
1.
Zitat von sysopREUTERSAuf der Flucht vor der Krise brechen Zigtausende Südeuropäer nach Deutschland auf. Wie ergeht es ihnen hier? Junge Spanier, die auswandern wollten, berichten aus ihrem Leben: Manche sind angekommen, andere nie abgereist - oder schon wieder zurückgekehrt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/was-zuwanderer-aus-suedeuropa-in-deutschland-erlebten-a-867707.html
Der Spruch am Ende hat mir gefallen. Aber anscheinend soll es tatsächlich auch Spanier geben, die dahin gehen, wo es Jobs gibt;-)
gumbofroehn 29.12.2012
2.
Zitat von sysopREUTERSAuf der Flucht vor der Krise brechen Zigtausende Südeuropäer nach Deutschland auf. Wie ergeht es ihnen hier? Junge Spanier, die auswandern wollten, berichten aus ihrem Leben: Manche sind angekommen, andere nie abgereist - oder schon wieder zurückgekehrt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/was-zuwanderer-aus-suedeuropa-in-deutschland-erlebten-a-867707.html
Was wollen die bloß alle in Berlin? Haben die noch nie in eine Arbeitslosenstatistik hineingeschaut?
Brigante 29.12.2012
3. Gastarbeiter 3.0
Zitat von sysopREUTERSAuf der Flucht vor der Krise brechen Zigtausende Südeuropäer nach Deutschland auf. Wie ergeht es ihnen hier? Junge Spanier, die auswandern wollten, berichten aus ihrem Leben: Manche sind angekommen, andere nie abgereist - oder schon wieder zurückgekehrt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/was-zuwanderer-aus-suedeuropa-in-deutschland-erlebten-a-867707.html
Gastarbeiter reloaded 3.0 Herrlich, wenn keiner hier einen Anreiz sieht, als Erzieher/in oder Kranken-, Altenpfleger zu arbeiten, jetzt aber zigtausende, gut ausgebildete von "da unten" wieder zur Verfügung stehen. Deutschland, du machst alles richtig.
gast100100 29.12.2012
4.
Fall 3, und mit Abstrichen Fall 1, zeigen, warum die Spanier Probleme haben. Es muss unbedingt Berlin sein, sprich Party, Party, Party.
e_d_f 29.12.2012
5. 32.800 Einwanderer...
aus zivilisierten europäischen Staaten. Und woher kommt der Rest von 500.000 Einwanderern, also die restlichen 467.200? Ich kann es mir zwar denken, aber warum schweigt der Spiegel wohl dazu? Hier wird jedenfalls ein falscher Eindruck zur Struktur der Einwandererschaft vermittelt!
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