Südeuropäische Zuwanderer: Ankunft in der deutschen Realität

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Auf der Flucht vor der Krise brechen Zigtausende Südeuropäer nach Deutschland auf. Wie ergeht es ihnen hier? Junge Spanier, die auswandern wollten, berichten aus ihrem Leben: Manche sind angekommen, andere nie abgereist - oder schon wieder zurückgekehrt.

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REUTERS

Deutschkurs in Madrid: Traumziel Berlin

Hamburg - 2012 könnte als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem sich Europas Jugend aufmachte, um etwas Besseres zu finden. Die Schuldenkrise in Südeuropa hat die Jugendarbeitslosigkeit in Griechenland und Spanien auf über 50 Prozent getrieben. Deshalb zieht es immer mehr junge Südeuropäer nach Deutschland, wo sie auf Jobs und Perspektiven hoffen.

Allein aus Griechenland zogen zwischen Januar und Juni mehr als 15.800 Menschen nach Deutschland, rund 11.000 Einwanderer kamen aus Spanien, fast 6000 aus Portugal. Insgesamt wanderte laut Statistischem Bundesamt allein im ersten Halbjahr eine halbe Million Menschen nach Deutschland ein. Viele von ihnen sind jung, gut ausgebildet und auf der Flucht vor der Misere in ihren Heimatländern. Und das dürfte erst der Anfang sein: In den kommenden fünf Jahren erwarten Forscher mehr als zwei Millionen neue Zuwanderer.

Ökonomen sehen die Wanderungsbewegung in Europa positiv. Sie erwarten, dass der Zuzug die deutsche Wirtschaft stärkt. Firmen werben gezielt Fachkräfte aus den Krisenländern an und berichten von geglückter Integration. Doch wie sind die Erfahrungen der Einwanderer selbst?

SPIEGEL ONLINE hat in den vergangenen Monaten immer wieder Menschen aus Südeuropa porträtiert, die in Deutschland der Krise entkommen wollen. Nun haben wir drei von ihnen gefragt, was aus ihrem Vorhaben geworden ist:

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Angekommen - Yolanda Benito

Im Juni war für Yolanda Benito der vorläufige Abschied aus Spanien besiegelt. Zwei Jahre lang hatte sie sich in Barcelona um einen Job bemüht. Ihr Freund hatte sie zum Bleiben überredet. Juan hatte Arbeit als Bauingenieur. Bis Juni, dann bekam er die Kündigung. Yolanda wollte schon lange nach Berlin, nun war auch ihr Freund bereit.

Die beiden wohnen seit Juli in einem Ein-Zimmer-Appartement in Kreuzberg. "Manchmal gibt es Stress", sagt Yolanda. "Es ist für zwei Personen sehr klein, aber man muss es mit Geduld und guter Laune versuchen." Geld ist knapp: Das meiste geht für Miete und Krankenversicherung drauf. Statt U-Bahn fahren die beiden Rad. Das Paar lebt vom Ersparten und zeitweise einem Mini-Gehalt, das Yolanda als Messe-Hostess verdiente. Einen festen Job haben beide nicht. Aber Hoffnung.

Juan muss erst einmal Deutsch lernen. Er besucht derzeit einen Integrations- und Sprachkurs. "Er muss sich auf die Sprache konzentrieren, dann kann er einen Job suchen", sagt Yolanda. Die 35-Jährige selbst spricht fließend Deutsch, sie hat bereits mehrere Jahre in Berlin gelebt und gearbeitet.

Yolanda ist Ingenieurin für Telekommunikation, aber sie möchte in die Tourismusbranche wechseln. Eine Weiterbildung hat sie bereits gemacht, außerdem absolviert sie ein Fernstudium in Tourismuswirtschaft. Als sie nach Berlin kamen, hoffte Yolanda auf einen Job am neuen Großflughafen Berlin-Brandenburg. Doch dessen Eröffnung ist durch eine Pannenserie erst einmal in die Ferne gerückt.

