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Wege aus der Griechen-Krise: Aufpäppeln, umschulden, aussperren

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Braucht Athen Europas Milliarden wirklich? Sollen die Banken bluten? Oder muss Hellas den Euro-Raum verlassen? Experten und Politiker debattieren derzeit drei Wege aus der Griechen-Krise - und jeder birgt enorme finanzielle Risiken. SPIEGEL ONLINE analysiert die drei Szenarien.

Börse in Athen: Debatte über die Rettung des Pleitestaates Zur Großansicht
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Börse in Athen: Debatte über die Rettung des Pleitestaates

Hamburg - Die Schuldenkrise in Griechenland hat eine heftige Debatte in Deutschland entfacht. Zwar ist das europaweite Rettungspaket längst geschnürt. Doch jetzt, da es hart auf hart kommt, jetzt, da die Regierung in Athen tatsächlich um milliardenschwere Hilfen bittet, gebärden sich einige Politiker so, als wollten sie die Verhandlungen noch einmal von vorne beginnen.

Am deutlichsten äußerte sich in diesem Sinne Guido Westerwelle: "Wer zu früh irgendwelche konkreten Hilfszusagen macht, der wird nur erleben, dass das dann auch den Druck nimmt, in Griechenland die strukturellen Hausaufgaben zu erledigen", ließ sich der Bundesaußenminister am Montag zitieren. Dann deutete er an, die Griechen hätten die zugesagten Hilfen noch nicht sicher. "Die Bundesregierung hat noch nicht entschieden", sagte der FDP-Chef. "Und das heißt, dass eine Entscheidung in verschiedene Richtungen fallen kann."

Die Märkte reagierten auf solche Aussagen prompt: Die Risikoprämie für zehnjährige griechische Staatsanleihen schnellte auf einen neuen Höchststand: Will sich Griechenland Geld borgen, muss es derzeit fast zehnt Prozent Zinsen zahlen.

Am Nachmittag dann bereitete Kanzlerin Angela Merkel dem Spuk ein Ende. Ein Hilfspaket für Athen sei "eine Sache von Tagen", sagte die Regierungschefin. "Deutschland wird helfen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind." Die Märkte stabilisierten sich etwas - vorläufig zumindest.

Die politische Debatte am Montag wirkte etwas hysterisch - und sie ist deutlich mehr als nur ein Profilierungskampf vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen. Denn die Rettung Griechenlands dürfte Deutschland teuer zu stehen kommen. Über den voraussichtlichen deutschen Kreditanteil von 8,4 Milliarden Euro für dieses Jahr hinaus geht auch Merkel davon aus, dass Deutschland mittelfristig noch weitere Hilfen stemmen muss. In der Sitzung des CDU-Präsidiums nannte sie nach Teilnehmerangaben eine mögliche Gesamtsumme von rund 24 Milliarden Euro für die nächsten drei Jahre.

Die Diskussion offenbart aber noch etwas anderes: Sie zeigt, wie schwer sich Deutschlands Entscheidungsträger und Experten mit der Griechenkrise tun. In Europa steht ein Staat vor der Pleite, und die Suche nach einem Rettungsrezept gestaltet sich schwierig.

Bislang lassen sich folgende Lösungsszenarien benennen:

  1. Die EU soll Griechenland drei Jahre lang mit Milliarden stützen. In dieser Zeit soll die Regierung in Athen das Land radikal reformieren und den gewaltigen Schuldenberg zum Teil abtragen.
  2. Griechenlands Haushalt soll einem sogenannten "Hair Cut" unterzogen werden. Das heißt: Ein Teil der Staatschulden wird aus den Büchern gestrichen - zu Lasten der Gläubiger.
  3. Griechenland soll aus der Euro-Zone austreten, die Drachme wieder einführen und die eigene Währung abwerten, um weitere Schäden für die Gemeinschaftswährung zu vermeiden.

Drei Wege aus der Griechen-Krise - aber wie realistisch sind die Lösungsansätze wirklich? SPIEGEL ONLINE hat die Szenarien analysiert.

