Von David Böcking und Maria Marquart
María klingt fröhlich, es sei "alles sehr gut", sagt sie. Morgen wird sie 25, es gibt ein großes Essen mit Freunden. Dann kann María nicht nur Geburtstag feiern, sondern auch ihren neuen Job. Seit drei Monaten arbeitet sie in einer großen Werbeagentur in Madrid. Dass sie dort genommen wurde, sei ein "großes Glück".
Auf dieses Glück hatte María in ihrer Heimat schon nicht mehr zu hoffen gewagt. "Wir haben 200 Tage Sonne im Jahr, aber keine Arbeit", beschrieb sie zu Beginn des Jahres die Lage in Spanien. Für María gab es nur einen möglichen Fluchtpunkt: Berlin, wo sie schon einmal einige Monate verbracht hatte.
Von April bis Juli kehrte sie zurück, versuchte sich kurz als Kellnerin und arbeitete bei zwei Familien als Au-pair-Mädchen. Bei der ersten Familie sei es "schlimm" gewesen, bei der zweiten dagegen toll. Aber dennoch: Eine richtige Arbeit fand María, obwohl sie Deutsch spricht, auch diesmal nicht.
María schrieb wieder Bewerbungen. Im August dann das Vorstellungsgespräch bei der Agentur in Madrid, drei Tage später noch eins - und plötzlich hatte sie einen Job. Die Arbeit gefällt ihr gut, die Firma ist international, hat große Unternehmen als Kunden. Nebenher hat María, die eigentlich Journalistin werden wollte, mit ihrem Chef zusammen auch noch einen kleinen Verlag gegründet. "Ende Januar werden wir unser erstes Buch veröffentlichen." Sie scheint selbst überrascht von so viel Unternehmergeist.
Deutschland fehlt ihr trotz allem. "Mein Leben ist jetzt anders, ich arbeite zwölf, dreizehn Stunden am Tag und habe nicht mehr so viel Zeit wie in Berlin." Doch von Freunden hört sie, dass es für Spanier schwieriger geworden ist. Sie seien nicht mehr so beliebt, weil inzwischen so viele von ihnen in Berlin lebten. "Das kann ich verstehen, aber es ist schade."
Noch immer zieht es junge Südeuropäer vor allem in die hippe deutsche Hauptstadt, obwohl diese wahrlich nicht das Wirtschaftszentrum des Landes ist. Auch María hätte sich in anderen Regionen nach einem Job umsehen können, nach dem ersten Bericht über sie bot ein Rechtsanwalt aus Halle seine Hilfe an. Doch dafür war die Not dann doch nicht groß genug. "Nachdem ich in Berlin war, konnte ich nicht mehr nach Stuttgart oder München gehen."
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