"Nach den ersten Bewerbungsgesprächen in Deutschland habe ich Hoffnung", sagt Yolanda. Sie setzt darauf, zumindest ein längeres Praktikum und anschließend einen Job zu bekommen. "In Berlin ist es schwieriger, einen Job zu finden, als in anderen deutschen Städten", weiß sie. Aber hier kennt das Paar sich aus und hat Freunde.

Besonders für die Familie von Juan sei der Abschied schwer gewesen, sagt Yolanda. "Er ist Einzelkind und seine Eltern sind sehr traurig." Ihre Familie hingegen hoffe, dass Yolanda und Juan in Berlin Fuß fassen. "Sie sagen schon: Vielleicht kommen wir irgendwann nach. Und dann eröffnen wir ein Restaurant."

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insgesamt 106 Beiträge
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1.
decebalus911 29.12.2012
Zitat von sysop"Nachdem ich in Berlin war, konnte ich nicht mehr nach Stuttgart oder München gehen."
Der Spruch am Ende hat mir gefallen. Aber anscheinend soll es tatsächlich auch Spanier geben, die dahin gehen, wo es Jobs gibt;-)
2.
gumbofroehn 29.12.2012
Zitat von sysopAuf der Flucht vor der Krise brechen Zigtausende Südeuropäer nach Deutschland auf. Wie ergeht es ihnen hier? Junge Spanier, die auswandern wollten, berichten aus ihrem Leben: Manche sind angekommen, andere nie abgereist - oder schon wieder zurückgekehrt. Was Zuwanderer aus Südeuropa in Deutschland erlebten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/was-zuwanderer-aus-suedeuropa-in-deutschland-erlebten-a-867707.html)
Was wollen die bloß alle in Berlin? Haben die noch nie in eine Arbeitslosenstatistik hineingeschaut?
3. Gastarbeiter 3.0
Brigante 29.12.2012
Zitat von sysopAuf der Flucht vor der Krise brechen Zigtausende Südeuropäer nach Deutschland auf. Wie ergeht es ihnen hier? Junge Spanier, die auswandern wollten, berichten aus ihrem Leben: Manche sind angekommen, andere nie abgereist - oder schon wieder zurückgekehrt.Was Zuwanderer aus Südeuropa in Deutschland erlebten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/was-zuwanderer-aus-suedeuropa-in-deutschland-erlebten-a-867707.html)
Gastarbeiter reloaded 3.0 Herrlich, wenn keiner hier einen Anreiz sieht, als Erzieher/in oder Kranken-, Altenpfleger zu arbeiten, jetzt aber zigtausende, gut ausgebildete von "da unten" wieder zur Verfügung stehen. Deutschland, du machst alles richtig.
4.
gast100100 29.12.2012
Fall 3, und mit Abstrichen Fall 1, zeigen, warum die Spanier Probleme haben. Es muss unbedingt Berlin sein, sprich Party, Party, Party.
5. 32.800 Einwanderer...
e_d_f 29.12.2012
aus zivilisierten europäischen Staaten. Und woher kommt der Rest von 500.000 Einwanderern, also die restlichen 467.200? Ich kann es mir zwar denken, aber warum schweigt der Spiegel wohl dazu? Hier wird jedenfalls ein falscher Eindruck zur Struktur der Einwandererschaft vermittelt!
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Außerdem wurde angekündigt, ausländische Berufsabschlüsse schneller und unbürokratischer anzuerkennen als bisher - auch als Willkommenssignal. Gabriele Sons von Gesamtmetall plädierte dafür, die Gehaltsgrenze für die uneingeschränkte Anwerbung qualifizierter Ausländer zu senken: von derzeit 66.000 auf rund 40.000 Euro im Jahr. Den Vorschlag unterstützt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und die FDP-Fraktion im Bundestag. Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU) kritisiert den Status quo: Es könne nicht sein, "dass ein Zuwanderer mehr verdienen muss als ein Hochschulprofessor, um eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen".
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