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Forum - Europa - können Deutschlands Steuerzahler die Griechen retten?
insgesamt 8513 Beiträge
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1. Ach was!
donnerbalken 24.04.2010
Zitat von sysopNun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?
Ach was! Papalapap! Die Renten werden für einige Jahre eingefroren und Europa ist gerettet...
2. Na aber selbstverständlich
ingrid wild 24.04.2010
auf die paar Griechen kommt es auch nicht mehr an, wir retten ja schließlich schon einen erklecklichen Teil der Welt. Kommt es da vielleicht noch auf den mickrigen Rest an?
3. Nein...
Roueca 24.04.2010
...und wir wollen es auch nicht. Solange, wie gestern in den Nachrichten gezeigt wird, daß die griechische Presse unser Land so sieht: Brandenburger Tor mit Hakenkreuz drauf, solange sollen die anderen EU-Länder den Karren aus dem Dreck ziehen. Eine öffentliche Rüge für dieses Land wäre die richtige Antwort, aber nicht unsere Steuergelder
4.
Volker Gretz, 24.04.2010
Zitat von sysopNun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?
Ich glaube nicht, dass uns Deutschen die Wirtschaft noch so viel Wohlstand gelassen hat, um in Griechenland die Sozialsyteme und Kaufkraft zu erhalten. Im Gegenteil - wir bezahlen die Finanzwirtschft und die Rüstingsindustrie mit dem weiteren Abbau unserer Sozialsysteme, mit dem weiteren verscherbeln unseres Tafelsilbers, mit maroden Staraßen, sinkenden Bildungsausgaben, geschlossenen Schwimmbädern und Bücherien, ... dafür, die Griechen auf unser Niveau herabzuwürgen. Die Griechen retten, hieße dort den Wohlstand, Sicherheit und Daseisnsvorsorge mindesten beizubehalten. Und das will ja niemand mehr. Unserere Regierenden haben die Marschrichtung seit mindesten 12 Jahren in die andere Richtung vorgegeben. Nicht der Wohlstand der Menschen ist das Ziel, sondern die Gewinne der Wirtschaft.
5. Retten
echter_demokrat 24.04.2010
Zitat von sysopNun ist es doch dazu gekommen: Griechenland hat beim Internationalen Währungsfonds einen Kreditantrag gestellt. Das bedeutet auch Kosten für den EU-Partner Deutschland. Können die deutschen Steuerzahler die Griechen retten?
Was heißt Griechenland? Wir werden die gesamte EU retten. Das war nur der erste Stein, der ins Rollen gekommen ist.
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EU-Rettungsplan für Griechenland
Die Hilfe
Kombinierte Hilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Euro-Staaten sollen hochverschuldete Länder wie Griechenland vor der Pleite bewahren. Auf diesen Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einigten sich die Euro-Länder. Laut dem Einigungstext sind "bedeutende Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF)" und bilaterale Kredite der Euro-Staaten vorgesehen.
Das Geld
Wirtschaftsminister Brüderle beziffert den Finanzbedarf Griechenlands auf 135 Milliarden Euro für drei Jahre. Für das laufende Jahr braucht Athen 45 Milliarden Euro. Davon entfielen auf den IWF 15 Milliarden Euro, auf die Euro-Staaten 30 Milliarden Euro. Die bilateralen Kredite sollen erst nach einem einstimmigen Beschluss der 16 Euro-Länder fließen.
Die Kosten
Deutschland müsste den größten Teil der Euro-Hilfen übernehmen. Dem Vernehmen nach entfielen auf die Bundesrepublik entsprechend ihrem Kapitalanteil an der Europäischen Zentralbank (EZB) 27 Prozent der Gesamtsumme. Das wären für 2010 8,4 Milliarden Euro. Für die folgenden Jahre steht noch keine Summe, Wirtschaftsminister Brüderle stellte aber eine Gesamtsumme von 25 Milliarden Euro in den Raum. Derzeit werde geprüft, ob griechische Anleihen gekauft oder über die Staatsbank KfW mit Bundesbürgschaften abgesicherte Kredite vergeben werden. Es zeichne sich die KfW-Lösung ab.
Die Sanktionen
Um das Anhäufen von Rekordschulden künftig zu verhindern, sollen die Sanktionen verschärft werden. Eine Expertengruppe soll bis Ende des Jahres "alle Optionen ausloten, um den Rechtsrahmen zu stärken". Merkel hatte als äußerstes Mittel einen Ausschluss von Ländern aus der Euro-Zone ins Gespräch gebracht. In dem Text werden aber noch keine konkreten Sanktionen genannt.

Grafik: Griechische Schulden bei Banken im Ausland Zur Großansicht
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Grafik: Griechische Schulden bei Banken im Ausland

Die Konditionen im Detail
Volumen
Im Rahmen eines Dreijahresprogrammes werden alle Euro-Länder im ersten Jahr bilaterale Hilfen über insgesamt bis zu 30 Milliarden Euro bereitstellen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) würde zusätzliche Mittel bereitstellen und von dem gesamten Programm etwa ein Drittel übernehmen, also weitere 15 Milliarden Euro.
Zinshöhe
Die Zinsen für Kredite der Euro-Länder liegen etwas über jenen der IWF-Darlehen, die Berechnungsweise folgt den Regeln des Fonds jedoch weitgehend. Für einen dreijährigen Kredit müsste Griechenland rund fünf Prozent Zinsen zahlen. Anleihen mit variablen Zinsen hätten als Basissatz den Dreimonats-Euribor. Für festverzinsliche längerlaufende Anleihen würde der Euribor auf die entsprechende Laufzeit hochgerechnet. Zusätzlich wird ein Aufschlag von 300 Basispunkten erhoben sowie weitere 50 Basispunkte zur Deckung von Verwaltungskosten. Kredite mit Laufzeiten über drei Jahre würden zusätzliche 100 Basispunkte kosten. Auf diese Weise soll der Zins kein Subventionselement enthalten, und die Euro-Länder würden nicht gegen das Verbot der gegenseitigen Schuldenübernahme im EU-Vertrag verstoßen.
Hilfsanfrage
Die griechische Regierung hat Ende April Hilfe von den EU-Partnern angefordert. Der Grund: Griechenland kann sich nicht mehr ausreichend am Kapitalmarkt finanzieren. Die EU-Kommission und die Europäische Zentralbank haben sich für das Sicherheitsnetz ausgesprochen. Die letzte Entscheidung liegt nun bei den Finanzministern der Euro-Zone, die einstimmig die Auszahlung der Hilfe beschließen müssten.
Auflagen
Griechenland müsste bei Zuweisung der Hilfen noch strengere Auflagen erfüllen als jetzt schon mit seinem drastischen Spar- und Reformprogramm. Welche Bedingungen das wären, ist offen.

Staatsanleihen
Wie die Märkte die Renditen bestimmen
DER SPIEGEL
1. Die Ausgabe der Anleihen
Ein Staat legt eine Anleihe zum Stückpreis von 1000 Euro auf – mit einem festen Zinssatz von 5 Prozent auf den Ausgabepreis. Ein Anleger erhält also jedes Jahr 50 Euro Zinsen.
2. Die Zinsen steigen
Das Vertrauen, dass der Staat seine Schulden zurückzahlt, schwindet. Anleger verkaufen die Anleihe, der Preis sinkt – beispielsweise auf 900 Euro. Ein Käufer erhält dennoch 50 Euro Zinsen – was aber, bezogen auf den Kaufpreis, einer laufenden Rendite von nun 5,6 Prozent entspricht. Dazu erhält der Anleger am Ende der Laufzeit ja 1000 Euro zurück, was die Rendite, nach einer komplizierten Formel, sogar noch weiter erhöht – bei einer Restlaufzeit von 3 Jahren beispielsweise auf 9 Prozent.
3. Der Staat muss mehr zahlen
Der Staat muss nun, wenn er neue Schulden macht, mindestens 9 Prozent bieten. Sonst würde es sich für Investoren lohnen, die alten (oder umlaufenden) Anleihen zu kaufen.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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